Lokalsport

Auf spielerischem Weg den Nachwuchs aufs Kreuz legen

Es tut sich was im Jugendringen: Mit einem abwechslungsreichen und spielerisch ausgelegten Training hat der VfL Kirchheim die große Mitglieder-Depression überwunden und sieht sich im Nachwuchsbereich gut für die Zukunft gerüstet.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Wenn sich Kinder im Grundschulalter gemeinsam sportlich betätigen, ist es vor allem eines: laut. Da bildet natürlich auch der Ringernachwuchs des VfL Kirchheim keine Ausnahme Lachen, Johlen und Freudengeschrei sind jeden Dienstagabend an der Tagesordnung, wenn sich zwischen 15 und 25 begeisterte Schülerinnen und Schüler auf der Trainingsmatte in der alten Sporthalle der Kirchheimer Alleenschule tummeln.

Für Martin Allinger und Andreas Olmosi ist die laute Geräuschkulisse Bestätigung einer gelungenen Nachwuchsarbeit. Noch gut erinnern sich die beiden VfL-Jugendleiter an Zeiten, in denen es gespenstisch ruhig in der Halle war und sich nur drei, vier Kinder im Training verloren. "Seit zweieinhalb Jahren ist die Zahl der Jugendmitglieder stetig gewachsen", bestätigt Martin Allinger den Zulauf, der dem VfL im Nachwuchsbereich innerhalb des Bezirks Stuttgart ein derzeit "gutes Mittelmaß" (Allinger) beschert. Auch deshalb sind die Verantwortlichen optimistisch, dass es in Zukunft ringenden Nachwuchs in der Teckstadt geben wird.

Die Trendwende schaffte die Abteilung, die trotz der 1994 mit dem TSV Köngen gebildeten Kampfgemeinschaft der VfL-Familie angehört, im Jahr 2005 mit einem Aktionstag, der den Nachwuchs regelrecht mobilisierte. "Wir sind damals ganz bewusst in die Schulen gegangen und haben ein Schnuppertraining angeboten", erinnert sich Martin Allinger. Erstaunlicherweise ließ sich auch weiblicher Nachwuchs für die Kraftsportart begeistern aktuell besuchen bis zu zehn Mädchen das wöchentliche Training. "Es gibt nur wenige Vereine, die überhaupt Mädchen in der Abteilung haben", freut sich Andreas Olmosi.

Mit ein Grund für die gestiegene Popularität sind die spielerischen Elemente der Übungseinheiten: Aufwärmen per Fangspiel, Stretching mit Hilfe gegenseitigen Ziehens über die Matte oder das allseits beliebte Jägerball zum Abschluss dem Bewegungsdrang des Nachwuchses wird absolut entsprochen. Wer jedoch denkt, im Jugendtraining des VfL wird in eineinhalb Stunden nie geworfen, geschleudert oder gehebelt, sieht sich getäuscht. "Das Training ist zwar breitensporttechnisch ausgelegt", erklärt Martin Allinger, "aber ringerische Elemente kommen trotzdem überall vor." So zielt jede Übung mehr oder minder auf jene Technik und Körperbeherrschung ab, die im Ringen unabdingbar sind. Nichtsdestotrotz orientieren sich die vier momentan tätigen VfL-Jugendtrainer jedes Mal an einem Grundgerüst diverser Übungen, bei denen vor allem eines im Vordergrund steht: der Spaß.

Auf diesem Wege hofft die Abteilung, den Nachwuchs langfristig an sich binden zu können. "Die meisten sind jetzt schon über ein Jahr dabei", sagt Andreas Olmosi, "die Fluktuation ist bei uns relativ gering." Schließlich wollen sich viele auch eines Tages im Wettkampf beweisen, wollen zeigen, was sie gelernt haben. Die Möglichkeit hierzu haben sie entweder in der Schülermannschaft, die seit drei Jahren besteht und in dieser Saison in der Bezirksjugendliga an den Start geht, oder bei Einzelmeisterschaften. Gerade hier konnte der VfL-Nachwuchs in jüngerer Vergangenheit auf sich aufmerksam machen. So ist der amtierende württembergische U19-Vizemeister Alexander Pack ebenso ein Kirchheimer Eigengewächs wie der schon bei zahlreichen überregionalen Turnieren erfolgreich gewesene Timur Togajbaev (21). Beide zählen mittlerweile zu den Leistungsträgern der aktiven Mannschaft, die im Dezember mit dem Gewinn der Bezirksligameisterschaft dem eigenen Nachwuchs zeigte, dass sich das viele Training lohnt. Zumal der Sprung zu den Aktiven im Ringen relativ früh geschehen kann. Bereits im zweiten C-Jugendjahr, im Alter von 14, darf man bei den "Großen" mitmischen.

Davon sind die Ältesten, die momentan in Kirchheim das Jugendtraining besuchen, mit ihren zehn Jahren zwar noch weit entfernt. Doch beim VfL hat man längst die Notwendigkeit erkannt, früh auf die eigene Jugend zu setzen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die jahrelange Kooperation mit dem TSV Köngen tut da ihr Übriges: Einmal im Monat geht's für den VfL-Nachwuchs zum gemeinsamen Training in die Köngener Mörikeschule Synergieeffekte nutzen, heißt das auf Neudeutsch, wird aber von vielen Vereinen nur halbherzig betrieben.

Zu viele Mannschaften im Schülerbereich sind "unecht", wie Martin Allinger salopp schildert: Vereine, die ansonsten nichts miteinander zu tun haben, schließen sich eines Nachwuchsteams wegen zusammen ein Umstand, der die Situation im Ringen jedoch gut widerspiegelt. Statt sich in Konkurrenzdenken zu verlieren, ziehen die Clubfunktionäre gemeinsam an einem Strang. "Um die Sportart zu retten, üben viele Vereine den Schulterschluss", sagt Allinger, der trotz aller positiven Mitgliederzahlen im Nachwuchsbereich weiß, dass Ringen nur noch eine Randsportart ist, der eine starke Lobby fehlt.

Beispiel Kirchheim: Die Ringer weisen seit Jahren auf den maroden Zustand der Alleenschulhalle hin ohne Erfolg. "Das Dach ist undicht, Lüften kann man nicht und die Umkleiden sind auch nicht mehr so toll", klagen Allinger und Olmosi. Fehlendes öffentliches Interesse aufgrund eines zu komplexen Regelwerks sehen beide als Hauptgrund für das Mauerblümchendasein an. "Kampfverläufe sind für den Laien teilweise nur schwer nachzuvollziehen", gibt Martin Allinger zu. Dabei habe Ringen an sich eine faszinierende Außenwirkung, glaubt er: "Wer mal zwei, drei Kämpfe verfolgt hat, der ist begeistert." Die Mitgliederentwicklung im VfL-Jugendbereich scheint ihm Recht zu geben.

INFO

Ringen VfL Kirchheim/KG Kirchheim-KöngenZahl der Mitglieder unter 18 Jahren: 25Mitgliedsbeitrag: bis 14 Jahre kostenlos, bis 18 Jahre 48,50 Euro pro JahrTrainingsstätte: Sporthalle AlleenschuleAnsprechpartner: Andreas Olmosi und Martin AllingerInternet: www.vfl-kirchheim.de/ringen