Lokalsport

Bärendienst

Aller schlechten Dinge sind drei. Darauf zu vertrauen wäre Stefan Schumacher dieser Tage schlecht

BERND KÖBLE

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beraten. Dreimal ist sein Name während seiner Profilaufbahn in die Doping-Schlagzeilen geraten, dreimal war ihm kein vorsätzliches Vergehen anzulasten. Weder 2005, als er trotz mehrfacher Rückversicherung über den Wirkstoff Cathin im Schnupfenspray stolperte und anschließend von allen Vorwürfen frei gesprochen wurde, noch wegen seines erhöhten Hämoglobinwerts nach einer Durchfallerkrankung vor der Rad-WM im September. Und auch jetzt geht es nicht um Doping, sondern um die strafrechtlichen Konsequenzen einer privaten Saisonabschluss-Party in der Disko.

Dies sei Schumachers Privatsache, winkt Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer ab. Doch ganz so cool wie es nach außen wirkt, dürfte der Boss, dem gerade der Hauptsponsor davon gelaufen ist, die Sache nicht betrachten. Denn für den Radsport gilt: Jede Schlagzeile zum Thema Doping ist eine schlechte Schlagzeile. Insofern hat Schumacher seinem treuen Mentor und dem eigenen Image als Saubermann einen Bärendienst erwiesen.

Die verschlungenen Pfade im Dschungel zwischen Kontrollinstanzen, Verbandsbürokratie und Sportmedizin wissen selbst Fachleute nur schwer zu orten. Der neutrale Beobachter jedenfalls ist überfordert und flüchtet sich hilflos in Pauschalurteile. Das dürfte einem intelligenten Sportler wie Stefan Schumacher kaum entgangen sein. Mag sein, dass es für einen Radprofi inzwischen schwieriger geworden ist, die Klippen des Alltags zu umschiffen, als dopingfrei eine Tour de France-Etappe zu bewältigen. Mag sein, dass knüppelharte Selbstkasteiung, wie sie der Radsport fordert, gelegentlich nach einem Ventil verlangt. Doch wer sich dabei aufs Glatteis wagt, muss wissen, wie hart er schlimmstenfalls fällt. Insofern hat Schumachers Ausflug ins Stuttgarter Nachtleben zweierlei gezeigt: Der Nürtinger ist zwar kein ertappter Dopingsünder, aber eben auch kein schwäbisches Cleverle.