Lokalsport

Bussarde weisen den falschen Weg

Wenn Petrus die kalte Schulter zeigt, ist fast nichts zu machen: Segelflieger Klaus Holighaus machte die Erfahrung erst wieder am vergangenen Wochenende. Sein ehrgeiziger Plan, für die Fliegergruppe Wolf Hirth wertvolle Bundesliga-Punkte zu ergattern, scheiterte.

KIRCHHEIM/DETTINGEN Das Tiefdruckgebiet mit Kern über Mitteleuropa machte vielen Segelfliegern am vergangenen Wochenende einen Strich durch die Rechnung: Nur 15 der 31 Bundesliga-Mannschaften erflogen Punkte. Die Fliegergruppe Wolf Hirth Kirchheim und die Fliegergruppe Dettingen gehörten nicht dazu: Nullrunden für die Segelflieger.

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Wertvolle Punkte sammeln, in der Bundesliga-Tabelle Plätze gutmachen: Das wollten alle Piloten der Clubs. Auch Wolf-Hirth-Flieger Tilo Holighaus, der am Samstag bei einem Blick aus seinem Büro erkannte, dass sich ein Wetterfenster auftat. So eilte er auf die Hahnweide, baute sein Flugzeug in Windeseile auf und startete am späten Nachmittag im Regen. Doch Holighaus konnte sein Gefährt nur mit Mühe in der Luft halten, "soff" ab und musste landen. Mit Hilfe seiner Fliegerfreunde, die ihn mit Blick aufs trübe Wetter ein wenig belächelt hatten, war er innerhalb von drei Minuten wieder in der Luft. Dieser zweite Flug begann zwar erfolgversprechender als der erste und er stieg bei Grabenstetten bis auf 1300 Meter hoch. Diese Höhe erwies sich allerdings als zu gering, um bei Laichingen an die nach Thermik aussehenden Wolken zu gelangen. Holighaus verließ sich auf einige in seiner Nähe kreisende Mäusebussarde, die ihm so oft schon gute Aufwindfelder (Fliegerjargon: "Bärte") angezeigt hatten um schließlich festzustellen, dass diese ihm buchstäblich etwas vorgeflunkert hatten. Kaum dass er herangekommen war, flogen sie flügelschlagend davon. So musste Holighaus wiederum landen, diesmal auf dem Laichinger Flugplatz.

Die dortigen Fliegerkameraden fragten ihn verwundert, wo er bei solch einem Wetter herkäme und ließen sich zu seinem Glück schnell überreden, ihn wieder in die Luft zu schleppen. Als Holighaus nach 15 Minuten wieder in der Luft war und Anschluss an die mehr Erfolg versprechenden Wolken hatte, fiel ihm ein, dass er nach den neuen Regeln der Segelflug-Bundesliga auf seinem Heimatflugplatz starten muss. So flog er enttäuscht zurück zur Hahnweide, wo zu dieser späten Uhrzeit der Flugbetrieb schon eingestellt war, sodass ihm ein weiterer Start nicht mehr möglich war. "Was zählt, ist der gute Wille", richtete ihn Wolf-Hirth-Segelflugreferent Peter Bittner beim Abbauen des Segelflugzeuges schließlich wieder auf.

Konkurrenz keine GefahrTrost für die "verhinderten" Piloten aus Kirchheim und Dettingen: Die unmittelbare Tabellen-Konkurrenz punktete an diesem Wochenende ebenfalls nicht. So behielten die beiden Vereine drei Runden vor Saisonschluss ihre Plätze im Gesamtklassement: Die Kirchheimer sind weiterhin Achter, die Dettinger Zehnter. Tabellenführer blieb Königsdorf (223 Punkte) vor den Öhringer Piloten (210), die sich an Esslingen (193) vorbei schoben.

kh