Lokalsport

Aus nach vier Jahren: Grimm verlässt VfL

Der Entschluss reifte schon länger, die Entscheidung fiel diese Woche: Mario Grimm hat seine Dienste beim VfL Kirchheim nach viereinhalb Jahren mit sofortiger Wirkung quittiert. Der 29-Jährige sah eigenen Worten nach keine Veranlassung mehr, der Mannschaft zur Verfügung zu stehen. Zwar macht der Ex-Kapitän berufliche Gründe für diesen Schritt verantwortlich, doch bestätigt er gleichzeitig, dass es innerhalb der Mannschaft tiefe Gräben gebe.

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Peter Eidemüller

Kirchheim. Das Ende der Ära Grimm beim VfL kommt nicht überraschend. Der 29-jährige Abwehrhüne (1,90 m) wollte den Verein bereits vor Saisonbeginn verlassen, als klar war, dass der Vertrag des damaligen Trainers Christian Hofberger nicht verlängert wird. „Das war der eigentliche Knackpunkt“, erklärt Mario Grimm, der in Hofberger eine seiner Identifikationsfiguren beim VfL gesehen hatte. Der damalige sportliche Leiter Norbert Krumm glaubt hingegen, dass die Absetzung als Kapitän („Das hat ihm gar nicht gefallen“) Auslöser für erste Abwanderungsgedanken war.

So oder so steht fest: Grimm konnte aufgrund steigender beruflicher Belastungen in dieser Saison nicht mehr im vollen Umfang trainieren. Entsprechend seltener wurden seine Einsätze: Nur fünf Mal spielte er von Beginn, in zwei weiteren Partien wurde er ein- und ausgewechselt, saß zuletzt in Walldorf auf der Bank – für einen gestandenen Oberligaspieler nicht akzeptabel: „Das muss ich mir nicht antun, selbst wenn ich nicht immer mittrainieren kann“, sagt Grimm, der den Verein nach eigenen Worten ohnehin zur Winterpause verlassen hätte, dies den Verantwortlichen auch schon vor Längerem mitgeteilt hat. „Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich weg will“, betont er. Darüber hinaus habe er sich in letzter Zeit nicht mehr wohl beim VfL gefühlt. „Es gibt sehr viel menschlichen Zwiespalt in der Mannschaft. Es ist kein Team mehr.“

Rückendeckung bekommt er diesbezüglich vom aktuellen Kapitän Patrick Gühring, der Missstimmungen innerhalb der Mannschaft bestätigt. „Viele altgediente Spieler sagen nicht, was sie denken“, klagt der Keeper, der sich momentan von einer Meniskusoperation erholt, frühestens im Januar wieder ins Training einsteigen kann. „Ich war der Einzige, der sich für Mario stark gemacht hat. Die anderen haben ihn im Stich gelassen.“ Der 28-Jährige spricht sogar von „Heckenschützen“ im Team, die sich gegenüber Grimm illoyal verhalten hätten. Nicht zuletzt deshalb sieht Gühring akuten Gesprächsbedarf mit den Verantwortlichen. „Wir müssen uns in der Winterpause dringend zusammensetzen“, mahnt er. Die Tür der Cluboberen steht offen, wie Geschäftsführer Walter Rau betont: „Da muss der Spielerrat aktiv werden.“

Mario Grimm wird an derartigen Gesprächen nicht mehr teilnehmen. Seine sportliche Zukunft will er sich offenhalten. „Entweder wechsle ich zu einem anderen Verein oder ich höre ganz auf“, sagt er, dem drei, vier Angebote (unter anderem Normannia Gmünd) vorliegen. Da sein Vertrag beim VfL noch bis Saisonende läuft, müssten potenzielle Interessenten allerdings eine Ablösesumme zahlen, die der VfL festsetzt. Im Gespräch sind 4 000 Euro aufwärts.

Seinen Ex-Club will er trotz allem in positiver Erinnerung behalten. „Es waren schöne vier Jahre, in denen ich unheimlich viel gelernt habe.“ An eine eventuelle Rückkehr an die Jesinger Allee glaubt er momentan nicht: „Bei der jetzigen Konstellation werde ich sicher nicht zurück nach Kirchheim gehen.“ Dabei betont er, dass er gegen die Verantwortlichen keinerlei Groll hege: „Leuten wie Walter Rau oder Abteilungsleiter Jörg Mosolf bin ich unendlich dankbar, die stecken viel Herzblut in den Verein.“ Trotzdem will er auf eine offizielle Verabschiedung (angedacht ist das Heimspiel gegen Illertissen nächste Woche Freitag) verzichten. „Da lege ich keinen Wert drauf.“