Lokalsport

Das Ende eines turbulenten Jahres

VfL-Fußballer sehnen die Winterpause herbei – Entscheidung über Durlach-Spiel am Montag

Nach dem witterungsbedingten Ausfall der gestrigen Partie gegen Illertissen ist für die Fußballer des VfL Kirchheim die Vorrunde beendet – sofern das Nachholspiel gegen Durlach am kommenden Samstag verschoben wird. Auch wenn auf dem Platz also voraussichtlich kein Kräftemessen mehr stattfinden wird, zur Ruhe kommt der abstiegsbedrohte Oberligist deshalb (noch) nicht. An vielen Fronten herrscht Gesprächsbedarf.

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Peter Eidemüller

Kirchheim. Eine besinnliche Adventszeit stellt man sich eigentlich anders vor: Kurz vor dem Fest der Liebe riecht‘s an der Jesinger Allee nicht nach Weihrauch und Myhrre, sondern eher verqualmt. Ex-Kapitän Mario Grimm hat mit seinem wortreichen Rücktritt vorvergangener Woche ordentlich gezündelt unterm VfL-Weihnachtsbaum. Die Formulierung von „tiefen Gräben“ innerhalb der Mannschaft, die „kein Team mehr“ sei, setzten mitten in die sportliche Konsolidierungsphase der krisengeschüttelten Teckstädter eine Lunte in Brand. Trainer Rolf Baumann glaubt diese rund eine Woche nach Grimms Abgang jedoch wieder gelöscht. „Ich habe den Spielern angeboten, als Schlichter zu fungieren, wenn sie das Gefühl haben, dass etwas zu klären sei.“ Bislang habe sich bei ihm allerdings noch keiner gemeldet, was Baumann darin bestätigt, dass Grimms Kritik („In der Mannschaft fehlen Charaktäre“) unberechtigt gewesen sei. „Die Mannschaft hat in den letzten Spielen gezeigt, dass sie eine Einheit ist.“ Nichtsdestotrotz wird die Angelegenheit laut Baumann „nicht einfach so ad acta gelegt.“ Eine Aufarbeitung soll nach Weihnachten erfolgen.

Grimms Verbalattacken kamen just in dem Moment, da der VfL nach dem katastrophalen Saisonstart erstmals wieder Licht am Ende des Tunnels gesehen hatte: Neun Punkte aus den sieben Spielen seit Baumanns Amtsantritt sind zwar objektiv betrachtet kein Spitzenwert. Gemessen an der Bilanz, die der VfL davor aufzuweisen hatte (vier Punkte aus zehn Spielen), kann man in Baumanns Verpflichtung jedoch getrost so etwas wie einen Wendepunkt festmachen. „Wir werden von Spiel zu Spiel stärker und sind auf einem richtig guten Weg“, stellt der Trainer fest.

Dass die Mannschaft dabei allerdings noch lange nicht aus dem Gröbsten raus ist, verdeutlicht die Tabellensituation: Der VfL steht als Vorletzter nach wie vor auf einem Abstiegsplatz. Zwar beträgt der Abstand zum rettenden Ufer derzeit „nur“ zwei Punkte. Doch wird bis Saisonende die bange Frage bleiben, wo das rettende Ufer beginnt: Bekanntlich steigen drei Teams sicher ab, dazu könnten im schlimmsten Fall noch drei hinzukommen, sollten entsprechend viele Clubs aus der Regionalliga absteigen.

So oder so steht dem VfL eine knüppelharte Rückrunde bevor. Wann diese für die Teckstädter beginnen wird, steht momentan noch in den Sternen. Dass die „Blauen“ bereits vor dem ersten offiziellen Spiel am 28. Februar bei Normannia Gmünd ran müssen, ist so gut wie sicher. „Eine der beiden Nachholpartien wird wohl auf den 21. Februar gelegt“, ist sich VfL-Geschäftsführer Walter Rau sicher – aber wieso eigentlich zwei Nachholpartien?

Die Verantwortlichen setzen derzeit alles daran, dass neben dem Illertissen-Spiel auch die auf Samstag in einer Woche terminierte Partie gegen Durlach ins neue Jahr verlegt wird. „Wir sind mit den Durlachern in Kontakt“, so Rau, „denen wäre eine Neuansetzung auch lieber.“ Die Entscheidung trifft der WFV, der den 20. Dezember jedoch am Staffeltag im Einvernehmen mit allen Vereinen als Nachholspieltag festgelegt hatte.

