Lokalsport

Das Herz in beiden Händen

SG Lenningen holt nach mitreißendem Kampf einen Punkt in Laupheim

In der Höhle des Löwen haben Lenningens Landesliga-Handballer einen verdienten Punkt geholt. Die SG und Württembergliga-Absteiger Rot-Weiß Laupheim trennten sich am Samstag mit 27:27.

Laupheim. Dabei war die Ausgangslage der Kiedaisch-Sieben denkbar schlecht. Neben den bekannten Ausfällen von Sven Lamparter, Christoph Wiesinger und Jochen Leitner trafen weitere Hiobsbotschaften am Freitagabend ein: Jens Kirschmann (Mittelhandbruch im Training) und Oliver Ringelspacher (Grippe) vergrößerten die Sorgen von Trainer Holger Kiedaisch. Was dann die „SG-Notgemeinschaft“, die mit Jürgen Schwohl und Jo Wiesinger aus der zweiten Mannschaft ergänzt wurde, zeigte, war beeindruckend. Seinen Spielern hatte Kiedaisch eingetrichtert: „Gegen Laupheim müsst ihr von der ersten bis zur letzten Minute fighten“. Der SG-Coach, in seinen Aussagen sonst eher ein zurückhaltender Typ, war nach dem Spiel begeistert: „Wir haben in dieser Hölle den Laupheimern Paroli geboten und hätten mit etwas mehr Cleverness in der Schlussphase auch zwei Punkte mitnehmen können“.

Dabei sah es in der Anfangsphase nicht so aus. Tim Rodloff und Jochen Striebel heizten der SG mächtig ein. Bereits nach acht Minuten lag Rot-Weiß 6:2 vorne. Die Gästeangreifer hatten schnell die SG-Schwachstellen auf den Außenpositionen geortet. Und Lenningen? Da boten sich im Gegenzug ebenfalls gute Einwurfmöglichkeiten, bei Ex-Bundesligakeeper Helge Stührmann war allerdings meist Endstation. Doch die SG kämpfte sich ins Spiel zurück. Ricki Austen stellte erneut seine Torjägerqualitäten unter Beweis. Die Leistungssteigerung ging jedoch von der Abwehr aus. Ab Mitte der ersten Hälfte arbeitete die 3-2-1 Defensive besser. Als Jochen Renz per Strafwurf auf 8:9/20. verkürzte und Timo Haid auf Rechtsaußen das 10:10/23. markierte, war man wieder auf Augenhöhe mit den Gastgebern.

Dass dies nicht lange so blieb, verdankten die Oberschwaben der individuellen Klasse eines Michael Beschoner und Tim Rodloff. Diese nutzten „Schlupflöcher“ in der Lenninger Abwehr und warfen den 13:11-Halbzeitstand heraus. Ums Selbstvertrauen ging es Kiedaisch bei seiner Halbzeitansprache: Er appellierte an seine Mannschaft, nicht zu früh den Abschluss zu suchen und machte seinen Jungs Mut: „Ihr packt es.“ Doch die Startphase war eine Doublette der ersten Halbzeit. Zwei, drei Unaufmerksamkeiten wurden von den cleveren Hausherren gnadenlos ausgenutzt. Die bangen Blicke der kleinen SG-Fanschar auf die Anzeigetafel verhießen nichts Gutes. Rot-Weiß siebzehn, SG zwölf Tore.

Im Höllenlärm der Rottumhalle verlor Lenningen kurzzeitig die Kontrolle. Aber Not schweißt zusammen. Kiedaisch hielt es nicht mehr auf der Bank. Immer öfter bat er seine Spieler an die Außenlinie und gab Anweisungen. Jochen Renz hielt seine Abwehr wieder besser zusammen. Die jungen Timo Haid und Marc Wald spielten spektakulär und konnten nur noch mit Fouls gestoppt werden. Und Ricki Austen, der nicht nur von der Strafwurflinie glänzte, lief zu großer Form auf. Der jüngste im Team, Markus Schur, spielte einen perfekten Abwehrpart.

Über ein 18:20/45. tastete sich die SG zum 23:23/48. heran. Jetzt wackelten die Rot-Weißen. Lenningen, mit Tempo und Spielwitz, setzte Laupheim mächtig zu. Daniel Born steigerte sich, hielt einen Strafwurf und vorne ging die Post ab. Jan Lamparter legte seine Torblockade ab. Das Spiel wurde in der Schlussphase hektischer. Die Zeitstrafen, vor allem gegen die Gastgeber, häuften sich. Als dann Volker Schwohl zum 26:23/54. einwarf, stellte Lutz Freybott auf eine offensive Abwehr um. Da fehlte jetzt der SG die Routine. Beide Trainer nahmen noch Auszeiten. In der aufgeheizten Atmosphäre holte Laupheim auf, lag zwei Minuten vor dem Schlusspfiff 26:27 hinten und profitierte dann von der Hinausstellung Hagen Braunwarths. Roland Kroll nutzte das Überzahlspiel zum 27:27 Endstand.

Lobende Worte fand Co-Trainer Markus Schlenk: „In der kritischen Phase zwischen der 31. und 42. Minute gingen die Köpfe nicht nach unten, da haben die Jungs eine tolle Moral bewiesen.“ döl

RW Laupheim: H. Stührmann, S. Stührmann; Rodloff (10/2), Beschoner (6), Kroll (5), Striebel (3), Zodel (2), Amann (1), Hafner, Held, Kloss, Krebs, Werner.

SG Lenningen: Born, Attinger; Austen (12/6), Lamparter (4), Haid (3), Kazmaier (2), Renz (2/1), Wald (2), Braunwarth (1), Schwohl (1), Schur, J. Wiesinger.

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