Lokalsport

"Alte Hasen" gewinnen Geduldsspiel

Gesamtneunter dank Tagesplatz elf: Die Piloten der Kirchheimer Fliegergruppe Wolf Hirth zählen weiterhin zum ersten Tabellendrittel der Segelflug-Bundesliga.

KIRCHHEIM Die Segelflugwettervorhersage war sowohl für den Samstag als auch für den Sonntag recht optimistisch. So hofften die Piloten der Fliegergruppe Wolf Hirth schon, an beiden Tagen gute Durchschnitte für die Segelflug-Bundesliga erfliegen zu können. Doch am Samstag herrschte südlich der Mainlinie "unfliegbares" Wetter, nur die Fliegergruppen aus dem Norden Deutschlands hatten segelflugtaugliches Wetter. So konnten die "Nordlichter" bereits am Samstag einige gute Flüge in die Online-Wertung eingeben.

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Für die Fliegergruppe Wolf Hirth waren derweil keine Überlandflüge möglich, nur die in der Ausbildung befindlichen Schüler flogen im Doppelsitzer mit dem Fluglehrer ihre Platzrunden. Am Abend waren sich die Streckenflugpiloten nach Einholen der neuesten Wetterinfos einig, dass die Wetterlage für den Sonntag mehr bieten würde: auf der Rückseite eines Tiefdruckgebietes sollte ein "fliegbarer" Bereich durchziehen, der gut nutzbare Wolkenthermik versprach.

So verabredeten sich die Piloten für den frühen Sonntagmorgen, um am zweiten möglichen Wertungstag dieses Bundesliga-Durchganges die lange Sonnendauer optimal nutzen zu können. Doch das Wetter entsprach von Anfang an nicht den Vorstellungen der Segelflieger: Durch einfließende feuchte Warmluft gab es schon morgens Ausbreitungen an der Albkante, das bedeutete große Felder mit Stratuswolken, die die Sonneneinstrahlung immer wieder behinderten und somit auch oft kaum brauchbare Thermikentwicklung zuließen. Außerdem herrschte eine niedrige Wolkenbasis, damit wird der Abstand der Wolken zur Erdoberfläche bezeichnet, sodass die Piloten eine nur geringe Flughöhe zur Verfügung hatten.

Nach ihrem zum Teil extrem frühen Start konnten die Hahnweid-Piloten von oben aus erkennen, dass auch der Norden weiter unter der Abschirmung lag. Allen war somit klar, dass Flüge Richtung Osten oder Westen mehr Erfolg versprechen würden. Es zeigte sich schnell, dass die Wetterbedingungen besonders für die jungen Piloten der Fliegergruppe schwierig zu meistern waren. Alle hatten Mühe, sich mit ihren Segelflugzeugen überhaupt in der Luft zu halten und zwei der Jungpiloten mussten schließlich außenlanden. Damit waren in der nun elften Bundesligarunde die "alten Hasen" des Vereins gefordert, deren Erfahrung an diesem meteorologisch schwierigen Tag gefragt war.

So gelangen Helmut Treiber und Horst Heimann, die auch in den letzten Runden immer wieder erfolgreich flogen, Dreiecksflüge von rund 500 km und Schnittgeschwindigkeiten von 75 km/h. Sie mussten während ihrer Flüge immer wieder ihre im voraus geplante Flugstrecke den sich ständig ändernden meteorologischen Bedingungen anpassen, sodass am Ende ein sehr "abwechslungsreicher Flug, bei dem man immer wieder viel Geduld zeigen musste, daraus wurde", wie Helmut Treiber, Ingenieur der Flugzeugbaufirma Schempp-Hirth, formulierte. Die Dritten in der Wertung sollten Willi Balz und Copilot Steffen Keppler werden. Den beiden gelang an diesem anspruchsvollen Tag ein Flug über 841 km entlang der Schwäbischen Alb bis in den Bayerischen Wald. Die große geflogene Distanz, für die sie fast 11 Stunden im engen Cockpit unterwegs waren, sorgte dafür, dass sie in der so genannten Segelflug-Online-Wertung, in der alle Flüge gemeldet werden und die zurückgelegten Streckenflugkilometer zählen, den Tagessieg erringen konnten. Dabei erreichten sie in ihren "schnellsten" zweieinhalb Flugstunden eine Schnittgeschwindigkeit über 80 km/h.

Mit dem Ausgang des Flugtags war der Segelflugreferent der Fliegergruppe Wolf Hirth, Horst Heimann, schließlich zufrieden: "Gemessen daran, dass der Norden Deutschlands von besserem Wetter begünstigt war, ist der elfte Platz für uns eine gute Platzierung. Wichtig ist, dass wir den neunten Platz festigen konnten."

kh