Lokalsport

"Am Ende der Saison stehen wir auf Platz eins oder zwei"

Sein Wort gilt auf dem Platz. Aber auch abseits des Rasens ist VfL-Kapitän Mario Grimm um Antworten nicht verlegen. Im Interview spricht der 27-Jährige über die Perspektiven des Tabellenführers vor dem morgigen Rückrundenstart.

PETER EIDEMÜLLER

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Alle reden vom Aufstieg in die Oberliga auch Mario Grimm?

Ich versuche das ruhig und objektiv anzugehen. Meiner Meinung nach haben wir die Chance vorne mitzuspielen. Aber bevor nicht fünf, sechs Spiele gelaufen sind, ist es schwer, Prognosen anzustellen. Obwohl ich eigentlich jemand bin, der auf die Euphoriebremse tritt, glaube ich persönlich, dass wir am Ende auf Platz eins oder zwei stehen.

Wird der Aufstieg innerhalb der Mannschaft überhaupt thematisiert?

Wir schieben das so weit wie möglich nach hinten. Vorrangig wollen wir schönen Fußball spielen. Wenn wir dann noch gewinnen, umso besser. Die Mannschaft ist auf jeden Fall ehrgeizig genug, um vorne mitmischen zu wollen.

Wäre die Mannschaft in der momentanen Besetzung überhaupt oberligatauglich?

In der Oberliga wird eine ganz andere Effizienz gefordert, die unsere jungen Spieler naturgemäß noch nicht haben können. Viele von ihnen können sich bis Saisonende noch entwickeln. Ohne namhafte Verstärkungen würde man in der Oberliga aber dennoch nicht auskommen.

Stichwort Verstärkungen: In der Winterpause gab es außer Stürmer Antonio Tunjic und Keeper Daniel Reber keinerlei Neuverpflichtungen. Ist der Kader überhaupt groß und stark genug, um bis Saisonende im Titelrennen zu bleiben?

Da sage ich ganz klar Ja. Die Mannschaft ist in der Form seit letztem Jahr zusammen, hat in der Rückrunde der Vorsaison eine fulminante Serie hingelegt. Das Potenzial, um oben mitzuspielen, haben wir allemal. Wenn wir in jeder Partie an unsere Grenzen gehen, stehen wir am Ende der Saison auch vorne.

Wen muss die Mannschaft dabei am meisten fürchten?

Schwieberdingen und Au, denke ich. Ravensburg als Tabellenvierter ist schon zu weit weg und auch Laupheim hat bereits zu viele Punkte gelassen.

Nun waren die Ergebnisse in der Vorbereitung nicht gerade berauschend. Inwieweit lässt beispielsweise das 0:1 gegen Landesligist Dürnau Rückschlüsse auf die Verfassung der Mannschaft zu?

Solche Spiele sind oft ein Muster ohne Wert. Im vergangenen Jahr haben wir unser letztes Vorbereitungsspiel gegen den Tabellenletzten der Landesliga, Korb, ebenfalls verloren und haben danach diese tolle Siegesserie in der Liga hingelegt. Darum sage ich: Lieber die Generalprobe verbocken und dann gewinnen, wenn es darauf ankommt.

Wenn es ums Gewinnen ging, hat sich der VfL bisher als Minimalist erwiesen: 24 Tore in 16 Spielen sprechen nicht gerade für einen schlagkräftigen Angriff.

Unser größtes Manko ist die Chancenverwertung, ganz klar. Dennoch bin von unseren jungen Stürmern überzeugt. Vielleicht schafft einer von ihnen in der Rückrunde ja den Durchbruch. Mit Cem Korkmaz war es in der vergangenen Saison ja ähnlich. Den hatte auch keiner auf der Rechnung und prompt hat er 19 Tore geschossen. Auf lange Sicht ist ein Stürmer, der pro Saison für 15 bis 20 Treffer gut ist, aber unabdingbar.

