Lokalsport

Auf der Jagd nach der Norm

Tobias Unger kämpft ums EM-Ticket

Noch treten Deutschlands 100-Meter-Sprinter auf der Stelle in Sachen EM-Norm. Morgen in Wattenscheid wollen gleich fünf DLV-Asse erstmals die geforderten 10,30 Sekunden knacken. Einer davon: Tobias Unger. „Es sieht gut aus“, macht der Kirchheimer in Optimismus.

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Peter Eidemüller

Kirchheim. Fünf Wochen vor Beginn der Europameisterschaften in Barcelona (27. Juli bis 1. August) kommen Deutschlands schnellste Männer noch nicht richtig in Fahrt. Bislang hat noch keiner die vom DLV geforderten 10,30 Sekunden unterboten. Allmählich drängt die Zeit: Um nach Spanien zu fahren, muss die Norm bis 18. Juli zweimal geknackt werden. Am dichtesten dran sind dabei zwei Sprinter, die bereits eine Läufergeneration trennt. Tobias Unger (30) und Felix Göltl (20) vom Tus Kriftel führen die Top Ten mit jeweils 10,32 Sekunden an. Göltl ist kein Unbekannter, der Hesse wurde vergangenes Jahr Deutscher Jugendmeister über 100 Meter und holte mit der deutschen U20-Staffel Gold bei der Europameisterschaft.

Die nächste Chance, den aufstrebenden Youngster abzuschütteln und erstmals die EM-Norm zu knacken, bietet sich Tobias Unger morgen bei der DLV-Gala in Wattenscheid, von wo der TV-Sender Eurosport zwischen 16.30 und 18.30 Uhr berichtet. „Vom Training her sieht‘s gut aus“, sagt Unger, der in Vorbereitung auf den Wettkampf auf eine Teilnahme an der Team-EM vergangenes Wochenende im norwegischen Bergen verzichtet hatte. „Wir haben das mit dem Verband geregelt“, so Unger, „mit meinen lädierten Achillessehnen will ich auch nicht unbedingt jedes Wochenende antreten.“

Im Wattenscheider Lohrheidestadion, wo Unger 2005 seine Hausrekorde (10,16 über 100 und 20,20 über 200 Meter) gelaufen ist, greifen jedoch auch andere nach dem EM-Ticket. Alexander Kosenkow, Sebastian Ernst (beide TV Wattenscheid), sowie Martin Keller (Chemnitz) und Julian Reus (Erfurt) sind den 10,30 bislang ebenfalls erfolglos hinterhergejagt. „Momentan haben sich alle ein bisschen festgebissen“, resümiert Unger, der sich bereits heute mit Trainingskollege Marius Broening gen Wattenscheid aufmachen wird.

Dass ein DLV-Sprinter dort im Finale morgen um 16.05 Uhr die Norm knacken könnte, ist nicht zuletzt wegen der schnellen internationalen Konkurrenz möglich. Im Sog der beiden Jamaikaner Ainsley Wauhg (Bestleistung 10,14 Sekunden) und Mario Forsythe (10,16) sollte eine Zeit unter 10,30 durchaus drin sein. Zumal auch der Weltmeister von 2003, Kim Collins, am Start stehen wird. Im Vorjahr gewann der 34-Jährige aus St. Kitts&Nevis in Wattenscheid die 100 Meter mit 2,3 Metern Rückenwind in 10,08 Sekunden.

Sollte es für Tobias Unger in Wattenscheid erstmals mit der 100-Meter-Norm klappen, liebäugelt er in den nächsten Wettkämpfen mit ei­nem Comeback über 200 Meter. „Erst müssen die 100 Meter sicher stehen“, betont er, „aber die 200 Meter sind noch nicht abgehakt.“ Warum auch? Die 20,69 und 20,77 Sekunden der beiden aktuell schnellsten Deutschen (Till Helmke und Sebastian Ernst) sind für einen fitten Unger durchaus machbar. „Ich trau‘s mir zu“, sagt der Kirchheimer angriffslustig. Übrigens: Die EM-Norm über 200 Meter liegt bei 20,65 Sekunden.