Lokalsport

Das Duell der Enttäuschten als Schicksalsspiel

Wo geht die Reise hin? Eine Antwort auf diese Frage werden die Kirchheimer Regionalliga-Basketballer morgen Abend beim Hit gegen den Ligafavoriten KGJ Schwenningen in der Sporthalle Stadtmitte (Spielbeginn 19.30 Uhr) erhalten.

KIRCHHEIM Es ist auch das Duell der Enttäuschten. Sowohl Schwenningen als auch Kirchheim haben zuletzt gegen den MTV Stuttgart verloren und versuchen nun, dies durch einen Sieg wett zu machen. Müssen sie wohl auch, denn der Verlierer wechselt in der Hierarchie der Regionalliga Südwest die Rolle vom Titelanwärter zum Verfolger. Das wäre für beide Vereine, die in der Zuschauer-Statistik ganz unten rangieren der Schnitt liegt bei unter 200, in Schwenningen und Kirchheim kommen regelmäßig über 700 eine ganz harte Nuss. Denn der Meister VfL und der Aufsteiger KGJ haben beide unmissverständlich das Ziel Aufstiegsrunde formuliert und auch kräftig dafür investiert.

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Das Thema Zweite Liga existiert im Schwarzwald sogar schon länger als unter der Teck. Denn als Coach Alen Velcic 1994 in der Kreisliga das Team übernahm, hieß es sofort: Traumziel Zweite Bundesliga. Kaum ausgesprochen, ging's in den Fahrstuhl. Von Jahr zu Jahr stiegen die Zuschauerzahlen an und die Schwenninger regelmäßig auf. In der Oberliga hielt sich die Mannschaft nur zwei Jahre auf, in der Regionalliga soll es nun auch nicht länger dauern.

Doch bisher verlief die Saison nicht nach Wunsch. Der baden-württembergische Pokalsieger sorgte zwar im deutschen Pokal für Furore, schlug mit dem TSV Crailsheim (95:74) und der TSG Ehingen (92:83) zwei Zweitligisten und schied erst im Achtelfinale gegen den Erstligisten TK Würzburg (52:89) aus. Doch vielleicht war es diese Doppelbelastung, die zur ersten Saisonniederlage Mitte Oktober bei der BSG Ludwigsburg (86:93) führte. Die anderen Regionalligaspiele wurden souverän gewonnen bis die Reise zum MTV Stuttgart folgte. Dort setzte es am vergangenen Samstag eine empfindliche 90:98-Niederlage mit der Erkenntnis, dass man vielleicht doch kein übermächtiges Team hat.

Absolut überragend ist allerdings der Amerikaner Sean Hampton, der mit 31,4 Punkten pro Spiel der mit Abstand führende Topscorer der Liga ist und am zweiten Spieltag mit 47 Punkten beim SSC Karlsruhe auch den Saisonrekord aufgestellt hat. Allein um diesen Ausnahmeathleten, der problemlos in der zweiten Liga spielen könnte, bewundern zu können, würde sich ein Besuch der Sporthalle Stadtmitte morgen lohnen. Oder für die Besichtigung des größten Spielers der Liga: Oliver Narr ist 2,22 Meter groß, hat Erstliga-Erfahrung und lässt seine Karriere aus beruflichen Gründen bereits im jugendlichen Alter von 28 Jahren im Schwarzwald ausklingen. Drei Ex-Rottenburger, der Dreierspezialist Dusan Cvetkovic, die Reboundmaschine Matthias Buckenmaier und Aufbauspieler Konstaninos Kazakidis konnten aus der "Konkursmasse" des TVR geholt werden. Hinzu kommen Samba Thiam aus Oberelchingen, Aufbauspieler Russos Makris aus Reutlingen und Center Jean Oscar Didier Matongo aus Kamerun beziehungsweise vom USC Freiburg. Man sieht: Vom Oberligameister ist nicht mehr viel übrig. Schwenningens Coach Velcic hat sein Team noch stärker umgekrempelt als das Theo Leftakis in Kirchheim tat.

Der hatte die vergangenen zwei Wochen gut zu tun, dem Team die Enttäuschung über die Heimniederlage gegen Stuttgart zu nehmen und den Spielern klarzumachen, wie stark sie eigentlich sind, wenn sie als Team funktionieren. Die drei knappen Niederlagen gegen Rastatt, Karlsruhe und Stuttgart zeigten letztlich, dass der VfL zwar durchaus zur Elite gehört, es im entscheidenden Moment aber schlechter umsetzen kann als die Konkurrenz an der Spitze.

Selbstverständlich beobachtete Leftakis auch das Spitzenspiel in Stuttgart am vergangenen Samstag, und man kann davon ausgehen, dass sich der Trainerfuchs nicht nur für Sean Hampton ein besonderes Gegenmittel erdacht hat. Das beste Gegenmittel aber wird der bedingungslose Wille sein, den Hebel umzulegen und endlich das zu zeigen, was in der Mannschaft steckt. Und den Zuschauern es werden wieder über 800 erwartet den zweiten Heimsieg zu präsentieren.

mad