Nicht minder bemerkenswert ist die mit sieben Treffern äußerst geringe Zahl an Gegentoren. Wie erklären Sie sich diese Abwehrstärke?

Da muss ich dem Trainer ein Lob aussprechen. In Sachen Verteidigung kann man von Michael Rentschler als ehemaligem Abwehrspezialisten unheimlich viel lernen. Er legt im Training viel Wert auf Laufwege und diszipliniertes Arbeiten nach hinten. Das fängt bei den Stürmern an und funktioniert dann wie ein Räderwerk.

Von den Top Drei der Verbandsliga ist der VfL mit nur zwei Gelb-Roten Karten die fairste Mannschaft. Wie wichtig ist Disziplin im Titelrennen?

Das ist das A und O: Je disziplinierter du spielst, umso einfacher hast du es. In der Tat werden wir eher öfter gefoult, als dass wir selbst foulen. Wir sind eben keine Klopfertruppe, sondern spielen mit Köpfchen. Da bin ich persönlich eher noch einer der Unbeherrschteren, die auch mal eine Gelbe Karte riskieren.

Als Kapitän sind Sie der verlängerte Arm des Trainers auf dem Platz und mit 27 Jahren neben Torsten Raspe der älteste Stamm-Anfangsaufläufer des VfL. Wie geht man damit um?

Mit der Rolle des Leitwolfs habe ich keine Probleme. Torsten, Archontis Siopidis, der leider noch verletzt ist, und ich bringen eben Ruhe ins Spiel, wenn es nötig ist. Da kommt einem auch die Erfahrung zugute.

Sie haben unlängst für zwei Jahre beim VfL verlängert. Mario Grimm wird also auch im Falle des Nicht-Aufstiegs in Kirchheim die Kickstiefel schnüren?

Ich habe das unabhängig von der sportlichen Situation gemacht. Ich sehe mich einfach als Kirchheimer Junge. Das Umfeld hier gefällt mir so gut, da fiel es mir leicht, noch zwei Jahre dranzuhängen. Zumal ich beruflich sehr stark eingebunden bin und nicht weiß, was die Zukunft in dieser Hinsicht bringen wird.

Wie sehen Sie, unabhängig von sich selbst, die Zukunft des VfL?

Seit dem Wechsel an der Abteilungsspitze läuft alles in geordneten Bahnen, im Umfeld ist Ruhe eingekehrt. Von der Jugend über die zweite Mannschaft bis zum Verbandsliga-Team und den Fans ist alles wie aus einem Guss. Da ist eine Entwicklung im Gange, die ich so beim VfL noch nie gesehen habe. Ich bin überzeugt von der Sache, sonst hätte ich ja auch nicht verlängert.

ZUR PERSONMario Grimm jagt seit frühester Jugend beim VfL Kirchheim dem runden Leder hinterher. Über die Ende der 90er-Jahre noch in der Bezirksliga aktiven zweiten Mannschaft kommt er zur Saison 99/00 in den damaligen Oberliga-Kader unter Trainer Andy Hägele. Am 22. April erleidet der gebürtige Göppinger im Spiel gegen Pforzheim nach zuvor vielversprechenden Einsätzen einen Kreuzbandriss, fällt acht Monate aus. Der VfL, obwohl von vielen als Abstiegskandidat gehandelt, schafft in den verbleibenden Spielen ohne Grimm den Klassenerhalt. Dennoch sieht der gelernte Industriekaufmann dies als seinen größten Erfolg. Ein Jahr später folgt die größte Niederlage: Der inzwischen wiedergenesene Mittelfeldspieler steigt mit dem VfL in die Verbandsliga ab. Zur Saison 2002/03 wechselt Mario Grimm zum TSV Schönaich, verbringt dort zwei Spielzeiten und kehrt im Sommer 2004 zurück unter die Teck. Seitdem ist er Kapitän des VfL. Grimm wohnt in Zell und arbeitet in Stuttgart.