Lokalsport

Blitz-Transfer beim VfL: Goehrke will alles geben

Sein Name: Bill Goehrke. Seine Aufgabe: Die Schwäche unter dem Korb bei den VfL-Basketballern beheben. Sein Einstand: Am Samstag im Spitzenspiel gegen den MTV Stuttgart.

KIRCHHEIM Zum Start in Kirchheim bekam der neue US-Boy in Diensten der VfL-Regionalliga-Basketballer gleich eins aufs Auge im ersten Training rannte Bill Goehrke gegen den Ellenbogen von Ross Jorgusen. Schmerzhafter Einstand für einen Vollblutbasketballer aus Chicago, der 1992 sein persönliches Schlüsselergebnis hatte.

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Als Schüler hatte es Bill Goehrke, damals gerade zehn, geschafft, mit seinem Team ein Jugendturnier zu gewinnen. Der Preis: Ein Spiel im Chicago Stadium, der Spielstätte des damaligen NBA-Champions Chicago Bulls. Der Clou: Unmittelbar nach dem Spiel betrat Michael Jordan den Court, auf dem Weg zur zweiten Bulls-Meisterschaft. "Little-Bill" war schwer beeindruckt, aus seinem Basketball-Hobby wurde eine echte Leidenschaft. Seither ist der größte Basketballer aller Zeiten sein Idol auch wenn es natürlich totaler Zufall ist, dass Bill genau die Masse von "His Airness" Jordan erreichte: 1,98 Meter auf 100 Kilo.

Wie aber kam der 22-jährige Amerikaner überhaupt unter die Teck? Nachdem er drei Jahre lang fester Bestandteil der Midwest Division im US-College-Basketball (entspricht der dritten US-Liga) gewesen war, wurde VfL-Coach Theo Leftakis durch private Kontakte auf Goehrke aufmerksam gemacht. Schließlich fehlte dem an sich starken Kirchheimer Regionalliga-Team ein Abräumer unter dem Korb, um mit den besten Mannschaften der Liga mithalten zu können. Das Video von einem Spiel aus dem letzten Frühjahr steigerte Leftakis Interesse, und auch VfL-Spielmacher und College-Experte Ross Jorgusen signalisierte nach Ansicht des Bandes Zustimmung: "Das ist ein Typ wie Mark Madsen: totaler Kampfgeist, sehr gute Abwehr, stark im Rebound. Er kann uns helfen." Madsen war drei Jahre lang Publikumsliebling der Los Angeles Lakers und holte drei Titel mit Kobe Bryant und Shaquille O'Neal.

Plötzlich ging alles ganz schnell: Per E-Mail und Telefon wurden die Kontakte geknüpft, und zehn Tage nach dem ersten Gespräch war Bill Goehrke in Kirchheim. Seine Spielberechtigung liegt ebenfalls bereits vor, sodass seinem Einsatz übermorgen im absoluten Spitzenspiel gegen den MTV Stuttgart nichts im Wege steht. Auch seine Verletzung an der linken Augenbraue nicht. "No big deal" keine große Sache, sagte er gestern Morgen. Der Cut wurde im Kirchheimer Krankenhaus mit einem Stich genäht. Im Training davor hatte Goehrke das gezeigt, wofür er geholt wurde: 100 Prozent Einstellung, defensive Unerbittlichkeit, Körpereinsatz beim Rebound. Mit seinen 1,98 Meter ist der Enkel deutscher Großeltern schließlich nicht der Allergrößte. Sicherlich hätte sich Theo Leftakis ein paar Zentimeter mehr gewünscht. Dennoch ist der Kirchheimer Trainer überzeugt, dass Goehrke schon in den nächsten beiden Spielen gegen die gegnerischen Center Jordan Sabourin (MTV Stuttgart, 2,11 Meter) und Oliver Narr (KGJ Schwenningen, 2,21) dem VfL entscheidend helfen kann.

Bei den Augustana Vikings war er schließlich auch für die Drecksarbeit zuständig: In knapp 20 Minuten pro Spiel holte er da regelmäßig die meisten Rebounds (sechs pro Spiel), blockte die meisten Würfe (einen pro Spiel) und hatte eine hervorragende Wurfquote (zwischen 50 und 60 Prozent). Aber Bill ist kein Scorer. "Davon haben wir genug", sagt Leftakis, "wir brauchen etwas anderes." Vor allem Intensität. Und davon hat Goehrke in seiner College-Zeit reichlich eingesogen: Da wurde 40 Minuten Hochgeschwindigkeits-Basketball gespielt, kein Spieler war länger als fünf Minuten am Stück auf dem Feld. Ein Stil, der dem Jordan-Fan entgegen kam: "Ich gebe immer alles. Es geht ausschließlich ums Team, nicht um persönliche Statistiken. Ich werde auch für den VfL alles geben." Schlägt er ein wie erhofft, wird er für den Rest der Saison fest verpflichtet. "Nach dem College will ich etwas im Basketball erleben. Das zählt für mich im Moment, sonst nichts."

mad