Da der VfL das Match hauptsächlich deshalb verschieben will, weil einige Spieler zu dem Zeitpunkt schon im Weihnachtsurlaub sind, macht deshalb stutzig: Warum lässt man beispielsweise einen Christopher Eisenhardt nach Ägypten fliegen, wenn man weiß, dass noch ein Nachholspiel steigen könnte? Auch Maximilian Laible, Nebih Kadrija, Benny Dihl und Mathias Koch stünden urlaubsbedingt am nächsten Wochenende nicht zur Verfügung. „Wir bewegen uns auf dem schmalen Grat zwischen Amateur- und Profibereich“, versucht Walter Rau zu erklären. „Da kann so etwas schon mal vorkommen. Bei den Durlachern wären übrigens auch einige wegen Urlaubs nicht da.“

Mag sein, aber wenn man beim VfL noch die zahlreichen Verletzten (Patrick Gühring, Philipp Schraivogel, Uwe Beran, Emrah Polat, Coskun Isci, Vergoulakis Karapantzos und aktuell auch Nicola Spina) vom Spielbogen streicht, müsste gegen Durlach Coach Baumann fast schon selbst die Kickstiefel schnüren. „Wir haben den WFV gedrängt, bis Montag eine Entscheidung zu fällen, ob gespielt wird oder nicht“, sagt Rau. Wenn nicht, würden die Verbandsfunktionäre wohl auch alle anderen an diesem Wochenende terminierten Paarungen (immerhin sechs Stück) absagen.

Stichwort Absage: Selbige wird der Verein aller Voraussicht nach einem Spieler definitiv im Hinblick auf ein weiteres Engagement geben: Vergoulakis Karapantzos wird den VfL wohl zur Winterpause verlassen müssen. Seit seinem von großen Hoffnungen begleiteten Wechsel vom FC Pforzheim Anfang September kam der 21-jährige Stürmer nur zwei Mal zum Einsatz. Auch wenn Karpantzos daran wegen permanenter Verletzungen nicht selbst Schuld ist, stehen die Zeichen auf Trennung. „Wir sind mit dem Gesamtprodukt nicht zufrieden“, so Walter Rau, der neben weiteren Wackelkandidaten auch Neuzugänge im Visier hat – Namen? Fehlanzeige: „Wir wollen natürlich nicht, dass die entsprechenden Spieler das aus der Zeitung erfahren“, schmunzelt der Geschäftsführer.

In der Tat scheint an der Jesinger Allee für diese Saison bereits genug schmutzige Wäsche öffentlich gewaschen worden zu sein. Selten hat die Fußballabteilung eine solch turbulente erste Saisonhälfte, ja sogar ein ganzes Jahr erlebt: Mit Ach und Krach schafft das Team im Sommer am letzten Spieltag den Klassenerhalt. Trotzdem wird dem von vielen in der Mannschaft favorisierten Trainer Christian Hofberger der Stuhl vor die Tür gesetzt. Dessen heillos überforderten Nachfolger Dietmar Sehrig entlassen die Verantwortlichen nach dem schlechtesten Kirchheimer Saisonstart aller Zeiten, nur um danach von Mister Hoffnungsträger persönlich aufs Eis geführt zu werden: Trainer-Guru Hansi Kleitsch verlässt den VfL nach nur 22 Tagen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion Richtung Eintracht Frankfurt. Dazu kommen noch die Rücktritte solcher Identifikationsfiguren wie Sportleiter Norbert Krumm und Mario Grimm sowie das beim VfL offenbar obligatorische Verletzungspech, das die halbe Mannschaft befällt – höchste Eisenbahn also, dass an der Jesinger Allee wieder ein wenig Besinnlichkeit einkehrt.

Wie passend, dass da heute Abend im Wachthaus die Mannschafts-Weihnachtsfeier auf dem Programm steht. Selbige ist ab 20 Uhr übrigens für jedermann zugänglich. Ganz ohne Öffentlichkeit geht‘s dann wohl doch nicht.