Lokalsport

Auf dem Kreuzzug Richtung zweite Liga

Die American Footballer der Albershausen Crusaders wollen den Betriebsunfall Regionalliga-Abstieg schnell wieder ausbügeln

Trotz des denkbar knappen Abstiegs aus der Regionalliga sind die Albershausen Crusaders in der Region immer noch eine Haus- und Zugnummer in Sachen American Football. Nach zwei deutlichen Siegen zum Auftakt der Oberligasaison ist die Mission sofortiger Wiederaufstieg auf einem guten Weg. Mit ihrem seit Jahren überdurchschnittlich hohen Engagement auf und neben dem Platz wollen die Kreuzritter auf lange Sicht in die 2. Bundesliga.

Hoch her geht‘s bei den Heimspielen der Albershausen Crusaders nicht nur auf dem Rasen. Auch abseits des Platzes bieten die Foot
Hoch her geht‘s bei den Heimspielen der Albershausen Crusaders nicht nur auf dem Rasen. Auch abseits des Platzes bieten die Footballer ihren Fans zünftige Unterhaltung. Foto: Sarah Philipp

Albershausen. Einen Schritt zurück machen, um zwei nach vorne zu kommen: Dieses unlängst von Kirchheims Basketballern nach dem Zweitliga-Abstieg formulierte Motto haben auch die American Football-Spieler aus Albershausen für sich entdeckt. Wie die Knights wollen auch die Crusaders aus der Not eine Tugend machen und eine Liga tiefer den Knopf für den Neustart drücken. Dabei war der Albershausener Abstieg nach zweijähriger Zugehörigkeit zur Regionalliga, immerhin dritthöchste deutsche Spielklasse, um einiges knapper als der der Korb jagenden Kollegen aus Kirchheim. Die Crusaders mussten nur wegen eines einzigen Touchdowns in die Oberliga. Um beim Vergleich mit den Basketballern zu bleiben: Das ist, als ob die Knights den Klassenerhalt wegen eines lausigen Dreiers verpasst hätten.

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„Das war wirklich eine knappe Sache“, formuliert Mirko Mosenthin den unglücklichen Abstieg erstaunlich unaufgeregt. Der 34-jährige Weilheimer, seit Beginn des American Footballs in Albershausen vor 14 Jahren am Ball, lebt das Credo der gesamten Mannschaft vor: „Der Abstieg war ein Betriebsunfall, der schnell behoben werden soll. Der sofortige Wiederaufstieg ist unser Ziel“, sagt er. Dieser unverhohlene Optimismus hat durch zwei beeindruckende Siege zum Oberligastart zusätzliche Nahrung bekommen. Dem 38:9-Heimtriumph über Mitabsteiger Weinheim Longhorns folgte am vergangenen Wochenende ein 34:6-Auswärtserfolg bei den Stuttgart Silver Arrows.

Was die daraus resultierende Tabellenführung wert ist, kann niemand sagen. Zumal sich die Albershausener den Platz an der Sonne mit ihrem laut Mosenthin stärksten Rivalen im Titelrennen teilen, der zweiten Mannschaft der Schwäbisch Hall Unicorns. Die Reserve des deutschen Meisters von 2011 und 2012 ist wegen ständiger Personalrochaden nur schwer einzuschätzen. „Da weiß man nie, ob und mit wie viel Verstärkung aus der ersten Mannschaft die auflaufen“, so Mosenthin, der den direkten Duellen am 12. Mai in Albershausen und am 1. Juni in Schwäbisch Hall vorentscheidenden Charakter im Kampf um Platz eins einräumt. Die Aussichten schätzt er dabei positiv ein. „Der Aufstieg ist realistisch, wir haben eine gute Truppe beieinander und bis auf einen Spieler, der uns aus beruflichen Gründen verlassen musste, keinen Abgang.“

Personelle Kontinuität ist eines der größten Pfunde, mit denen sie in Albershausen wuchern. Wo andere Teams stetigen Spielerschwund beklagen müssen, wird den Crusaders seit Jahren regelrecht die Bude eingerannt. Mit 220 Mitgliedern, von denen rund ein Drittel aus der Kirchheimer Ecke kommt, sind die Footballer mittlerweile die größte Abteilung innerhalb des TSGV Albershausen. Neben dem aktiven Männerteam können die Kreuzritter auch ein A-, B- und C-Jugend-Team vorhalten, die auf württembergischer Ebene erfolgreich mitmischen.

