Lokalsport

Anstatt nach Walldorf zum Brezel-Kick auf den Ott-Platz

Trainingsspielchen statt Auswärtspartie: Kurzfristig mussten die VfL-Fußballer am Samstagnachmittag umdisponieren. Der Schneefall über Nacht hatte den baden-württembergischen Oberliga-Fußball komplett lahmgelegt: Kirchheims mit Spannung erwartete Auswärtspartie beim FC Walldorf fiel ebenso aus wie das Rest­programm.

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HELGE WAIDER

Kirchheim/Walldorf. Zwar fand am Samstag, anders als im Bezirk Neckar-Fils, keine Generalabsage des Fußball-Verbandes statt, doch war eine Austragung des Spiels in Walldorf schlicht unmöglich. Denn der Winter ließ nicht locker und schick­te nochmals Tief „Eve“. Zum Verdruss der VfL-Fußballer: Nachholspiele mag keiner.

VfL-Mannschaftskapitän Christopher Eisenhardt sprach dann auch aus, was wohl viele seiner Sportkameraden bewegte: „Wir haben zwar nun eine Woche mehr Zeit zur Erholung, aber ein Auswärtsspiel an einem Wochentag bedeutet auch fast immer, dass wir einen halben Tag Urlaub nehmen müssen.“

Die übliche (Wochentags-)Rechnung ist einfach: Nahezu jeder Trainer möchte gut 90 Minuten vor dem Anpfiff im Stadionbereich des Gegners eintreffen, um eine ordentliche Spielvorbereitung zu gewährleisten. Hinzu kommen 30 Minuten einkalkulierte Pause während der Anfahrt, die mitunter auch im Stau verloren gehen. Addiert mit der reinen Bus-Fahrzeit, beispielsweise die 90 Minuten nach Walldorf, ergeben sich summa summarum 3,5 Stunden. Bei einem angenommenen Anstoß um 18 Uhr muss sich der VfL-Tross demnach spätestens um 14.30 Uhr in Bewegung setzen. Viel Zeitaufwand für Amateurfußballer.

Der VfL-Mannschaftsführer erfuhr von der Absage übrigens wie seine Kameraden über das „VfL-Frühwarnsystem“. Geschäftsführer Walter Rau und Sportkoordinator Kurt Dangel hatten am frühen Sams­tagmorgen mit Andreas Gaber, dem sportlichen Leiter des FC Astoria, telefoniert. Dieser schloss nach Rücksprache mit seinem Platzwart eine Austragung auf dem Rasenplatz im Stadion aus, und auch der auf dem Gelände befindliche Kunstrasenplatz war kurzfristig nicht mehr zu räumen. Somit blieb nichts anderes übrig, als die Partie abzusagen. Rau informierte anschließend Trainer Rolf Baumann, der statt des Auswärtsspiels eine Trainingseinheit in Kirchheim ansetzte. Die Mannschaft und die mitreisenden Betreuer und Funktionäre wurden schließlich per Rund-SMS informiert.

Die angesetzte 90-minütige Trainingseinheit auf dem schneebedeckten Ott-Platz nutzte Kirchheims Übungsleiter zu einem internen, spaßgeprägten Trainingsspielchen, bei dem er die ältesten und die jüngsten Spieler in ein Team steckte und gegen den Rest antreten ließ. Die alten Hasen und die Jungspunde gewannen schließlich, und so mussten die mittleren Jahrgänge die vereinbarte Zeche bezahlen: Brezeln und zwei Kisten Getränke.

Trotz des aufgezwungenen Alternativprogramms gewann Baumann dem Wochenende Positives ab: „Ich sehe die Spielabsage nicht negativ. Unsere angeschlagenen Spieler haben jetzt eine weitere Woche Zeit zur Regeneration.“ Obwohl der Kon­kurrenzkampf innerhalb des Teams wieder dichter zu werden scheint, herrscht, so Baumann, sehr gute Stimmung im Team. „Die Ergänzungsspieler merken, dass sie ihre Chance bekommen.“ Bestes Beispiel dafür ist Marc Ziegler. Der Offensivspieler hätte in Walldorf ne­ben dem gesetzten Antonio Tunjic gestürmt, weil „Knipser“ Maximilian Laible aufgrund eines Studienseminars im Allgäu nicht verfügbar war.

„Eve“ bereitete im Übrigen auch Werner Banzhaf zuerst eine verkürzte Nacht und anschließend Kopfzerbrechen. Schließlich schickte der Spielleiter des Fußballbezirks Neckar-Fils am Samstagmorgen um 9.18 Uhr die (erwartete) Rundmail: „Generalabsage ab der Bezirksliga abwärts.“

Freuen konnten sich darüber die Spielerfrauen.