Lokalsport

"Bezirks-Referees mit schwerem Stand"

Die Affäre Robert Hoyzer schlägt in Fußball-Deutschland hohe Wellen bis in den lokalen Bereich hinein. "Nach diesem Skandal werden unsere Unparteiischen in naher Zukunft auf den Sportplätzen wohl einen sehr schweren Stand haben", befürchtet Holger Böhm, Schiedsrichter-Einteiler des Fußballbezirks Neckar/Fils aus Unterensingen.

THOMAS PFEIFFER

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KIRCHHEIM Ein 25-jähriger Berliner bringt eine ganze Fußballnation in Verruf: Zweitliga-Referee Robert Hoyzer schockte mit seinem Eingeständnis, Spiele wie das DFB-Pokalduell SC Paderborn gegen den Hamburger SV manipuliert und dafür eine fünfstellige Euro-Summe kassiert zu haben, alle den Deutschen Fußball-Bund (DFB), Fans, Clubfunktionäre, Kicker und Schiedsrichter. Die juristischen Konsequenzen aus dem größten Wettskandal aller Zeiten hierzulande liegen noch völlig im Dunkeln die sportlichen Konsequenzen sind indes längst klar. "Ein Jahr vor der Weltmeisterschaft bringt diese Affäre auch einen riesigen Imageschaden für Deutschland", erklärte Karl Wieland, Bezirks-Vorsitzender Neckar/Fils.

Wieland ist altersmäßig jenseits der sechzig Verständnis für den jungen Skandalreferee aus der Landeshauptstadt hat er nicht. "Mit Härte und Entschiedenheit" durchzugreifen, empfiehlt er deshalb jenen, die Hoyzer nach allen Eingeständnissen einmal zu bestrafen haben werden. Wieland, der früher selber Spiele pfiff, ist richtig sauer. Einen wie Hoyzer, der sich für schnelles Geld kaufen lässt, brauche das Fußball-Land nicht.

Auch Holger Böhm, Schiedsrichter-Einteiler im Fußballbezirk aus Unterensingen, reagierte empört, als er von den Betrügereien des Berliners las. "Das Geld hatte der als gut verdienender Zweitliga-Schiedsrichter doch eigentlich gar nicht nötig", sagte Böhm, der fast gleich alt (26) wie Hoyzer ist und ebenfalls pfeift. Der Neckar/Fils-Mann befürchtet nun Auswirkungen bis hinein in den lokalen Fußball, wo mancher ohnehin mit Vorurteilen behaftete Zuschauer auf strittige Schiedsrichterentscheidungen künftig massiv(er) reagieren könne. Noch ist derlei reine Spekulation, doch Böhm sich schon sicher: Allgemein wird der Fall Hoyzer Schiedsrichtern noch eine ganze Weile schaden. Böhm: "Schon jetzt singen sie im Stadion: ,Schiedsrichter hol den Wettschein raus'. Man kann nur hoffen, dass der Fall schnell abgeschlossen ist."

Und Daumen drücken, dass das breite Publikum mögliche Verbalinjurien aus den Hardcore-Fanblocks nicht goutieren wird. "Die Schiedsrichter des Bezirks Neckar/Fils können schließlich nichts dafür, wenn ein Berliner Spiele manipuliert" (Wieland). Nachfolgetäter aus den eigenen Reihen, die für vergleichbar kleines Geld aus Vereins- oder Privatkassen durch falsche Pfiffe auf dem Rasen betrügen könnten, befürchtet der Bezirks-Chef im Übrigen nicht. "Ich kenne unsere Schiris fast alle, ihre Familien, ihren Hintergrund, ihre Einstellung, Das sind alles Leute, die so etwas nie machen würden", hält er entsprechenden Anfragern entgegen. Und dieses: "Seit über zwanzig Jahren bin ich nun Vorsitzender des Fußballbezirks Neckar/Fils. In dieser Zeit habe ich keinen einzigen Fall der Spielmanipulation durch einen Schiedsrichter erlebt."

Wie sollte er auch: Die Mechanismen, die bei der Abwicklung von Bezirksliga- oder Kreisliga-Spielen greifen, sind gänzlich andere als jene in den Ligen drüber. Öffentlich kursierende Schiedsrichterlisten im Vorfeld eines Spieltags gibt's auf Bezirks-Ebene nämlich nicht. "Sollte jemand Kontakt zum eingeteilten Schiedsrichter suchen, müsste er den Namen bei uns erfragen und würde sich im Zweifelsfall also verdächtig machen", weiß Holger Böhm. "Erst am Spieltag, beim Eintreffen des Schiedsrichters auf dem Sportplatz, erfahren die Vereine im Regelfall, wer sie pfeift."

Ein Schiedsrichter-Schutz, der greift. Und einer, der dem DFB nach Bekanntwerden des Falles Robert H. nun gewissermaßen als Vorlage dient: Die Namen der eingeteilten Referees werden künftig erst zwei Tage vor einer Partie (anstatt wie bisher vier) zur Veröffentlichung frei gegegeben. An der persönlichen Schuld des Hertha-Mitglieds Hoyzers ändert das nichts. Wieland: "Unentschuldbar, was der gemacht hat."