Lokalsport

Altbewährtes neu entdeckt

In Vorbereitung auf die EM-Saison trainiert Tobias Unger wie im Erfolgsjahr 2005

Mit dem Abflug ins Trainingslager nach Spanien startet für Tobias Unger heute die heiße Vorbereitungsphase auf die Freiluftsaison. Der Sprinter ist guter Dinge, dass ihm im EM-Jahr endlich das Comeback auf die 200-Meter-Strecke gelingt.

Peter Eidemüller

Kirchheim. „Ein Wasser medium, bitte“, diktiert der Mann mit dem kahl geschorenen Schädel in den Block der Café-Bedienung. „Ich muss die Kalorien im Blick behalten“, schmunzelt er – nicht, dass Tobias Unger dramatisch an Gewicht zugelegt hätte, aber nach dem Ende der Hallensaison Anfang März waren zwischenzeitlich ein paar Kilos dazugekommen. „Da habe ich es mir ein bisschen zu gut gehen lassen“, grinst der 30-Jährige.

Mittlerweile hat der (Trainings-) Ernst des (Sprinter-)Lebens den Kirchheimer aber wieder fest im Griff, Unger liegt in Sachen Saisonplanung voll im Soll. Am heutigen Mittwoch geht‘s für elf Tage mit den DLV-Staffelkollegen ins Trainingslager nach Ayamonte in Spanien, vom 24. Mai bis 4. Juni mit der Kirchheimer Gruppe nach Malaga – letzter Feinschliff vor Beginn einer Saison, deren Höhepunkt seine Schatten bereits vorauswirft: die Europameisterschaften in Barcelona (27. Juli bis 1. August). Die Kontinentaltitelkämpfe sind eine willkommene Herausforderung für Unger, der in seine 15. Saison unter Trainer Micky Corucle geht. „Ich brauche große Wettkämpfe, um die Motivation hochzuhalten“, sagt er.

Gesteigert werden die EM-Ambitionen durch die Aussicht, auch wieder auf der Paradestrecke um internationale Meriten sprinten zu können: 200-Meter-Läufe sind fest im Wettkampfkalender eingeplant, die lange lädierten Achillesfersen halten den Belastungen in der Kurve offenbar stand. „Im Trainingslager wollen wir das richtig testen, dann sehen wir weiter“, sagt Unger, der seine letzte konkurrenzfähige 200-Meter-Zeit vor drei Jahren in Regensburg (20,48) lief. Seitdem waren Comebackversuche immer wieder an den empfindlichen Fersen des deutschen Rekordhalters (20,20) gescheitert. Kein Wunder, dass Ungers größter Wunsch für 2010 aus seiner Leidensgeschichte erwächst. „Ich will endlich mal wieder eine Saison komplett ohne Verletzungen durchziehen.“

Damit das klappt, haben er und sein Trainer die Arbeitsmethoden aus dem Erfolgsjahr 2005, als Unger beide Sprintstrecken nach Belieben beherrschte, wiederbelebt. Altbewährtes neu entdeckt heißt das Motto, für das vor allem das Krafttraining umgestellt wurde: Die Intensitäten sind geringer.

Gestiegen sind dafür die Belastungen abseits von Kraftraum und Tartanbahn – der Student für Sport- und Gesundheitsförderung gibt auch an der Uni mächtig Gas, will bis Ende nächsten Jahres alle Prüfungen so weit absolviert haben, um mit der Bachelorarbeit zu beginnen. Wegen des Seminarstresses war Unger übrigens auch nicht bei den Penn-Relays in Philadelphia vor zwei Wochen dabei – das größte Staffelrennen der Welt hatte in den Vorjahren für ihn immer die Freiluftsaison eingeläutet. Stattdessen wird er sein Wettkampf-debüt voraussichtlich am 22. Mai beim Pfingstsportfest in München geben. Erster richtiger Gradmesser soll dann die DLV-Gala am 5. Juni in Regensburg sein – bei entsprechend gutem Abschneiden darf dann ruhig auch mit etwas anderem als Wasser angestoßen werden.

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