Lokalsport

Aus dem Hotel in die Bezirksliga

Catenaccio war gestern: „Wir wollen modernen Fußball spielen“, betont Cesare D‘Agostino vor dem entscheidenden Relegationsspiel seines AC Catania Kirchheim gegen den TSV Grötzingen. Nach sechs Jahren Abstinenz winkt den schwäbischen Italienern übermorgen in Neidlingen die Rückkehr in die Bezirksliga.

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Peter Eidemüller

Kirchheim. So unsicher die Prognosen für das Duell zwischen A-Liga-Qualifikant Catania und Bezirksligavertreter Grötzingen auch sein mögen – eines steht fest: Die Sportanlage Benzwang in Neidlingen wird übermorgen einem Hexenkessel gleichen. „Unsere Fans werden wie eine Riesenwand dastehen“, orakelt TSVG-Trainer Martin Gärtner. Catania-Coach D‘Agostino geht seinerseits von zahlreichen AC-Anhängern aus, die zur Unterstützung unter den Reußenstein pilgern werden. „Das werden einige sein“, sagt er.

Ob so viele, wie beim letzten Hopp-oder-top-Auftritt der Catanesi in der Relegation? Vor sieben Jahren stellten sich die Kirchheimer im entscheidenden Match um den Verbleib in der Bezirksliga dem SSV Göppingen – vor sage und schreibe 1 500 Zuschauern gewannen die Azzurri mit 2:0. Die einzigen, die damals dabei waren und heute immer noch kicken, sind die Latte-Brüder Maurizio und Gianfranco. Beide waren auch dabei, als Catania ein Jahr nach dem Last-Minute-Klassenerhalt doch in die Kreisliga A absteigen musste und dort die vergangenen sechs Spielzeiten herumdümpelte.

Dass die Mannschaft mittlerweile wieder an alte Erfolge anknüpfen kann, liegt zu großen Teilen an Cesare D‘Agostino. Der ehemalige Regionalligacrack des VfL Kirchheim, der vor zwei Jahren vom FC Eislingen kam, hat eine spielstarke und diszipliniert auftretende Mannschaft geformt, die nach dem überzeugenden 2:0-Sieg im Relegationsmatch vom vergangenen Sonntag gegen Berkheim Lust auf mehr hat und macht. „Wir müssen uns nicht verstecken“, ist D‘Agostino entsprechend selbstbewusst. Kann er auch sein, schließlich sind alle Spieler fit und brennen auf den Showdown.

In der Vorbereitung auf das Grötzingen-Spiel heißt die Catania-Devise übrigens: kleckern statt klotzen. D‘Agostino bittet sein Team Samstagabend ins Hotel Lamm nach Dettingen, wo gemeinsam gegessen und die Nacht verbracht wird. Nach dem Frühstück geht‘s dann nach Neidlingen, wo bekanntlich statt 15 Uhr bereits um 13 Uhr der Anpfiff ertönt.

Just diese Vorverlegung sorgt auf Grötzinger Seite für Unmut. „Wir hatten uns organisatorisch auf 15 Uhr eingerichtet, wollten eigentlich mit der Mannschaft in Ruhe vor dem Spiel Mittagessen gehen“, klagt Trainer Martin Gärtner, der die Grötzinger am Sonntag übrigens zum letzten Mal betreuen wird. Unter der Saison für den glücklosen Bernd Wenzel eingesprungen, wird der Interimscoach zur neuen Runde durch Andreas Schmid (Walldorf) ersetzt. Ebenfalls zum letzten Mal für die Aichtaler im Einsatz wird der siebenfache Torschütze Iskender Kahriman sein, der nach einem halben Jahr zur SGEH wechselt – kein Grund für Lustlosigkeit. „Er hängt sich vorbildlich rein, will unbedingt helfen, damit wir die Klasse halten“, lobt Gärtner.

Übrigens: Sollte der TSV Weilheim via Relegation in die Landesliga aufsteigen, spielen Catanesen und Grötzinger kommende Saison beide in der Bezirksliga – unabhängig vom Endergebnis in Neidlingen.