Auf den eigenen Nachwuchs zu setzen, ist trotz des Abstiegs bewährtes Erfolgsrezept der Albershausener, die sich damit von vielen, vor allem höherklassigen Teams unterscheiden. Ab der Regionalliga aufwärts kommen immer weniger Mannschaften ohne schlagkräftige Amerikaner aus. Zwar sind laut Statuten maximal nur zwei gleichzeitig auf dem Spielfeld erlaubt, doch können die oft direkt vom College über den großen Teich eingeflogenen US-Boys in deutschen Amateurligen den Unterschied machen. „Das ist ja prinzipiell auch kein Problem, solange die sich dann auch in den Vereinen engagieren“, kritisiert Mirko Mosenthin den in den vergangenen Jahren wachsenden Transfermarkt, der allzu viele Sportsöldner zu produzieren droht.

In Albershausen haben sie Verstärkung aus USA freilich nicht nötig. Zum Kreuzritter wird man, weil es auf und neben dem Platz stimmt. „Wir bieten eben allerhand. Da können selbst Teams in der Regionalliga nicht mithalten“, verweist Mosenthin nicht ohne Stolz auf die sechs für die verschiedenen Mannschaftsteile zuständigen Trainer sowie das zugkräftige Drumherum, das nicht nur als Zuschauermagnet dient. Digitale Anzeigetafel, Kinderhüpfburg, Cheerleader sowie ein Maskottchen, das entweder im Ritter-Outfit oder Dudelsack spielend für Stimmung sorgt, machen jedes Crusaders-Heimspiel. von zünftig-amerikanischem Barbecue ganz abgesehen. zum Erlebnis. Kein Wunder, dass zu den Partien im Albershausener Waldstadion bis zu 700 Zuschauer pilgern.

Dass derart großer Zuspruch nicht ohne eigenes Zutun über Nacht entsteht, haben die Kreuzritter bereits vor Jahren erkannt. Nahezu alle Mitglieder engagieren sich abseits des Platzes, um neben Aufmerksamkeit auch Nachwuchs zu gewinnen und Geld in die Kassen zu spülen. Auf durchschnittlich 50 Arbeitsstunden kommt jeder Crusader pro Jahr. Security-Dienste bei Heimspielen der Kirchheimer Basketballer zählen dabei ebenso zum Pflichtprogramm wie aufsehenerregende PR-Aktionen in der Fußgängerzone oder unterhalb der Teck, wo knapp 30 Spieler unlängst in voller Montur einen Videoclip drehten, der mittlerweile der Renner bei Youtube ist.

Stichwort Internet: Ausführliche Zusammenfassungen ihrer Spiele für das World Wide Web produzieren die Crusaders wie so vieles andere in aufopferungsvoller Eigenregie. Das kommt vor allem bei jungen Leuten gut an, die laut Mirko Mosenthin aus zwei Gründen in Albershausen landen. „Die einen kommen aus anderen Sportarten und sind einfach nur neugierig. Andere merken, wie viel Selbstvertrauen einem Football geben kann.“ Vor allem beleibte Jugendliche, die oft gehänselt werden, begreifen die Jagd nach dem rotationsellipsoidförmigen Ball als eine Art Sozialtherapie. „Das ist ein Mannschaftssport, bei dem jeder Einzelne zählt und wichtig ist“, sagt Mosenthin, der vor diesem Hintergrund am ganz großen Rad dreht. „Langfristig wollen wir in die 2. Bundesliga aufsteigen.“ Nach einem Schritt zurück wären‘s in der Tat zwei nach vorne.

Crusaders-Saison im Überblick

Sonntag, 28. April: Pforzheim Wilddogs (H) Sonntag, 5. Mai: Kuchen Mammuts (A) Sonntag, 12. Mai: Schw. Hall Unicorns II (H) Samstag, 1. Juni: Schw. Hall Unicorns II (A) Sonntag, 23. Juni: Heilbronn Salt Miners (H) Sonntag, 30. Juni: Weinheim Longhorns (A) Sonntag, 7. Juli: Stuttgart Silver Arrows (H) Sonntag, 14. Juli: Pforzheim Wilddogs (A) Sonntag, 21. Juli: Heilbronn Salt Miners (H) Samstag, 27. Juli: Kuchen Mammuts (H) H = Heimspiel / A = Auswärtsspiel www.albershausen-crusaders.de