Lokalsport

"Bei der Liveübertragung habe ich mitgefiebert"

Vergangener Sonntag gegen 18 Uhr: Im englischen Blackburn feiert die deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen ausgelassen ihren sechsten Titelgewinn bei einer Europameisterschaft. Der 3:1-Sieg über Norwegen im Finale vor 21 105 Zuschauern bestätigte einmal mehr die klare Dominanz der Truppe von (Noch-)Trainerin Tina Theune-Meyer auf kontinentalem Parkett.

THOMAS PFEIFFER

KIRCHHEIM Wie viel Euphorie schwingt mit, wenn eine deutsche Frauen-Nationalmannschaft höchste europäische Meriten gewinnt? Von Fußballinsidern aus der Region wollten wir in einer Blitzumfrage nicht nur wissen, wie emotional berührt sie vom Titelgewinn der Birgit Prinz und Co. waren, sondern auch, wie sie das Presse-Echo am gestrigen Montag empfanden.Jeanette Süßer, Spielleiterin des TSV Denkendorf: "Mich hat dieser Erfolg ziemlich berührt, und bei der Liveübertragung des Endspiels habe ich mit den deutschen Damen richtig mitgefiebert. Jedenfalls mehr als bei einem Sieg der DFB-Männer. Was mich ärgert, ist die Aufmachung mancher Zeitungen. Ein Michael Ballack kommt auf den Sportseiten regelmäßig groß raus, doch die Damen werden selbst bei einem großen Erfolg vergleichsweise klein abgehandelt."Rüdiger "Ebse" Kauf, Profi bei Arminia Bielefeld im fünften Jahr, Ex-VfL-Fußballer und gebürtiger Hochdorfer: "Ich habe bis zu unserem Saisonstart am Freitag derzeit noch Urlaub, war mit meiner Freundin zuletzt in Spanien und in der alten Heimat Familie und Freunde besuchen. Vom Endspielsieg der deutschen Frauen haben wir im Autoradio erfahren. Dieser Titelgewinn freut mich, und bestimmt wird der Frauenfußball hier zu Lande nun weiter an Stellenwert gewinnen. Wenngleich ich sagen muss, dass das Interesse an ihm wohl nie so groß sein wird wie jenes am Männerfußball. Das ist traditionell so in Deutschland."Daniela Ambacher, Neidlinger Hobbyfußballerin und Ski-Bezirkstrainerin alpin: "Der deutsche EM-Erfolg hat mich begeistert. Leider konnte ich das Endspiel nicht live im Fensehen mitverfolgen, weil ich gerade auf einer Radtour war. Ich hatte einen Kreuzbandriss, zugezogen beim Reußensteinrennen, und jetzt, in der Rekonvaleszenz, taste ich mich mit solchen Trainingseinheiten wieder langsam an den Sport heran. Die Entwicklung des Frauenfußballs ist positiv. Die Berichterstattung in den Medien ist im Vergleich zu früher viel besser geworden."Sabine Drescher, Jugendleiterin bei der TG Kirchheim und Spielerin des TSV Neckartenzlingen: "Ein schöner Erfolg der DFB-Damen, der aber leider etwas unterging. Das Spiel gegen Norwegen hätte ich gerne am Fernseher miterlebt, aber ich konnte nicht: Wir hatten mit dem TSV Neckartenzlingen gleichzeitig ein Spiel gegen den TSV Darmsheim, das wir auch noch 2:3 verloren. Eine Spielverlegung war nicht möglich."Hans-Martin Kleitsch, erfolgreicher A-Junioren-Trainer des VfB Stuttgart aus Kirchheim: "Emotional berührt mich dieser Erfolg weniger vor den Leistungen und Erfolgen der DFB-Frauen habe ich aber hohen Respekt. Immerhin sind sie zusammen mit den USA die Nummer eins in der Welt. Weil ich zeitgleich mit dem VfB ein Spiel um die deutsche Meisterschaft hatte, konnte ich die Partie im Fernsehen das im Übrigen auch regelmäßig die Endresultate der Frauenbundesliga einblenden sollte nicht mitverfolgen. "Nadine Beck, angehende Bundesliga-Spielerin des VfL Sindelfingen aus Uhingen: "Ich habe alle Spiele unserer Frauen im Fernsehen gesehen und muss sagen, dieser Europameisterschaftssieg war hoch verdient. Doch die Mannschaft spielt schon seit Jahren überragenden Fußball. Dass die Medien über den Frauenfußball noch mehr berichten, würde ich mir deshalb schon wünschen."Heinz Thumm, Staffelleiter der Frauen-Bezirksliga Neckar/Fils aus Bempf-lingen: "Der Erfolg der deutschen Frauen berührt mich sehr, hat mich begeistert. Das Endspiel habe ich im Fernsehen live mitverfolgt. Sicherlich wird dieser neuerliche Triumph nochmals eine gewaltige Schubwirkung auf die Entwicklung in diesem Sport haben. Auch auf Bezirksebene übrigens: Dort hatten wir in der eben abgelaufenen Saison 35 Frauen-Mannschaften in Konkurrenz, für die kommende Spielzeit haben sich schon vier neue angemeldet, darunter auch der TSV Weilheim.Jürgen Schorstädt, Ex-VfL-Trainer: "Ich habe alle Spiele der deutschen Frauennationalmannschaft im Fernsehen begeistert mitverfolgt bis auf das Endspiel. Da war ich in Eislingen und habe dem VfL Kirchheim im Relegationsspiel die Daumen gedrückt. Ich glaube, dass sich die Frauennationalmannschaft nach diesem Erfolg jetzt noch besser vermarkten lassen wird. Allerdings halte ich nichts davon, wie es Uefa-Präsident Lennart Johansson vorschlug, den Frauen jetzt enge Trikots wie beim Volleyball zu verpassen. Das ist vielleicht ein kurzfristiger Effekt, lockt auf Dauer aber nicht mehr Zuschauer an."

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