Lokalsport

Dank "Rosinenpicken" zum Erfolg

Obwohl er keine Medaille gewonnen hat, darf sich Tobias Unger als einer der Sieger der WM in Helsinki fühlen mit seinen beiden Auftritten über 200 m und in der Staffel hat er gezeigt, dass er im Konzert der Großen mitspielen kann.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM/HELSINKI Seinem siebten Platz über die 200 m hat Tobias Unger zusammen mit seinen DLV-Kollegen der 4 x 100-m-Staffel erneut Rang sieben folgen lassen. In 38,48 Sekunden verpasste das Quartett in der Besetzung Alexander Kosenkow, Marc Blume, Unger und Marius Broening den anvisierten sechsten Platz nur um drei Hundertstel Sekunden.

Zeit, sich auf den in finnischen Breiten errungenen Lorbeeren auszuruhen, hat Unger jedoch nicht. Kaum sind die Welttitelkämpfe in Helsinki vorbei, macht er sich auf in Richtung Türkei wer glaubt, der 26-jährige mache dort Erholungs-Urlaub nach den ganzen Strapazen, irrt: Unger startet bei der Universiade in Izmir, der Studenten-WM, die von heute an bis zum 20. August stattfindet.

Erfolge diktieren nun mal den Terminkalender, wenn man innerhalb von zwei Jahren vom "WM-Touristen" zum Hoffnungsträger avancierte wie Unger. 2003 in Paris noch im 200-m-Vorlauf ausgeschieden, hat der "Schwabenpfeil" nun in Helsinki seine kontinuierlich ansteigende Form bestätigt und gezeigt, dass er mit den Großen der Sprint-Welt zumindest auf Augenhöhe ist Lohn für knochenharte und entbehrungsreiche Trainingsarbeit der Marke Micky Corucle. "Bei allen Entscheidungen, die Tobias betreffen, habe ich sozusagen Vetorecht", sagt Corucle. Glücklicherweise liegen beide auf der gleichen Wellenlänge. "Wir kommen ohne Probleme immer zum gleichen Ergebnis", so Corucle.

Deswegen stand im Vorfeld der WM auch nie zur Debatte, ob Ungers Freundin Katja mit nach Finnland kommt. "Die Freundin beim Wettkampf, das geht einfach nicht", sagt Corucle während die einen unverständlich den Kopf über so viel Kompromisslosigkeit schütteln, sagen andere: Das ist eben der Preis des Erfolges.

Und wo liegt das Geheimnis für selbigen? Seit 23 Jahren ist Corucle als Trainer tätig und hat von vielen Kollegen Elemente übernommen, "die Rosinen rausgepickt", wie er sagt. In der Beziehung zwischen Athlet und Trainer sieht der 43-Jährige die Basis allen Erfolges. "Der Trainer muss alles koordinieren und unter seinen Fittichen haben." Der Athlet müsse außerdem einsehen, dass "in einer Küche nur einer zu kochen hat". Einen solch erfolgreichen "Brei" wie Tobias Unger würden zu viele Köche eben nur verderben ein einziger Koch, in Person von Micky Corucle, scheint für Unger auszureichen, die WM hat's gezeigt.