Lokalsport

Auf der Überholspur im Exotenland

Vor wenigen Jahren hätte er seinen Sport fast an den Nagel gehängt, weil es seinem Heimatverein, dem TV Bissingen, am Nachwuchs mangelte. 2005 ging es für Christoph Dangel steil bergauf: Nach seinem Sprung in die Faustball-Bundesliga streckt auch U20-Nationaltrainer Karl Katz die Finger nach dem 18-jährigen Bissinger aus.

BERND KÖBLE

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Ratlosigkeit und Schulterzucken ist Christoph Dangel gewohnt, wenn er in der Öffentlichkeit auf seinen Sport zu sprechen kommt. Ein bisschen Volleyball und doch wieder nicht so recht weiß es am Ende keiner. Faustball, das ist fraglos nicht der Stoff, aus dem man hier zu Lande Helden schnitzt. Während in anderen Sportarten Werksteams und börsengestützte Kunstgebilde medienwirksam ihre Haut zu Markte tragen, freut sich ein Faustballer schon über jeden, der die Regeln kennt. Dabei hat das dynamische Spiel über eine zwei Meter hohe Leine, bei dem das runde Leder anders als beim Volleyball den Boden berühren darf, auch für den Zuschauer seinen Reiz.

Für den Sportler ohnehin, und so hat sich Christoph Dangel am Etikett des Exotischen nie gestört. Vielleicht auch deshalb, weil dumme Fragen zum Thema Faustball in Bissingen kaum jemand stellt. Als traditionsreiche Säule im Vereinsleben der Seegemeinde schaffte die kleine Abteilung vor 13 Jahren immerhin den Sprung in die zweite Liga. Damals war Christoph Dangel gerade mal fünf Jahre alt und ahnte wohl kaum, dass er die damaligen Vorbilder eines Tages überflügeln würde.

Dabei drohte der Faustballer-Laufbahn des Blondschopfs, der sich zeitweilig auch als Tennisspieler und Leichtathlet versuchte, schon früh das Ende: Den Bissingern mangelte es am nötigen Nachwuchs und nach der zwangsweisen Auflösung der Jugendmannschafft trainierte Christoph Dangel ohne spielerische Perspektive, dafür mit jeder Menge Ehrgeiz zwei Jahre lang bei den Männern mit bis die Faustballer der TG Nürtingen auf den talentierten Jungspund aufmerksam wurden. Bereits ein Jahr später stieg der als 16-Jähriger mit der ersten Mannschaft in die Schwabenliga auf.

Das Interesse der Konkurrenz war fortan geweckt und so kam die Anfrage aus der Landeshaupstadt nur für Christoph Dangel völlig überraschend. Dem Probetraining beim NLV Vaihingen dem Gewinner des Europapokals 2002 folgte schnell das Debüt in der Bundesliga. Dort hat der 18-Jährige als jüngster Spieler im Oberhaus inzwischen seinen Stammplatz sicher. Seitdem sind nicht nur die Berge schmutziger Wäsche größer geworden, die er vom kampfbetonten Spiel auf dem Rasenfeld mit nach Hause bringt. Mit dem Trainingsumfang ist auch sein Ehrgeiz gewachsen.

Zweimal die Woche steht er mit seinen Vaihinger Mannschaftskollegen auf dem Platz, eine dritte Trainingseinheit absolviert er mit seinem früheren Verein, der TG Nürtingen. Weil dies den Eifer immer noch nicht stillt, entsteht auf der Wiese hinterm elterlichen Betrieb in Bissingen derzeit ein eigenes Trainingsgelände. So viel Einsatz zahlt sich aus: Am Donnerstag flatterte die Einladung zum Sichtungslehrgang der A-Junioren-Nationalmannschaft ins Haus. Auswahltrainer Karl Katz will den sprunggewaltigen 1,88-Meter-Hühnen im Blick auf den Europacup Anfang Oktober in der Schweiz auf Herz und Nieren prüfen. Der nahm die unverhoffte Nachricht auf seine Weise auf, griff gleich zum Telefonhörer und vereinbarte mit seinem Vaihinger Vereinstrainer eine Sonderschicht. Wo's hapert weiß Christoph Dangel offenbar sehr genau: "Im Antritt auf den ersten Metern."