Lokalsport

Auch 2005 Medaillen im Visier

Schaffe, schaffe, Häusle baue: Tobias Unger (25) passt derzeit gut ins (schwäbische) Klischee. Der Vorzeigesprinter aus Wendlingen mit Olympia-Platz sieben als Highlight seiner sportlichen Vita gilt nämlich nicht nur als bienenfleißiger (Trainings-)Arbeiter, sondern seit neuestem auch als Besitzer eigenen Wohnraums.

THOMAS PFEIFFER

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KIRCHHEIM Leichtathletik-begeisterte Kirchheimer wird's freuen: Tobias Unger schlägt seine Zelte künftig in Kirchheim auf, vertauscht die elterliche Wohnstube in Wendlingen mit einem selbst erworbenen 140-Quadratmeter-Reihenmittelhaus in Kirchheim. Kreditabwicklung, Notariat, vorgestern die ersten anrollenden Bagger auf dem Gelände alles ist schon passe. "Wir bauen hinter dem Kreiskrankenhaus", verrät Unger. Und verkündet, weshalb er bei seinem Wohnortwechsel eben Kirchheim und keiner Nachbarstadt den Vorzug gegeben habe: "Kirchheim hat eindeutig die schönste Innenstadt. Nürtingen gefällt mir nicht so." Im Sommer 2005 wird der gebürtige Münchner, der im Athener 200-Meter-Finale der einzige Weiße war und deshalb ein eindrucksvolles Kapitel olympische Geschichte schrieb, endgültig zum Wahl-Kirchheimer.

Dann zieht der sprintbegabte Junggeselle zu Hause aus und ins eigene Heim ein. Die Schwester samt Kind zieht vorübergehend mit. "Deshalb mache ich mir auch keinerlei Sorgen, dass Tobias plötzlich sein altes diszipliniertes Verhalten verlieren und über die Stränge schlagen könnte", sagt "Heimtrainer" Micky Coruc-le, ein Freund eiserner Disziplin. Weiter (schmunzelnd): "Nein, zum Partynest wird seine neue Wohnung bestimmt nicht. Tobias ist schließlich Profi, weiß am besten, was er zu tun hat." Zum Beispiel trainieren: Der Anfahrtsweg ins Kirchheimer Stadion wird kürzer.

Dort und an zwei weiteren bekannten Standorten (Köngen, Stuttgart) wappnet sich Tobias Unger derzeit für die durchaus event-trächtige Saison 2005: Mit den Hallen-Europameisterschaften in Madrid (4. bis 6. März) und der Freiluft-WM in Helsinki vom 6. bis 14. August stehen gleich zwei schillernde Meetings bevor. "In Helsinki will ich über 200 Meter ins Finale, genauso wie bei der Olympiade", formuliert er als Ziel. In Madrid dürfte er die Qualifikation und entsprechende Tagesform vorausgesetzt als Bronzemedaillengewinner bei der Hallen-WM '04 ganz automatisch einer der Erstanwärter auf die Goldmedaille sein.

Vielleicht kann Unger "ganz nebenbei", wie er bemerkt, auch noch etwas auffrischen, das seit Sommer 1985 in den Annalen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) schlummert: Die nationale 200-Meter-Bestmarke des Magdeburgers Frank Emmelmann. 20,23 Sekunden stehen zu Buche. "Knacken würde ich diesen Rekord schon gerne", sagt Unger, beharrt aber auf den Konjunktiv der Aussage: Unter Erfolgsdruck setzt er sich deswegen nicht. Micky Corucle findet's korrekt: "Rekorde spielen für mich keine Rolle."

Titel zählen schon eher, am meisten aber zählt bei Tobias Unger die Leistungskonstanz zumindest für Corucle. "Mein Ziel ist es, dass Tobias im kommenden Jahr durchgängig um die 20,40 Sekunden laufen kann, also bei jedem einzelnen Start." Der Countdown für möglichst viele 200-Meter-Zeiten mit der 4 hinterm Komma läuft: Unger trainiert auch im Herbst 2004 exakt nach Plan.