Lokalsport

Auf Tauchstation der Faszination wegen

Miteinander statt gegeneinander: So lautet einer der Grundsätze beim Sporttauchen, das sich auch in Kirchheim großer Beliebtheit erfreut: Die Tauchgruppe Teck bereichert mit ihren rund 200 Mitgliedern nun schon seit 30 Jahren das ­Vereinsleben der Region.

Peter Eidemüller

Kirchheim. So groß wie die quietschorangefarbenen Flossen, die er an den Füßen trägt, so groß werden seine Augen, wenn Florian vom Tauchen spricht: „Das ist wie Fliegen“, schwärmt der Zehnjährige, „unter Wasser bist du richtig frei.“ Ungeduldig hopst er am Beckenrand von einem Bein aufs andere – er kann es kaum erwarten, die Taucherbrille aufzusetzen, die Sauerstoffflasche auf den Rücken zu schnallen und endlich ins Wasser zu kommen. „Solche Wasserratten wie ihn haben wir bei uns viele“, verrät Stefan Gölz schmun­zelnd, „die schwimmen wie ein Stein, da sie mehr Zeit unter als über Wasser verbringen.“ Der 48-Jährige kennt alle, die im Kirch­hei­mer Hallenbad regelmäßig abtauchen. Kein Wunder: Gölz ist seit 2004 Abteilungsleiter der Tauchgruppe Teck, die vergangenes Jahr ihren 30. Geburtstag feierte.

Was Ende der Siebzigerjahre als locker organisierte Firmensportgruppe von MBB in Nabern begann, ist heute eine der ersten Adressen in Sachen Tauchsport in Württemberg. Vor allem das fundierte Training und die fachgerechte Ausbildung innerhalb der TGT genießen landesweit hohes Ansehen. „Aus dem Verband hören wir immer wieder, dass man unseren Mitgliedern anmerkt, dass sie in Kirchheim ausgebildet wurden“, sagt Stefan Gölz. Konkret heißt das: Den Winter über wird im Hallenbad das geübt, was im Sommer im Freien angewendet werden soll.

Schwerpunkte dabei sind neben Kondition und Technik auch sicherheitsrelevante Aspekte. „Vor allem der Faktor Panik soll durch häufiges Trainieren minimiert werden“, sagt Stefan Gölz, der unüberlegte Handlungen unter Wasser als größte Gefahr für einen Sporttaucher bezeichnet: „Wenn du in Panik gerätst und zu schnell auftauchst, kann das sehr gefährlich werden.“ Was im Fachjargon als Dekompressionskrankheit bezeichnet wird, kann im schlimmsten Fall zu Embolien führen – regelmäßiges Üben unter Wasser ist in Sachen Tauchsport also das A und O. „Um richtig gut zu werden, sollten Kondition, Technik und Sicherheit rund ein halbes Jahr trainiert werden“, glaubt Stefan Gölz, der deshalb auch kein Freund des in vielen Urlaubsländern angebotenen Tauchens ist. „Da wird den Leuten ein 15-minütiger Crashkurs gegeben, nach dem sie denken, sie können‘s schon“, schüttelt er den Kopf im Hinblick auf die zweitgrößte Gefahr für Sporttaucher: Selbstüberschätzung. Wichtige theoretische Inhalte über Tauchphysik und Tauchmedizin bleiben in vielen touristisch geprägten Ländern allzu oft auf der Strecke – nicht so bei der Tauchgruppe Teck. Ohne Theoriebüffeln ist die Zulassung zum Grundtauchschein, den man ab 12 Jahren erwerben kann, nicht möglich. Mit 14 winkt dann nach Zulassung zur Freiwasserprüfung das Deutsche Tauchsportabzeichen in Bronze, Silber und Gold.

So weit ist der kleine Florian noch nicht: Altersbedingt muss er sich mit Abzeichen wie „Robbe“ und „Otter“ zufriedengeben. Seiner Begeisterung tut das jedoch keinen Abbruch, im Gegenteil: Stolz listet er auf, was er für den „Otter“ alles leistete: 50 Meter abschleppen, 15 Meter tauchen, 20 Sekunden unter Wasser Luft anhalten und 150 Meter Flossenschwimmen. „Das war alles kein Problem“, lacht er, der eines von 40 bei der Tauchgruppe Teck angemeldeten Kindern ist. Mit den Erwachsenen kommt der Club auf knapp 200 Mitglieder, was ihn laut Stefan Gölz zu einem „mittelgroßen“ Verein innerhalb des Württembergischen Landesverbands für Tauchsport (WLT) macht.

Spitze sind die Kirchheimer im Vergleich zur lokalen Konkurrenz aus Nürtingen, Göppingen und Esslingen hingegen in Sachen Ausbilder: Fünf gemäß der Richtlinien des Verbands Deutscher Sporttaucher (VDST) ausgebildete Tauchlehrer begründen den exzellenten Ruf der TGT, deren Treiben sich jedoch bei Weitem nicht nur auf Hallen- und Freibad beschränkt: Sooft es geht, werden Ausfahrten an tauchgeeignete Seen in der näheren Umgebung angeboten, allen voran der Bodensee. Dass dieser ausgerechnet in der kalten Jahreszeit die höchste Attraktivität für Taucher besitzt, überrascht: „Im Herbst sinken die Sedimente im Bodensee ab“, erklärt Stefan Gölz, „dadurch wird die Sicht für Taucher sehr gut und das macht dann am meisten Laune.“

Gesteigert wird diese, wenn man die Vielfalt der Unterwasserwelt gemeinsam erleben kann, weswegen Gölz auch betont, dass Tauchen der ideale Sport für Pärchen sei – unabhängig von körperlichen Gegebenheiten: „Tauchen ist auch für korpulentere Menschen attraktiv“, sagt der TGT-Boss. Klar: Im Vergleich zu anderen Sportarten werden unter Wasser vor allem die Gelenke geschont – das Gefühl der Schwerelosigkeit fasziniert auch die meisten Mitglieder der Tauchgruppe Teck, die laut Stefan Gölz einen wesentlichen Charakterzug gemein haben. „Taucher sind gemütliche Leute, die die Fertigkeit zur mentalen Ruhe haben.“ Dies wird nicht zuletzt an einem Punkt deutlich, der das Tauchen von den meisten anderen Sportarten un­terscheidet: Der fehlende Wettkampfgedanke. Zwar kann man beim Orientierungs- oder Apnoetauchen Vergleiche anstellen, doch steht beim klassischen Sporttauchen das Miteinander im Vordergrund – auch bei der Tauchgruppe Teck: „Es ist eine der wenigen Sportarten, die zwei Menschen mit- und nicht gegeneinander ausüben. Beim Tauchen gibt es keine Sieger.“ Mit diesen fast schon poetischen Worten ist TGT-Mitglied Constanze Zimmermann auf der clubeigenen Homepage (www.tauchgruppe-teck.de) verewigt.

Vor allem im Hinblick auf das Tiefentauchen gibt ihr Stefan Gölz Recht: „Man muss nicht damit angeben, dass man die Gefahr herausfordert“, sagt er. Geprahlt wird in Taucherkreisen eher mit der Größe der Fische, der Farbenpracht der Korallen oder dem Alter der Schiffswracks – Taucherlatein nennt das Stefan Gölz, der sein persönliches Aha-Erlebnis vor vielen Jahren beim Tauchen vor den Philippinen hatte. „Da hatte ich das Gefühl, als würde ich in ein blaues Nichts fallen“, schwärmt er nicht minder begeistert als der kleine Florian.

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