Lokalsport

Altes Eisen neu geschmiedet

Befürworter einer Handball-Spielgemeinschaft unter Teck in der Offensive

Knapp zwei Dutzend Handballspieler rund um die Teck haben vor Wochen überraschende Post erhalten. Eine Einladung zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Ist-Zustand in den vier Teckvereinen. Die alte Diskussion über die Gründung einer Spielgemeinschaft erhält plötzlich neue Nahrung.

Handball um die Teck zieht: Wenn der Erfolg jedoch ausbleibt, verliert der Sport an Strahlkraft.Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Wie lässt sich die sportliche Talfahrt der Handballvereine um die Teck stoppen? Was sind die Gründe, weshalb immer mehr Führungskräfte ihrem Stammverein den Rücken kehren? Nur zwei von zahlreichen Fragen, denen nachzugehen sich Peter Preller und Roland Dotschkal in den vergangenen Wochen entschlossen haben. Beide haben Söhne, die Tore werfen und beide sind selbst im Handball verwurzelt. Preller als ehemaliger Aktiver beim VfL Kirchheim, Dotschkal spielte einst im Trikot des TSV Owen und ist heute als Spielleiter für die Bezirksliga im Bezirk Esslingen-Teck zuständig. Beim Marktplatzturnier in Esslingen, wo alljährlich hochklassiger Handballsport zu bestaunen ist, haben sich ihre Wege im Juli zufällig gekreuzt. Man hat gefachsimpelt und war schnell beim Thema: „Dass es mit dem Handball um die Teck seit Jahren nur bergab geht, kann nicht nur uns aufgefallen sein“, sagt Dotschkal. „1991 war der letzte erfolgreiche Jahrgang, der ins Aktiven-Lager wechselte“, hält er fest. „Fünf Jahre später sind die allermeisten verschwunden oder spielen bei anderen Vereinen.“

Anzeige

Die Idee, die Kräfte zu bündeln, die stärksten Spieler unter einem gemeinsamen Dach beisammen zu halten, ist nicht neu. Diskutiert in guten Zeiten, als Verbands- und Württembergliga hier beheimatet waren, immer wieder gescheitert an wechselnden Widerständen in den Vereinsgremien. Die SG Teck, 2006 als Jugendbündnis der Nachbarn in Weilheim und Owen geschaffen, gilt bis heute als der größte gemeinsame Nenner. Doch auch dort bleiben nach vielversprechenden Jahren inzwischen die Erfolge aus.

Preller und Dotschkal wollten es diesmal anders machen und bei denen ansetzen, um die es geht: bei den Spielern. 20 Namen standen am Ende auf ihrer Liste, 16 davon zeigten Interesse am Thema, und so kam es, dass vergangenen Freitag sich immerhin ein Dutzend Spieler aus Lenningen, Weilheim, Owen und Kirchheim zum ersten Mal trafen. Kein Handball-Stammtisch, eher ein zielgerichtetes Arbeitstreffen. Sieben Leitfragen gab es zu beantworten, danach wurden zu Papier gebrachte Gedanken ausgiebig diskutiert. Das erste Ergebnis: Die Treue zum Heimatverein ist genauso stark ausgeprägt wie der Wunsch, in einer homogenen Mannschaft Erfolg zu haben.

Preller und Dotschkal wollen die anonym gehaltenen Fragebögen nun auswerten und das Ergebnis allen vier Vereinen am Runden Tisch vorstellen. „Wir wollten wissen, wer aus welchen Gründen seinen Verein verlassen hat und wie wichtig soziale Kontakte und Kameradschaft auch außerhalb des Sports sind,“ sagt Preller. Dass die Aktion in den Vereinen für einigen Gesprächsstoff gesorgt hat, ist beiden nicht entgangen. „Wir wollen kein böses Blut, und wir wollen niemand im Verein vor den Kopf stoßen. Es geht nur miteinander,“ betont Roland Dotschkal. Beiden geht es darum, den Ist-Zustand festzuhalten und eine Zukunftdiskussion zu führen. Dotschkal: „Warum soll bei uns nicht funktionieren, was auf den Fildern, im Ermstal oder im Bottwartal klappt.“

Überfällig

Es ist ein Thema, vor dem kein Verein die Augen verschließen sollte. Die Sportvereine haben ein Problem. Vielleicht nicht schon heute, aber irgendwann. Die Prognosen des Statistischen Bundesamtes und des DOSB für die kommenden Jahrzehnte jedenfalls sind alarmierend. Vor allem den traditionellen Ballsportarten droht auf lange Sicht ein massiver Mitgliederverlust. Die demografische Entwicklung im Land ist nur eine Ursache dafür. Ein verändertes Freizeitverhalten und die wachsende Zahl an Alternativen macht es den Vereinen zunehmend schwer, Jugendliche dauerhaft an sich zu binden. Damit einher geht der Verlust von Qualität im Spielbetrieb: Weniger Talente, weniger Mannschaften, weniger Klasse. Was den Handballsport um die Teck derzeit schwächt, ist kein akuter Infekt, es sind die ersten Symptome einer chronischen Krankheit.

Niederklassigen Sport anzubieten, ist kein Vergehen. Trotzdem bleibt Erfolgshunger der Motor in jedem Wettkampfsport. Wer seinen wenigen Talenten keine Perspektive bieten will, riskiert viel. Er läuft Gefahr, gerade diejenigen zu verlieren, die sich mit ihrem Verein und ihrem Sport am stärksten identifizieren. Als sportliches Aushängeschild, aber auch als Jugendtrainer oder Vereinsfunktionär. Das sollten all jene bedenken, die sich aus Angst vor Traditionsverlust seit Jahren neuen Strukturen verweigern.

Der neuerliche Vorstoß, die Kräfte im Handballsport unter der Teck zu bündeln, ist nicht nur ein richtiger Schritt, sondern nach zwei Jahrzehnten ergebnisloser Diskussion auch ein längst überfälliger. Die Kritik, er komme zur Unzeit, wirkt deshalb kraftlos. Nachdem die Saison gerade erst begonnen hat und sich alle vier Teckvereine in der Bezirksliga als Gegner gegenüberstehen, mag die Diskussion über Sinn und Zweck einer künftigen Spielgemeinschaft den Burgfrieden stören. Doch wer ans Ziel kommen will, muss langfristig planen, Fristen beachten und mühsame Überzeugungsarbeit leisten. Die Spieler zu gewinnen, reicht alleine nicht aus. Ohne die führenden Köpfe in den Vereinen geht es nicht.Bernd Köble