Lokalsport

Das deutsche Team wird jetzt zum Helferstab



LOTHAR SCHWARK/REINER FRENZ

Anzeige

POCIUNAI Noch vor dem Start, wurden die Flugzeuge mit über 100 Liter Wasserballast betankt, um eine hohe Flächenbelastung zu erzielen. Schwächt die Thermik ab, bedient der Pilot den Ablasshahn und kann wieder schwächere Aufwinde nutzen. Hochquellende Kumuluswolken beförderten die 109 Segelflugzeug mit über drei Meter in der Sekunde in die Höhe und bescherten Mario Kießling sein erstes Erfolgserlebnis. 211 Punkte Rückstand auf den Führenden Polen Iomasz Rubaj werden für den Hahnweidpiloten jedoch schwer aufzuholen sein. Nach acht Flugtagen liegt Kießling auf Gesamtrang vier. Der Kirchheimer kennt das Gesetz vom letzten Wertungstag: "Da wird eine Wertung oft komplett auf den Kopf gestellt," meint der 30-Jährige.



Auf der Zielgeraden der EM entscheidet zunehmend die mentale Stärke.



In der Standardklasse verpasste mit Weltmeister Holger Karow von der Fliegergruppe Wolf-Hirth der zweite Kirchheimer Pilot knapp seinen zweiten Tagessieg. Erfreulich für ihn: Mit Gerard Lherm verlor einer der Hauptkonkurrenten am Donnerstag deutlich an Boden. "Das lief heute richtig gut", freute sich Karow nach der Landung. Angesichts der optimalen Wetterbedingungen hatten die Veranstalter mit 373 Kilometern eine viel zu kurze Tagesprüfung ausgeschrieben, wohl aus den Erfahrungen des Vortags heraus, als fast die Hälfte aller Piloten außenlanden mussten. Die drei deutschen Piloten waren diesmal als Trio unterwegs. Dank der guten Thermik gab es keine taktischen Spielereien, es wurde Tempo gebolzt.



Der Franzose Gerard Lherm war der große Verlierer dieses Wertungstages. Er rutschte in der Tabelle auf den dritten Platz ab. Für das deutsche Team gilt es jetzt, Karow als einzigen Medaillenanwärter in der Offenen Klasse ganz nach oben zu bringen. Dazu bedarf es aber großen taktischen Könnens, hat sich der vor der EM bestenfalls als Außenseiter gehandelte Brite Russell Cheetham als Meister des Verfolgungsflugs erwiesen und damit bei seinen Konkurrenten nicht gerade Sympathiepunkte gesammelt. Wie ein Radfahrer, der sich nur im Windschatten bewegt, verfolgt der Brite eine Taktik, die in Fachkreisen als unehrenhaft gilt. "Der ist heute kein einziges Mal vor uns her geflogen", ärgerte sich Holger Karow nach der Landung. Am Donnerstag durfte der gebürtige Harburger dennoch zufrieden sein. Er erreichte mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 125,1 Stundenkilometern bereits nach knapp drei Stunden das Ziel. Als Tageszweiter holte er sich 986 Punkte.



Nur Russell Cheetham, der eine Minute später abgeflogen war und zu den Deutschen aufgeschlossen hatte, war schneller (125,4 km/h) und erntete 990 Punkte. Gemeinsame Dritte wurden Tassilo Bode (Gifhorn) und Uli Schwenk (Münsingen), die jeweils 985 Punkte erhielten. Gerard Lherm stürzte auf den 12. Platz ab und wurde mit 850 Punkten bestraft. Im Gesamtklassement führt Cheetham mit 6747 Punkten vor Karow mit 6700 Punkten und Lherm mit 6590 Punkten. Vierter ist der Schweizer Markus Gaumann (6484) vor Tassilo Bode (6352).



Uli Schwenk hat sich wieder an Ex-Weltmeister Janusz Centka aus Polen vorbei geschoben und ist jetzt Sechster mit 6320 Punkten.



Am gestrigen Freitag, dem vorletzten Wertungstag, galt es wiederum eine der von den Piloten nicht allzu sehr geschätzten Assigned Area Tasks (AAT) zu bewältigen. Dreieinhalb Stunden betrug die Mindestflugzeit, 260 Kilometer die Minimaldistanz, 609 Kilometer das Maximum, das zu bewältigen war. Bundestrainer Rainer Wienzek im Mannschaftsbriefing: "Schaut, dass Holger alleine weg kommt."

Mario Kießling landete in Litauen einen ersten Tagessieg bei der Segelflug-EM. Damit hat er sich die Chance auf einen vorderen Platz gewahrt.