Lokalsport

Auf Gmünds Kunstrasen ist „derbe Einstellung“ gefragt

Was lange währt, wird endlich gut: Auf den Tag genau zwölf Wochen nach ihrem letzten Oberligaauftritt beim Bahlinger SC bestreiten die Kicker des VfL Kirchheim morgen wieder ein Pflichtspiel. Beim FC Normannia Gmünd hat der Trainer des Tabellenvorletzten einen Punkt anvisiert, sieht sein Team psychologisch sogar im Vorteil: „Gmünd hat mehr zu verlieren als wir“, glaubt Rolf Baumann.

Anzeige

Peter Eidemüller

Kirchheim. Was unter Druck nicht alles für schöne Dinge entstehen: In freier Natur zum Beispiel Diamanten. Im Fußball mitunter Optimismus. Selbiger schwingt in der Stimme von Rolf Baumann hörbar mit, spricht man ihn auf die Situation beim akut abstiegsbedrohten VfL an. „Wir sind stärker geworden, was das Spiel nach vorne angeht“, sagt er im selben Brustton der Überzeugung wie „die Mannschaft macht einen sehr aufgeweckten Eindruck.“ Schläfrigkeit wäre angesichts der Tabellensituation auch alles andere als ratsam vor dem ersten Pflichtspiel 2009: Als Ligavorletzter (13 Punkte) blickt der VfL in den gähnenden Tabellenabgrund, an dessen Boden im schlimmsten Fall die Verbandsliga wartet. Solchen Szenarien gibt sich Berufsoptimist Baumann jedoch nicht hin: „Wir haben in der Winterpause nur wenig über die Tabellensituation geredet“, verrät der 45-Jährige, „seit ich im Amt bin, weiß ohnehin jeder, dass es nur nach oben gehen kann.“

Am besten dahin, wo der morgige Gegner steht: Normannia Gmünd ist Tabellenelfter (23 Punkte), wäre am Saisonende also selbst im ungünstigsten Fall von sechs Absteigern gerettet. Um am Ende tatsächlich über dem Strich zu stehen, haben die Gmünder in der Winterpause personell nachgerüstet. Von Ligakonkurrent Großaspach kam Stürmer Giuseppe Greco, der Normannias Toptorjäger Benjamino Molinari (sechs Treffer) unterstützen soll. „Nicht nur im Sturm ist der Konkurrenzkampf groß“, freut sich FC-Coach Alexander Zorniger, „auch im Mittelfeld und der Abwehr habe ich viele Möglichkeiten.“ Dreh- und Angelpunkt des Gmünder Spiels sind die Gebrüder Kaiser, Steffen und Dominik, die beide lange Zeit in Kirchheim spielten. Wer ihnen den Zahn zieht, kann sich gegen den WFV-Pokalsieger von 2007 durchaus etwas ausrechnen. „Wir schauen aber nicht nach einzelnen Spielern“, so Rolf Baumann, „sondern wollen dem Gegner mit ballorientiertem Spiel den Schwung nehmen.“

Klingt gut – wäre da nicht das leidige Thema Kunstrasen. Dorthin haben die Gmünder die Partie (Anpfiff 15 Uhr) angesichts der schlechten Witterungsverhältnisse nämlich verlegt. „Da musst du schon mit einer derben Einstellung hin“, weiß Baumann, „denn auf Kunstrasen zu spielen, erfordert ein hohes Maß an technischem Können.“ Da er selbiges bei seiner Elf aber durchaus gegeben sieht, ist der gebürtige Laichinger optimistisch: „Ein Punkt ist drin.“

In Sachen Aufstellung wollte sich der Übungsleiter noch nicht in die Karten schauen lassen, letzte Tests im gestrigen Abendtraining sollten jedoch Klarheit bringen. Sicher ist bislang nur der Ausfall von Coskun Isci (Oberschenkelzerrung), der jedoch ohnehin kaum zur Startelf gehört hätte. Schwerer wiegt da das verletzungsbedingte Fehlen von Emrah Polat, der zwar wieder annähernd voll trainiert, gegen Gmünd aber noch geschont werden soll. Für ihn darf auf der rechten Außenbahn entweder Uwe Beran oder Kagan Söylemezgiller ran. Im Fall des am Knie angeschlagenen Ferdi Er würde sich Baumann für Hans-Alex Thies als Ersatz in der Viererkette entscheiden. Noch ebenso offen wie die Torwartposition (Baumann: „Ich habe meine groben Vorstellungen“) ist die Vergabe der Sturmplätze. Maximilian Laible, Antonio Tunjic und Nicola Spina haben alle drei in der Vorbereitung überzeugt, Baumann hat hier ebenso die Qual der Wahl wie sein Gmünder Kollege Alexander Zorniger.

Selbigen sieht Baumann im Übrigen eher in Zugzwang als seinen VfL. „Wir stehen eh schon hinten drin. Gmünd hat deshalb mehr zu verlieren, da sie ja auch noch abrutschen können.“ Womit man wieder beim Thema Druck wäre: „Wir sind ihn gewohnt, gehen deshalb reifer mit der Situation um, als die“, so Baumann. Solange unter diesem Druck am Ende der Klassenerhalt steht, wäre dies ja auch mehr Wert als Diamanten.