Lokalsport

Artisitik auf der Bühne und im Kopf

KIRCHHEIM Erwachsene Männer "spielen Ritter", turnen herum und verkleiden sich als Frauen. Solche Sachen passieren bei "Kunst und

Anzeige

ALEXANDRA BOGER

Kultur am Schloss", wenn Kirchheim zum Sommerfestival einlädt. Das Artistik-Theater "Mixtura Unica" spielte den Literaturklassiker "Don Quichotte" für Kinder ab sechs Jahren, doch auch die Großen waren begeistert. Gibt es einen besseren Ort für eine Rittergeschichte als ein Schloss? Der Regen vertrieb Akteure und Publikum aus dem Marstallgarten in die Kapelle der Kirchheimer Sehenswürdigkeit. Viel mehr als das brauchten Christoph Eichler und Dirk Maibauer Scharpf nicht. Die Kulisse ergab der Blick aus dem Fenster auf die Schlossmauer, das Bühnenbild stellten zwei Leitern, ein Balken und ein paar Tücher dar. Als Requisiten dienten den Schauspielern ein Eimer, zwei Äpfel, zwei Besen und ein Strohhut.

Die Artistik- und Theaterleute bauten die Geschichte von dem Junker Don Quichotte unvermittelt aus einem Dialog auf. So beginnt Christoph Eichler, eben noch dabei, die Bühne zu fegen, die ja aufgrund des Ortswechsels nicht vorbereitet schien, eine Geschichte zu erzählen vom fernen Spanien. Da schaltet sich Dirk Maibauer Scharpf ein, der den meisten Zuschauern Kenntnis von dem "Land um die Ecke" zusprach. Die kleinen Theatergäste nannten einige Aspekte wie Meer, Sonne und Stiere. Nun spielt die Geschichte in einem kleinen Ort in Spanien: "Aber in la Mancha gibt es nichts," generalisiert Christoph Eichler, "außer Gras, einem Schaf, einem Wolf, Räubern, einem Bauer und einer Windmühle", ergänzt Dirk Maibauer Scharpf.

Der Bauer, der seine Zeit damit verbringt, Quittenbäume und Paprikaschoten zu pflanzen, wird zu Don Quichotte und Christoph Eichler damit zum Bauern, der auszieht, Riesen zu besiegen. Der Besen verwandelt sich zum Schwert und der Mitspieler zum Knappen Sancho Pansa, der, wie am "pansa Bäuchlein" zu erkennen, fortan nur ans Essen denkt.

Im nächsten Rollenwechsel finden sich die Akteure als Ritter Eisenherz und Prinzessin Tausendschön wieder. Indem alle verfügbaren Requisiten verschiedene Funktionen erhalten, erweitert sich das spielerische Repertoire. So steht das Tuch über dem Kopf für weibliche Figuren, Besen sind Waffen und der Eimer unter anderem ein Helm, der verliebt macht. Auf der Flucht vor Räubern versteckt sich der Knappe auf der Leiter und verwandelte sich dort oben im Schwenken von Besen und Tuch zur Windmühle.

Im turbulenten Wechsel von Ort, Personen und Szenen treten dann König Drosselbart, Prinzessin Dulcinea und der böse Zauberer Mambrin auf. Das Tuch fungiert als Wand, Kleid oder als Zauberwaldnebel, der die Akteure blind umherlaufen lässt. Im Apfel findet sich Don Quichotte wieder, der vom Riesen zermatscht als Apfelmus auf dem Boden liegt nur gut, dass die Tatwaffe ein Besen ist. Für Sancho Pansa gerät das Ritterspiel zum Geduldsspiel. So bleibt er auch in der Rolle des Barbarossa und der Dulcinea seinem "Bäuchlein" treu und versucht, an den Apfel zu kommen, auch wenn der sich als Edelstein tarnt.

Das Artistik-Theater macht seinem Namen alle Ehre, denn auch dem Zuschauer wird einiges an Gehirnakrobatik abverlangt, will man den Rollen- und Requisitenwechseln folgen. Artistische Einlagen gehören zur Handlung und zeigen sich bei Balance-Akten auf den Schultern des Mitspielers und auf labilen Balken-Leiter-Konstruktionen. So unvermittelt wie die Geschichte beginnt, endet sie auch: "Das war die Geschichte vom Bauer in la Mancha, der Ritter spielen wollte."

Diesen Aspekt hob Christoph Eichler hervor: "Dahinter ist keine erzieherische Intention. Die Kinder kennen es, beim Spiel in eine andere Rolle zu schlüpfen, und wie es ist, wenn man ,Ritter spielt'. Es geht um die Fantasiewelt, die dabei entsteht, die auch der Bauer aus la Mancha aufbaut. Hier liegt die Parallele". Die Mitglieder von "Mixtura Unica" verwiesen auf das vereinfachte und reduzierte Requisiten-Re

pertoire: "Diese Dinge haben die Kinder zuhause und bauen sie in ihr Spiel ein."