Lokalsport

Bronze für Australien: Jubel in Assen

Bronzemedaille für Australien: Beim ersten WM-Auftritt mit ihrer neuen Nationalmannschaft verbuchte Christine Wolf gleich ein herausragendes Erfolgserlebnis. Im 100-Meter-Finale zählte die gebürtige Kirchheimerin, im Vorjahr ausgewandert, zu den großen Drei.

THOMAS PFEIFFER

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ASSEN Christine Wolf ist um ein Stück Edelmetall reicher: Bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft der Behinderten in Assen/Niederlande glückte der 26 Jahre alten Wahl-Australierin mit familiären Wurzeln in Gutenberg im Dress der "Aussies" Platz drei im 100-Meter-Finale der beinamputierten Frauen. Wolf, die im Nieselregen nach genau 17,42 Sekunden finishte, musste in einem hart umkämpften Rennen noch die Holländerin Annette Roozen (16,96) und Perla Bustamente aus Mexiko (17,23) an sich vorbeiziehen lassen.

Damit steuerte Christine Wolf, seit wenigen Monaten festes Mitglied der australischen Nationalmannschaft, dem Medaillenkonto ihrer neuen Landsleute die erste "Bronzene" bei. "Meine Teamgefährten haben sich riesig gefreut", berichtete die Sprinterin gestern am Telefon. Sie selbst konnte jubeln: In Assen gelang der 26-Jährigen der schnellste 100-m- Sprint ihres Lebens. 17,42 Sekunden bedeuteten neue persönliche Bestzeit.

War mehr drin als Platz drei für die Silbermedaillengewinnerin von Athen, die in ihrer Schadensklasse mal Deutschlands Nummer eins im Sprint gewesen war? "Das Rennen war ziemlich eng", antwortete sie und ärgerte sich, dass "ich auf den letzten Metern verkrampft habe." So liefen die neue holländische Weltmeisterin (Roozen) und die Silbermedaillengewinnerin aus Mexiko (Bustamente) an der Schwäbin mit Heimat in der Australien-Metropole Canberra im Endspurt noch vorbei. Nach 100 umkämpften Metern blieb Christine Wolf die Erkenntnis, immerhin beim Start die Beste gewesen zu sein: Bis zur Schlusspassage hatte sie das Final-Feld der Schadensklasse T 42 nämlich angeführt. "Traditionell war ich beim Start mal wieder die Schnellste", sagte sie. Andere kamen nicht so weit: Nach zweimaligem Fehlstart wurde die Deutsche Salome Kretz aus dem Rennen genommen und disqualifiziert.

Nachdem ihr Freund Francis Health mit Sprinter-Gold dekoriert worden ist, bietet sich Christine Wolf bei der WM in Assen am Freitag vor den Augen ihrer mitgereisten Trainerin Iryna Dvoskina ("sie ist eine kritische Trainerin") im Weitsprung eine zweite Medaillenchance. Eine holländische 3,60-m-Springerin gilt als Favoritin, aber Christine Wolf ist vor zwei Jahren schon einmal 3,74 m gesprungen der Wettbewerb scheint offen. "Um zu gewinnen, müsste ich nochmals einen Supersatz machen", schränkt sie freilich die Größe der eigenen Gold-Perspektive ein.

Schließlich hat sie erst auf eine neue Sprungtechnik umgestellt.

INFODie beinamputierte Leichtathletin Christine Wolf aus Gutenberg lebt seit 2005 in Australien, hat die dortige Staatsbürgerschaft.