Lokalsport

Auf "Du und Du" mit Ingemar Stenmark

In seiner fünften Saison bei Tischtennisbundesligist TTC Frickenhausen ist Jens Lundquist im vorderen Paarkreuz eine feste Größe. Abseits der Platten präsentiert sich der Schwede als heimatverbundener Sportfreak mit prominenter Bekanntschaft.

PETER EIDEMÜLLER

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FRICKENHAUSEN Damit hatte er bestimmt nicht gerechnet. Dass ihm beim Pressegespräch in einem Frickenhausener Stehcafe typisch schwedisches Weihnachtsgebäck überreicht wird. "Tack s† mycket", bedankt sich ein sichtlich überraschter Jens Lundquist für die in seiner Heimat so beliebten "Pepparkakor" (Pfefferkuchen) und "Lussekatter" (mit Safran zubereitetes Hefegebäck in S-Form). "Die werde ich mir heute Abend während der Eishockeyübertragung schmecken lassen", freut sich der Frickenhausener Bundesligaprofi um über das Sportgeschehen im hohen Norden informiert zu bleiben, empfängt der 26-Jährige in seiner Frickenhausener Wohnung seit kurzem schwedisches Fernsehen. Besonders interessiert ist Lundquist an der Eishockeytruppe seiner Heimatstadt Gävle in Mittelschweden, von wo er sich vor knapp viereinhalb Jahren in Richtung Deutschland aufmachte, um beim TTC anzuheuern.

"Das erste Jahr in Deutschland war schwierig", erinnert er sich an die anfänglichen Sprachbarrieren und den Druck, auf einmal in der "besten europäischen Liga" (Lundquist) bestehen zu müssen. Den Draht ins Neuffener Tal stellte der damals als spielender Manager beim TTC fungierende Torben Wosik her, der Lundquist auf einem internationalen Turnier ansprach und ihm ein Angebot machte. Seitdem hat seine Karriere einen steilen Verlauf genommen: Als Nummer 94 der Tischtennis-Weltrangliste nach Frickenhausen gekommen, verbesserte er sich im vergangenen Jahr auf Platz 19, absolvierte knapp 35 Länderspiele und wurde 2002 Mannschaftseuropameister. In diesem Jahr wurde er schwedischer Einzelmeister und ist momentan auf Platz 32 der Weltrangliste drittbester Schwede hinter Peter Karlsson (24.) und Jan-Ove Waldner (29.).

An sein erstes Match gegen die Tischtennis-Legende Waldner kann sich Lundquist noch gut erinnern. "Das war noch in der schwedischen Liga", sagt er, "ich war 17 und mächtig aufgeregt, gegen mein Idol zu spielen." Inzwischen sind die beiden Freunde geworden. Nicht zuletzt, weil Waldner seine Brötchen ebenfalls in der Bundesliga, beim TTC Fulda, verdient. Kurios: Waldner wohnt in Schweden, wird nur für die Spiele eingeflogen. Des Öfteren hat der inzwischen 39-Jährige Jens Lundquist nach Stockholm eingeladen. Bei diesen Gelegenheiten hat Lundquist auch den einen oder anderen schwedischen Spitzensportler kennen gelernt. Unter anderem auch Ski-Legende Ingemar Stenmark, den ehemaligen Fußballprofi Thomas Brolin oder den schwedischen Nationalhelden im Eishockey, Peter Forsberg, der in der NHL für die Philadelphia Flyers dem Puck nachjagt.

Wie viele schwedische Kinder hat auch Jens Lundquist in seiner Jugend Eishockey gespielt, sich aber nach einigen Jahren für das Tischtennis entschieden. Immerhin sind seine beiden älteren Brüder (32 und 35 Jahre) auch aktive Spieler. Zudem war sein Vater Präsident des Tischtennisverbandes in der Region um Gävle. "Inzwischen ist er pensoniert und besucht mich ab und zu mal", erzählt Lundquist. Sein enger Terminplan erlaubt es selten, nach Schweden zu Familie und Freunden zu fliegen den Heimwehfaktor erachtet der Blondschopf jedoch als eher gering. "Klar vermisse ich Schweden zwischendurch mal", gibt er zu, "aber ich fühle mich richtig wohl in Deutschland. Es hat sich gelohnt, nach Frickenhausen zu kommen." Bei bis zu neun Trainingseinheiten pro Woche findet die Freizeitgestaltung meistens mit den Mannschaftskameraden des TTC statt. "Wenn wir Zeit haben, gehen wir zu Spielen des VfB Stuttgart", sagt Lundquist, der sich als Sportfreak outet. "Ich sehe auch sehr gerne Handball. Demnächst will ich mir ein paar Spiele von Frisch Auf Göppingen in der Bundesliga anschauen."

Davor geht's jedoch heim nach Schweden. Die Weihnachtsfeiertage wird er im Kreise seiner Familie verbringen um Kraft und Ruhe für die anvisierte Titeljagd zu tanken. Der TTC tanzt noch auf drei Hochzeiten: ETTU-Pokal, deutscher Pokal und deutsche Meisterschaft. Nach dem Willen von Jens Lundquist soll wenigstens ein Titel herausspringen. "Momentan läuft es in der Bundesliga gut bei uns. Zu 99 Prozent müssten wir den Sprung in die Play-offs schaffen."

Ein weiteres Ziel für ihn, der als spielerische Schwäche seine Rückhand aufführt, sei die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2008 in Peking. Nachdem er im vergangenen Jahr in Athen nur als Ersatzmann zum Einsatz kam, will er sich sowohl fürs Einzel, als auch das Doppel qualifizieren. Ob er letzteres an der Seite Jan-Ove Waldners bestreiten wird, ist eher unwahrscheinlich: Waldner wäre bei den Spielen in Peking bereits 42 Jahre alt.