Lokalsport

Aufholjagd bleibt unbelohnt

Knights verlieren nach völlig verschlafenem Start mit 71:73 in Jena

Am Ende hatte es nicht sollen sein: Trotz einer tollen kämpferischen Leistung unterlagen die Basketballer der Kirchheim Knights nach einer dramatischen Schlussphase mit 71:73 gegen Science City Jena und fielen damit auf Tabellenplatz sechs zurück.

Moritz Hönig

Jena. 35 Minuten lang einem Rückstand hinterhergerannt, dann doch noch in Führung gegangen, und am Ende unglücklich verloren: Es war eine äußerst bittere Niederlage für Kirchheims Basketballer, die hätte vermieden werden können. Drei Viertel entschieden die Ritter für sich – doch die Hypothek aus dem deutlich verlorenen ersten Viertel wog am Ende zu schwer. „Die Aufholjagd hat uns viel Kraft gekostet, die uns in den letzten Minuten zum Sieg gefehlt hat“, analysierte Knights-Coach Frenkie Ignjatovic nach dem Spiel.

Dabei schienen die Chancen gegen den BBL-Absteiger aus Jena vor Beginn gar nicht schlecht zu stehen: Sowohl Clifford Crawford, der sich am Mittwoch im Training unglücklich den Knöchel verstaucht hatte, als auch der unter der Woche mit einem grippalen Infekt kämpfende Gordon Scott waren voll einsatzfähig und bildeten mit Baumann, Tomasevic und Heyden die Starting Five. Doch was Ignjatovic zu Beginn von seiner Mannschaft zu sehen bekam, ließ ihn am Spielfeldrand fast verzweifeln: In der Defensive inkonsequent, im Spielaufbau fahrlässig und in der Offensive mit schlechter Wurfausbeute lagen die Knights nach gut fünf Minuten schon mit 4:21 in Rückstand. Kaum präsent auf dem Parkett ließen sich die Kirchheimer von den Hausherren im ersten Spielabschnitt phasenweise vorführen und fanden keine Mittel gegen die munter aufspielenden Gastgeber. Nach den ersten zehn Minuten führte Jena mit 29:11 – in keinem Viertel in der bisherigen Saison machten die Knights weniger Punkte. Ignjatovic brachte es auf den Punkt: „Wir haben nichts getroffen, Jena alles.“

Und auch zu Beginn des zweiten Viertels ließen die Knights jegliche Souveränität vermissen, wirkten unkonzentriert und verstrickten sich in Einzelaktionen. Erst als Jena auf zwanzig Punkte weggezogen war (39:19), wachten die Kirchheimer endlich auf. Gordon Scott, dem nach fünfzehn Spielminuten der lang ersehnte erste Drei-Punkte-Wurf gelang, und Ziyed Chennoufi fanden nun besser ins Spiel, sorgten bis zur Halbzeitsirene für elf weitere Punkte und das einigermaßen erträgliche Pausenergebnis von 41:30.

Vom Trainer motiviert und mit dem Wissen, dass hier noch nichts verloren ist, kamen die Knights aus der Kabine. Allerdings verlief es auch im dritten Spielabschnitt alles andere als optimal. Gordon Scott, bis dahin klar bester Kirchheimer auf dem Feld, musste mit einem Cut unter dem Auge vorübergehend auf die Bank und beim Stande von 50:36 war Jena wieder auf 14 Punkte davongezogen. Ignjatovic nahm eine Auszeit, um wieder die nötige Ruhe ins Spiel zu bringen. Und siehe da: Plötzlich klappte es wieder in der Offensive. Angetrieben von Aufbauspieler Clifford Crawford, der selbst zwar nicht als Scorer überzeugte, dafür aber beachtliche zehn Vorlagen gab, kämpfte sich Kirchheim allmählich heran. Nach sechs Punkten in Folge von Phillipp Heyden stand es plötzlich nur noch 55:50 und Kirchheim hatte die Oberhand in einem nun spannungsgeladenen Spiel gewonnen. Hätten Crawford, Baumann und Co. zu diesem Zeitpunkt nicht erschreckend schwache Quoten von der Dreierlinie (8 Prozent) und der Freiwurflinie (50 Prozent) erzielt, wären die Knights wohl mit einer Führung und nicht mit einem 50:58-Rückstand in die letzte Viertelpause gegangen.

Nichts für schwache Nerven war dann der Schlussabschnitt: Nach Dreiern von Chennoufi und Tom Klemm trennten die Kirchheimer nur noch zwei Punkte von Jena. Als Phillipp Heyden mit zwei verwandelten Freiwürfen 4,44 Minuten vor dem Ende für die erste Gästeführung sorgte, schienen die Knights urplötzlich auf der Siegesstraße zu sein. Doch trotz des psychologischen Nachteils, einen großen Vorsprung hergeschenkt zu haben, übernahm nun Jena wieder das Ruder. Angeführt von Henry Uhegwu, mit 22 Punkten erfolgreichster Spieler der Partie, und Alexander Seggelke setzte sich Jena wieder etwas ab und führte 46 Sekunden vor Schluss mit 71:64, ehe Scott und Tomasevic noch einmal auf 73:69 verkürzen konnten. Bei verbleibenden acht Sekunden auf der Uhr dann die Riesenchance für die Knights: Radi Tomasevic wird unsportlich gefoult, bekommt zwei Freiwürfe plus anschließenden Ballbesitz. Er verwirft den ersten, darf aufgrund von Fans, die unerlaubt das Spielfeld betreten, jedoch wiederholen und trifft im Anschluss beide Freiwürfe. Damit steht es nur noch 73:71. Dann übernimmt Phillipp Heyden die Verantwortung. Sein Dreier allerdings geht knapp daneben, und auch Adam Baumann, der sich noch einmal den Rebound angelt, trifft den Korb nicht mehr.

„Am Ende hat uns dann auch das Glück gefehlt,“ resümierte Frenkie Ignjatovic, der bedauerte, dass sich die Mannschaft nach der tollen Aufholjagd um den Lohn gebracht habe. „Das Team hat sich beeindruckend zurückgekämpft und hätte den Sieg verdient gehabt,“ meinte auch Teammanager Volker Österle, der allerdings auch keine Glanzleistung der Knights zu sehen bekam: „Abgesehen von Phillipp Heyden hat heute keiner sein Leistungsvermögen ausgeschöpft.“

Nach zwei Auswärtsspielen in Folge empfangen die Knights am nächsten Sonntag die ETB Wohnbau Baskets aus Essen zum Heimspiel in der Sporthalle Stadtmitte. Davor gibt es für alle Basketball-Interessierten noch einen Leckerbissen: Bereits am Dienstag gastieren die Walter Tigers aus Tübingen zum Testspiel unter der Teck. Anpfiff gegen den Erstligisten ist um 20 Uhr.

Science City Jena – VfL Kirchheim Knights: 73:71 (29:11, 12:19, 17:20, 15:21)

Science City Jena: Uhegwu 22, B. Blossey 3, Seggelke 10, Reyes-Napoles, Williamson 10, Pätz n. e., Black 19, Linke 4, von Fintel n. e., Fairley, De Michael 5, G. Blossey

VfL Kirchheim Knights: Tomasevic 7 (1/5 Dreier), Chennoufi 11 (1/4 Dreier), Baumann 7 (14 Rebounds), Crawford 9 (10 Assists), Scott 17 (1/6 Dreier), Lenger n. e., P. Klemm n. e., T. Klemm 3, Heyden 15 (9 Rebounds), Hornig 2

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