Lokalsport

Beschämend

Halten behinderte Skifahrer den Liftbetrieb in solchem Maße auf, dass man ihnen den Zugang zum Bügel verweigern darf? Wer den Zwist zwischen SLA und Salzwinkel auf diese Frage reduziert, hat den Kern des Problems nicht erfasst. Denn eine solche Frage überhaupt zu stellen, verbittet sich vor dem Hintergrund der gesetzlich festgeschriebenen und moralisch verpflichtenden Integration und Teilhabe von Menschen mit Behinderung ganz einfach. Denn sonst könnte man Behinderte ja auch aus demselben Grund vom Busfahren oder dem Freibadbesuch abhalten.

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Auch wenn die Verantwortlichen am Salzwinkel beteuern, dass sie nichts gegen Behinderte haben, bewegen sie sich bei ihrer Argumentation auf dünnem Eis. Schließlich verbietet das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz jegliche Art von Benachteiligung wegen Behinderung. Just dies geschieht jedoch, wenn Gabi Kazmaier vorgeschrieben wird, wann sie ihren Kurs anbieten soll. Die Gründe der Salzwinkelbetreiber mögen plausibel sein, richtig werden sie dadurch trotzdem nicht.

Nein, die Frage im vorliegenden Fall muss anders lauten: Warum tun sich Beteiligte auf allen Seiten beim Thema Behinderung im Jahr 2010 immer noch so schwer? Außer dem Skiliftbetreiber hat sich nämlich auch der SLA als Verein nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Wie sonst lässt sich erklären, dass Gabi Kazmaier ihren Kurs – übrigens im gesamten Einzugsgebiet des Schwäbischen Skiverbandes der einzige seiner Art – jahrelang getrennt von den „normalen“ Kursen abhalten musste, wenn nicht mit dem immer noch zu verkrampften Umgang mit dem Thema Behinderung.

Dass es erst zum Bruch mit einem uneinsichtigen Skiliftbetreiber kommen musste, um Farbe für ein tolles ehrenamtliches Angebot im eigenen Verein zu bekennen, ist nicht weniger beschämend, als die Argumentation der Liftbetreiber.

PETER EIDEMÜLLER