Lokalsport

„Dabei sein ist wie eine Droge“

Morgen steigt der 27. Silvesterlauf

Der Kirchheimer Silvesterlauf:Sportlicher Jahresausklang und Höhepunkt für hunderte Laufbegeisterte – auch für solche, die man eigentlich aus anderen Sportarten kennt. Einen Tag vor der 27. Auflage der 9,3-Kilometer-Hatz vom Rathaus auf die Teck verraten drei von ihnen ihre ganz persönliche Motivation, Zielsetzung und die Faszination, die die Traditionsveranstaltung auf sie ausübt.

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Peter Eidemüller

Kirchheim. Ein Turner, ein Sportschütze, ein Fußballer – wenn morgen um 15 Uhr am Kirchheimer Rathaus der Startschuss zum 27. Silvesterlauf fällt, werden sie Brüder im Geiste sein. Gemeinsam mit rund 500 weiteren Teilnehmern nehmen Andreas Mahler (29), Andreas Rieke (37) und Alexander Grillo (28) die Strecke auf die Teck und wieder zurück unter die Sohlen. Für die traditionelle Erstürmung des Kirchheimer Hausbergs tauscht das Trio den jeweils gewohnten Sportdress mit Laufschuhen, Tight und Mütze.

Andreas Mahler, ansonsten für die Turnabteilung des VfL Kirchheim in der Oberliga aktiv, war in den vergangenen Jahren immer am Start. „Ansonsten bin ich eigentlich kein großer Läufer, aber der Silvesterlauf gehört einfach dazu“, sagt er. Dabei dürfte er einer der wenigen sein, die unwirtliche Bedingungen bevorzugen: „Ich find‘s herrlich, wenn Schnee liegt und es nieselt.“ Kein Wunder: Seine persönliche Bestzeit („Um die 47 Minuten, glaube ich“) schaffte der Sportwissenschaftsstudent der Uni Tübingen 2001, als Eiseskälte zwischen Rathaus und Teck herrschte. Der für ihn anstrengendste Teil der Strecke ist übrigens nicht etwa der „Ho-Tschi-Minh-Pfad“ oder der erste Stich nach der Schranke am Parkplatz Hörnle, nein: „In der Ebene bis zum Guckenrain, das zieht sich ewig. Der Berg an sich macht mir weniger Probleme.“

Ähnlich geht‘s An­dreas Rieke, der sich gezielt auf die Belastungen der 450 zu bewältigenden Höhenmeter vorbereitet hat. Seit Anfang November ist der Sportschütze in Diensten des TSV Ötlingen im Training für den Silvesterlauf. „Ich übe am Berg und mache auch Tempoläufe im Stadion“, sagt er, der mit der Schnellfeuerpistole bereits mehrfacher Deutscher Meister mit der Mannschaft und im Einzel wurde. „Laufen ist für mich eigentlich nur eine Schlechtwettersportart“, sagt der passionierte Rennradler, der darüber hinaus auch beim VfL als Wasserballer aktiv ist. Der Silvesterlauf ist für ihn dennoch „seit Jahren“ fest im Terminkalender gesetzt. Schließlich gilt es für Rieke, seinen in der lokalen Sportszene erworbenen Spitznamen zu rechtfertigen. Gazelle. Leichtfüßig wie die Antilopenart will Rieke auch morgen den Weg auf die Teck bewältigen. „Am Hallenbad in Dettingen trennt sich die Spreu vom Weizen“, glaubt er, „ab da wird das Tempo angezogen.“ Auch wenn es keine offizielle Zeitnahme gibt und der veranstaltende Lauftreff jedes Jahr aufs Neue den Breitensportgedanken predigt, gibt es vor, nach und während des Laufs nur ein Thema: Wer war wie schnell? Auch die „Gazelle“ treiben solche Gedanken um. „Letztes Jahr war ich als Elfter auf der Teck, meine Bestzeit steht bei knapp 44 Minuten“, sagt Andreas Rieke.

Auf ähnlichem Niveau bewegt sich auch Alexander Grillo. Der Mittelfeldmotor von Fußballbezirksligist TSV Jesingen freut sich auf seinen insgesamt vierten Silvesterlauf. „Dabei zu sein, ist wie eine Droge“, sagt er, der bislang stets nach rund 45 Minuten den Burghof der Teck passiert hat. „Da musst du jedes Mal an deine Grenzen gehen, die Beanspruchung ist mit nichts zu vergleichen.“ Grillo weiß, wovon er redet, schließlich nimmt er regelmäßig an anderen Veranstaltungen wie dem Stuttgarter-Zeitungs- oder dem Hohenneuffenlauf teil. „Der Silvesterlauf ist aber das Highlight“, sagt er, der aller Voraussicht nach wieder mit seinem Schwager an den Start gehen wird, den man in Fußballerkreisen ebenfalls gut kennt: Ex-VfL-Kicker Michael Heilemann, der momentan bei Verbandsligist FC Frickenhausen dem Leder nachjagt. „Was das Laufen angeht, sind wir eigentlich keine typischen Fußballer“, lacht Grillo.

Der Turner, der Sportschütze und der Fußballer – nur drei von zahllosen ambitionierten Teckläufern, denen Cheforganisatorin Jutta Krehl vom Lauftreff noch folgendes mit auf den Weg geben will. „Es soll zwar jedem Spaß machen, aber alle Teilnehmer laufen auf eigenes Risiko.“ Sorgen bereiten wie jedes Jahr die Trittfestigkeit des Ho-Tschi-Minh-Pfads und des Fahrwegs hinauf zur Teck.

www.vfl-kirchheim.de/seite101.htm