Lokalsport

Buch mit sieben Siegeln

Fußball: Gegenseitiges Rätselraten vor dem Weilheimer Gastspiel beim Tabellendreizehnten

Die lange Reise in Richtung Verbandsliga führt die Weilheimer Landesligafußballer morgen zum Tabellendreizehnten TSV Buch in den Landkreis Neu-Ulm. Der Turn- und Sportverein von 1889, vor fünf Monaten völlig überraschend in die Landesliga aufgestiegen, ist für die Überflieger von der Limburg ein Buch mit sieben Siegeln. „Wir wissen nicht genau, was uns dort erwartet“, sagt Trainer Alexander Hübbe.

TSV Weilheim (rot) - 1 FC Heiningen (gelb) 3:0Ferdi Er zieht ab
TSV Weilheim (rot) - 1 FC Heiningen (gelb) 3:0Ferdi Er zieht ab

Weilheim. Das Rätselraten beruht auf Gegenseitigkeit. „Wir haben noch nie gegeneinander gespielt, haben Weilheim auch nicht beobachtet. Wir wissen nur, dass wir einen richtig schweren Gegner vor der Brust haben. Wir lassen uns einfach überraschen“, meint Buchs Abteilungsleiter Roland Zeh.

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Die Mannschaft aus dem nur knapp 1 900 Einwohner zählenden Flecken einer Gemeinde mit 13 Teilorten ist ganz passabel in die Runde gestartet. Zehn Punkte aus zehn Spielen – mehr haben auch die viel höher eingeschätzten Teams aus Dorfmerkingen und Frickenhausen bisher nicht auf die Reihe gebracht. Ganz beachtlich für den Neuling, wenn man bedenkt, dass der Kader laut Zeh nur 14 landesligataugliche Spieler umfasst. Drei davon sind verletzt, müssen gegen Weilheim durch Reservisten ersetzt werden.

Ein weiteres Handicap: Der beste Abwehrspieler steht dem TSV Buch nur in den Sommermonaten zur Verfügung. Ab Oktober bis weit ins neue Jahr vertauscht Martin Jainz den Ball mit dem Puck, spielt Eishockey mit Memmingen in der Bayernliga. Unter diesen Voraussetzungen ist es gewiss keine Tiefstapelei, wenn der Fußballchef versichert: „Bei fünf Absteigern wäre für uns der Klassenerhalt eine kleine Sensation. Wir können nur einigermaßen mithalten, wenn alle fit sind.“ Dennoch tut Weilheim gut daran, die kleinen Unbekannten nicht zu unterschätzen. Das könnte sonst fatale Folgen haben. Buch hat zu Hause zwei starke Trümpfe in der Hand, die nicht zu verachten sind. Einerseits sind es die euphorischen Fans, die in ihrer Zahl den weit größeren und benachbarten FV Illertissen übertreffen. Kommen zu den Heimspielen des Regionalligaklubs kaum mehr als 150 Zuschauer, feuern in Buch immer zwischen 250 und 300 die Mannschaft an. Gegen Weilheim werden mehr als 400 Fans erwartet.

Das zweite Pfund, mit dem der Neuling wuchern kann, ist sein kleiner und deshalb schwer bespielbarer Platz mit den Mini-Maßen 100 mal 50 Meter. Zeh: „Es wäre extrem schwierig, ihn zu vergrößern, weil er auf einem Berg liegt und auf einer Seite stark abfällt. Wir haben bisher nie daran gedacht, zumal wir vor fünf Jahren noch in der Kreisliga B gespielt haben.“

Der Favorit ist gewarnt. „Ein richtig unangenehmer Gegner. Keiner, der im Vorbeigehen zu bezwingen ist. Die werden kämpfen wie die Verrückten“, betont Hübbe. Im Training hat er deshalb nichts dem Zufall überlassen. Mit besonderen Spielformen auf engem Raum hat er die Mannschaft auf die beschränkten Platzverhältnisse eingestellt, damit nicht dasselbe passiert wie in Frickenhausen, wo der TSV unerwartet auf einem kleinen Platz spielen musste: „Darauf waren wir nicht vorbereitet und prompt ging es schief.“

Personell ist der Trainer in der glücklichen Lage, aus dem Vollen schöpfen zu können. Er hat die Qual der Wahl und wartet deshalb heute Abend die letzten Trainingseindrücke ab, bevor er sich für eine Anfangsformation und eine Vorgehensweise entscheidet. Sein Spielsystem richtet er nach dem Naturell der aufgebotenen Spieler. Da ist der Trainer flexibel. Mal ist es ein 4-4-2, mal ein 4-5-1, mal eine defensivere Variante im Mittelfeld.

Auf die richtigen Entscheidungen von Lutz Siebrecht, der vorübergehend die Spielleitung in die Hand genommen hat, hofft der bisher enttäuschende SC Geislingen nach der Entlassung des Trainerduos Geiger/Medicina. Ob der Interimstrainer allerdings schon in Heiningen für die Wende zum Positiven sorgen kann, muss bezweifelt werden. Die Mannschaft von Tobias Flitsch brennt nach der 0:3-Schlappe in Weilheim darauf, ihre enttäuschten Anhänger zu versöhnen und die Tabellenführung zu verteidigen. Im direkten Duell geht es für Waldstetten und Eislingen darum, das enteilende Spitzenduo nicht aus den Augen zu verlieren. Der Rest der Liga muss nach hinten schauen.