Lokalsport

Baumann auf der Bank, Rangnick im Kopf

VfL-Kicker kämpfen am Sonntag in Mannheim um den Anschluss ans Mittelfeld

Der VfL Kirchheim ist endlich in der Oberliga-Saison 2008/09 angekommen. Dem kapitalen Fehlstart folgte eine beachtliche Erfolgsserie mit zehn Punkten aus den letzten fünf Spielen. Die Blauen sehen wieder Licht am Ende des Tunnels. Sollte der VfL am Sonntag (14.30 Uhr) auch beim VfR Mannheim gewinnen, hat er den Anschluss an das breite Mittelfeld geschafft.

KLAUS SCHLÜTTER

Kirchheim. „Versprechen kann ich nichts“, meint VfL-Trainer Rolf Baumann. „Dass die Mannschaft immer mehr Fortschritte macht, sowohl in der Geschlossenheit als auch in der Balleroberung, stimmt mich zuversichtlich.“ Was noch fehle, sei die Sicherheit im Passspiel. „Die Spieler sind jedoch lernfähig und geben sich alle Mühe“, versichert Baumann. Der ehemalige Profi bezeichnet sich selbst als Ziehkind der Trainer Helmut Groß (einst VfL Kirch­heim) und Ralf Rangnick (früher VfB, dann SSV Ulm): „Beide haben mich geprägt.“ Deshalb steckt im neuen VfL-Spiel auch viel von dem, was Rangnick heute bei der TSG Hoffenheim in der Bundesliga so erfolgreich praktiziert: Ballorientier­te Raumdeckung mit schnellem Umschalten auf Angriff bei Balleroberung.

Von dieser Vorgabe hat die Mannschaft schon einiges umgesetzt. Führungsspieler Oliver Otto: „Wir haben oft zu sorglos gespielt. Wenn wir hinten lagen, haben wir gleich aufgemacht“, meint er. Dadurch seien Niederlagen wie das 0:4 gegen die Stuttgarter Kickers zustande gekommen. Jetzt besinne sich die Mannschaft wieder mehr auf ihre eigenen Stärken. „Wir sind noch nicht gefestigt und machen zu viele Fehler. Aber wir sind auf einem guten Weg.“ Hinzu kommt, dass die Spieler wohl auch fitter geworden sind. Als Baumann-Vorgänger Hansi Kleitsch die Mannschaft von Dietmar Sehrig übernahm, stellte der große körperliche Defizite fest. Das hat sich inzwischen zum Positiven verändert. Die Mannen von der Teck sind auch in dieser Hinsicht wieder konkurrenzfähig.

In Mannheim muss der VfL erstmals und vermutlich für längere Zeit auf Stammtorhüter Patrick Gühring verzichten. Der Keeper wird heute am Knie operiert. Für ihn wird morgen Philipp Uttikal zwischen den Pfosten stehen, nachdem Gühring-Ersatz Edgar Porada ebenfalls noch nicht einsatzfähig ist. „Das Verletzungspech trifft uns hart“, meint Oliver Otto. Vor Gühring war mit Maximilian Laible schon ein wichtiger Spieler monatelang ausgefallen. Zudem fehlt Talent Uwe Beran. „Vielleicht wird es auch sonst die eine oder andere Änderung geben, aber das Kerngerüst bleibt“, sagt der Trainer. Um kompakt im zentralen Mittelfeld stehen zu können, will er erneut nur mit einer Spitze beginnen.

Die Mannheimer, beheimatet im Rhein-Neckar-Stadion im Stadtteil Neuostheim, sind Leidensgenossen. Was sie dem VfL voraus haben ist ihre große Tradition. Der VfR wurde 1949 in einer Hitzeschlacht gegen Borussia Dortmund vor 90 000 Zuschauern im Stuttgarter Neckarstadion mit 3:2 nach Verlängerung Deutscher Meister. Ältere Fußballfans werden sich noch an Spielernamen wie Langlotz, Löttke, Rohr, Keuerleber, Stiefvater oder de la Vigne erinnern. Sogar der legendäre Bundestrainer Sepp Herberger vertrat einst die VfR-Farben. Vorbei und verblichen. Heute eint den VfR und den VfL der Kampf um den Klassenerhalt in der fünften Liga.

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