Lokalsport

Balken versperrt Weg ins Finale

Dorothee Henzler und ihr „Problemgerät“

Dorothee Henzler und der Schwebebalken – beide verbindet auch nach der Turn-Europameisterschaft eine Art Hassliebe. Beim internationalen Debüt der 17-jährigen VfL-Turnerin im englischen Birmingham lagen Freud und Leid dicht beieinander. Nach dem überzeugenden Auftritt als beste deutsche Turnerin am Boden, platzte nach zwei Absteigern vom Balken der Traum vom Mannschaftsfinale.

Bernd Köble

Birmingham. Gestern konnte sie am Telefon schon wieder lachen. „Es ist schon ein komisches Gefühl. Da ist die Freude, überhaupt hier sein zu dürfen“, sagt Dorothee Henzler. Und dann diese beiden blöden Patzer. „Beim Flickflack gespreizt habe ich sofort gemerkt, dass ich schief bin.“ Auch die anschließende Doppeldrehung geriet wacklig. „Das sind Übungen“, meint sie selbstkritisch, „die ich eigentlich im Schlaf können müsste.“ Zwei Mal musste die Notzingerin vom Balken, ihre Teamkollegin Marie-Sophie Hindermann ereilte ein ähnliches Schicksal: Platz 48 für die Tübingerin nach einem Absteiger, Platz 72 für Dorothee Henzler. Die Mannheimerin Elisabeth Seitz blieb als einzige fehlerfrei und wurde mit 13,700 Punkten auf Platz zwölf beste Deutsche.

Der Traum vom Mannschaftsfinale war damit ausgeträumt, auch wenn es am Ende noch eng wurde: Lediglich 0,725 Punkte fehlten um die Schweiz von Platz acht zu verdrängen. „Das ist schon ärgerlich, wenn man sieht wie knapp der Rückstand war“, sagt Cheftrainerin Ulla Koch, die schon zuvor ihre größte Hoffnung begraben musste: Oksana Chusovitina verpasste nach schwacher Vorstellung als Zwölfte das Sprungfinale. Die Silbermedaillengewinnerin von Peking war allerdings nach einer schweren Erkältung angeschlagen an den Start gegangen. „Drei Tage vorher brachte sie noch keinen Ton heraus“, sagt DTB-Sprecher Thorsten Hartmann. Besser machte es die erst 16-jährige Elisabeth Seitz. Die Mannheimerin kämpfte sich am Stufenbarren als Achte ins Finale, wo sie sich am gestrigen Sonntag allerdings erneut mit Platz acht begnügen musste. Seitz ist damit erfolgreichste deutsche Turnerin des Turniers. Den Titel am Barren holte sich Englands Shooting-Star Elisabeth Tweddle.

Dorothee Henzler nimmt neben der Enttäuschung über den verpassten Endkampf auch positive Eindrücke mit zurück in die Heimat, wenn sie heute am frühen Nachmittag in Stuttgart wieder deutschen Boden betritt. Nach eigenen Worten „mehr als zufrieden“ durfte die 17-Jährige mit ihrem Auftritt am Boden sein. Dies, obwohl sie sich von allen drei Mannschaftskolleginnen für die schwächste Übung entschieden hatte.“ Weniger Risiko, dafür mehr Ausdruckskraft. Am Ende war sie mit 12,775 Punkten und Platz 29 beste Deutsche in dieser Disziplin.

Jetzt darf sie sich weiter Hoffnungen machen, auch im Oktober bei den Weltmeisterschaften in Rotterdam mit dabei zu sein. Dass sie fester Bestandteil der WM-Planungen ist, hatte Ulla Koch bereits vor Birmingham verkündet. „Wenn sie weiter so hart an sich arbeitet, ist sie eine wertvolle Stütze“, sagt die Trainerin. „Mehr Schwierigkeiten, mehr Stabilität“, so formuliert Dorothee Henzler ihre Zielvorgabe bis zum möglichen Karrierehöhepunkt im Herbst.

Anzeige