Lokalsport

Chatzakos träumt klammheimlich vom nächsten griechischen Wunder

ESSLINGEN Â Von wegen nix versteh'n in Athen, wie uns das die Radio-Macher von SWR 3 derzeit tOEäglich in ihrer Comedy-Serie verkaufen. Georg Chatzakos weiOEß, wovon er spricht, wenn er die deutsche oder die griechische Sprache bemOEüht, oder wenn er OEüber Handball redet. Seit dieser Woche weilt der Esslinger im Land von Zeus und Rehakles (oder umgekehrt?), nachdem er dem Ruf der Gesellschaft Olympia 2004 nach Athen gefolgt ist. Dort arbeitet Georg Chatzakos wOE¤hrend der Olympischen Spiele als Koordinator fOEür alle Mannschaften der Handball-Hallenwettbewerbe und betreut der Zweisprachigkeit wegen vor allem das deutsche Team. Und wann immer es etwas zwischen den Mannschaften und dem EuropOEäischen Handballverband oder dem Welt-Handballverband zu regeln gilt, soll es Chatzakos richten.

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In der Esslinger Kneipen- und Musikszene ist Georg Chatzakos bekannt wie der berOEühmte bunte Hund. FrOEüher betrieb er das Anno Domini am Hafenmarkt, zuletzt das Oscar's als (vorerst?) letzte gastronomische Station, zudem veranstaltet er die Oldie-Nights auf dem Hafenmarkt und verschiedene andere Live-Musik-Projekte. Derzeit ist der 45-JOEährige mit seiner Firma Magic Sky und seinen riesigen Schirm-Systemen quer durch Europa unterwegs.



Weniger bekannt ist die sportliche Vergangenheit von Georg Chatzakos. Seit seinem fOEünften Lebensjahr lebt er in Esslingen und von seinem neunten Lebensjahr an spielte er Handball damals bei den Turn- und Sportfreunden Esslingen. Bis in die Bezirksliga fOEührte ihn sein Weg. Handball war Ende der 70er-Jahre in Griechenland ein recht junger Sport und somit war die Zahl der Aktiven noch sehr OEüberschaubar. Anders als spOEäter im gastronomischen Gewerbe lautete Chatzakos' Wahlspruch damals: Ich lass' ungern einen rein. Das hatte sich offenbar bis nach Griechenland herumgesprochen, wo der Handballverband nach talentierten TorhOEütern Ausschau hielt. WOEährend diverser Trainingslager machte Chatzakos seinem Wahlspruch alle Ehre und der Verband machte den Deal perfekt. Dieser sollte etwa acht Jahre lang halten. Chatzakos spielte fOEür das griechische Nationalteam bei mehreren Balkan- und Mittelmeer-Meisterschaften, zeitweilig verlegte er seinen Wohnsitz von der Esslinger Burg an die Akropolis. Drei Verletzungen durchtrennten schlieOEßlich nicht nur das eine oder andere Band an den Sprunggelenken, sondern auch das zum Handballsport. Aber eben nicht ganz. Die freundschaftlichen Beziehungen zu den Mannschaftskameraden in Griechenland hielten. Aus einigen von ihnen sind mittlerweile FunktionOEäre geworden, denen es nahe liegend erschien, den Georg im fernen Esslingen zu fragen, ob er den Job OEübernehmen will. Chatzakos sagte zu: "Ich freue mich auf die Aufgabe und bin hautnah dran am Geschehen."



Wann immer die Mannschaften oder die internationalen Handball-VerbOEände kleinere oder grOEöOEßere Probleme drOEücken, soll Chatzakos als Pufferstation auftreten. Und er soll seinen Sport reprOEäsentieren. Als Patenmannschaft kOEümmert er sich vor allem um das deutsche Team. An persOEönlichen Kontakten zu den Spielern fehlte es bis dato noch etwas, aber der Grundstein wurde bereits wOEährend eines Test-Turniers mit den Nationalmannschaften aus Israel, Ungarn, Griechenland und Deutschland gelegt. "Da habe ich den Heiner Brand kennen gelernt und bin sicher, dass die Zusammenarbeit gut funktioniert", schildert Chatzakos seinen Eindruck vom deutschen Bundestrainer.



Geradezu ins SchwOEärmen gerOEät Esslingens Botschafter in Athen, wenn er an die wunderschöne Handball-Halle denkt sie liegt direkt an der Küste. Ideale Voraussetzungen für spannende Wettbewerbe sieht er dort. Und mal ganz abgesehen davon, sei die Halle schon seit März fertig. Von Unkenrufen hier zu Lande, wonach griechische Gelassenheit die Jugend der Welt in halbfertige Sportstätten führen könnte, hat Georg Chatzakos ohnehin nie etwas gehalten die RealitOEät gibt ihm Recht. "In Athen wurden die SportstOEätten nicht auf der grOEünen Wiese, sondern auf geschichtstrOEächtigem Boden gebaut. Ganz egal, wo man anfOEängt zu graben, stOEOEößt man auf Zeugen der Vergangenheit. Das hat die ganze Sache nicht eben einfacher gemacht", erklärt der 45-JOEährige.



Mit Prognosen OEüber den Ausgang des Handball-Turniers hOE¤lt sich Chatzakos eingedenk seiner Diplomaten-Rolle zurOEück. Doch nach dem "Wunder von Lissabon" bei den Kollegen von der kickenden Zunft traut er auch den griechischen Handballern einiges zu. Ganz allein hat Chatzakos die Reise nach Athen OEübrigens nicht angetreten. Als tatkrOEäftige UnterstOEützung ist Sohn Aleko (eigentlich Alexander) mitgeflogen. Er wird die Putzkolonnen verstOEärken und die Schweißperlen der Spieler vom Boden aufwischen, sagt Esslingens Botschafter in Athen verschmitzt.

Reist als Betreuer nach Athen: Georg Chatzakos hat in Esslingen einst selbst die Handballschuhe geschnürt.