Lokalsport

Böses Erwachen im Straßengraben

Annette Frik aus Ötlingen konnte nach zwei Stürzen beim "8. Inline one-eleven" in Sankt Gallen ihren Podiumsplatz aus dem Vorjahr nicht wiederholen. Sie erreichte das Ziel als Neunte. Es siegte die erst 18-jährige Neuseeländerin Nicole Begg, vor Pia Knecht aus der Schweiz und der Französin Samir Ghizlane.

SANKT GALLEN Nach dem zweiten Sturz bei Kilometer 88, der von einer Holländerin in der Spitzengruppe verursacht wurde, verlor Annette Frik den Anschluss an die Spitzengruppe und konnte nicht mehr in den Kampf um die Podiumsplätze eingreifen. Bei Temperaturen um zehn Grad und Nebel waren am frühen Morgen 1 400 Skater aus der ganzen Welt auf der 111 Kilometer langen Strecke durch den Schweizer Kanton Thurgau gestartet. Ein anspruchsvoller Kurs mit fast 1 000 Höhenmetern, der den Skatern alles abverlangte.

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Beim Start war die Straße noch trocken, doch der Wetterbericht machte nicht viel Hoffnung auf trockene Bedingungen im weiteren Rennverlauf. Das Betreuerteam von Annette Frik hatte sich kurz vor dem Start für gedichtete Kugellager in den Rollen entschieden, die bei Nässe besser funktionieren, dafür aber mehr Rollwiderstand haben. Die Frauen starteten getrennt und trafen erst nach etwa einem Kilometer auf das Feld der Männer. Speziell das Schweizer Frauenteam schloss immer wieder zu Männergruppen auf und versuchte, in der unübersichtlichen Situation anzugreifen. Das führte zu tumultartigen Szenen, die Annette Frik zum Verhängnis wurden. Von einem unmittelbar hinter Ihr fahrenden männlichen Teilnehmer wurde die Kirchheimerin erstmals zu Fall gebracht. Da die Stecke an der Stelle leicht abfallend war, gelang es ihr rasch, wieder Anschluss zu finden. Bei der ersten heiklen Abfahrt nach 20 Kilometern auf nasser Straße wurde Annette Frik ihrem Ruf als gute Abfahrerin gerecht. Sie konnte sich mit einer sechsköpfigen Gruppe vom Feld absetzen.

Der stärker werdende Regen verwandelte die kleinen Schweizer Nebenstraßen in regelrechte Rutschbahnen. Auf der kurvenreichen Strecke war höchste Konzentration gefordert. In der kurvigen Abfahrt vor dem gefürchteten Anstieg in Altenberg, wo in den vergangenen Jahren meist schon die Entscheidung fiel, setzte sich Annette Frik an die Spitze, um der geringsten Sturzgefahr ausgesetzt zu sein. Hier war es auch, wo die Kirchheimerin 2004 den Grundstein für Ihren zweiten Platz legte. Doch es sollte ganz anders kommen: Durch eine Unachtsamkeit wurde die an zweiter Stelle liegende Holländerin Nienke Stenekes in einer Kurve zu weit nach außen getragen. Um einen Sturz zu verhindern, versuchte sie sich an der Hüfte der Kirchheimerin festzuhalten und zog diese bei hohem Tempo mit in den Straßengraben. Eine Situation, die die Schweizer zum Angriff nutzten. Oben am Berg mussten Friks Betreuer einen Rückstand von über 40 Sekunden auf die Führenden durchgeben. Ein Rückstand, der bei diesen Witterungsbedingungen nicht mehr aufgeholt werden konnte.

Die restlos enttäuschte Kirchheimerin konnte erst durch Zureden ihres Trainers zum Weitermachen bewegt werden. Am Ende stand nach 3.50,14 Stunden der neunte Platz im härtesten Inline-Rennen Europas als dennoch respektables Ergebnis. In zwei Wochen startet Annette Frik beim Weltcuprennen in Duluth (USA), das gleichzeitig zu einem Kurzurlaub genutzt wird. Anschließend geht es Ende September zum Weltcupfinale nach Berlin.

jd