Lokalsport

"Das ist ein Skandal"

Verwirrspiel um einen Torwart: Nachdem Jürgen Rechner vor Ende der Wechselfrist am 31. August vom VfL Kirchheim zur SGEH gewechselt war (wir berichteten), herrschte bei den Verantwortlichen an der Jesinger Allee große Verblüffung, denn: Dem Verbandsligisten lag keine Abmeldung Rechners vor. Dennoch war der Wechsel ordnungsgemäß, wie der WFV nun bestätigte.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Vom Wechsel des etatmäßigen dritten Goalies Jürgen Rechner erfuhr man beim VfL Kirchheim erst vor acht Tagen aus dem Teckboten. Auf Anfrage bei der Passstelle des Württembergischen Fußballverbandes (WFV) wurde VfL-Geschäftsführer Walter Rau mitgeteilt, dass Rechner die Spielerlaubnis für den Bezirksliga-Absteiger erhalten habe gemäß den Bestimmungen der Spielordnung auf Antrag der SGEH vom 23. August. Da lag der Spielerpass noch beim VfL.

"Das ist ein Skandal", wettert der sportliche Leiter der Kirchheimer, Norbert Krumm, der sich vom Verband vor vollendete Tatsachen gestellt sieht. "Es kann doch nicht sein, dass der WFV Spieler freigibt, ohne den Verein darüber in Kenntnis zu setzen und ohne dass dem Verein eine Abmeldung vorliegt." Mit Schreiben vom 25. August teilte die WFV-Passstelle dem VfL mit, dass dem Antrag auf Vereinswechsel stattgegeben wurde und der Spielerpass Rechners ab diesem Zeitpunkt ungültig war und zurückgeschickt werden sollte zwei Tage vor Saisonstart in den Amateurligen. Dieses Schreiben erreichte die Geschäftsstelle des VfL erst am Montag darauf, nachdem Rechner bereits für die SGEH (mit Erfolg) zwischen den Pfosten gestanden hatte. Beim 1:0-Sieg gegen den TSV Grafenberg am ersten Spieltag spielte der 34-Jährige mit Personalausweis. Auch am zweiten Kreisliga- A-Spieltag vergangenen Donnerstag (2:0-Sieg der SGEH gegen den AC Catania) wähnten die VfL-Bosse Rechner noch in ihren Reihen: "Jürgen war noch für uns spielberechtigt, als er bereits für die SGEH im Tor stand", vermutet Norbert Krumm.

Die Frage, die die Verantwortlichen beim VfL in den vergangenen Tagen demnach um den Schlaf brachte war die, ob ein Spieler ohne sich abzumelden tatsächlich zu einem anderen Verein wechseln darf. Die Antwort lautet erstaunlicherweise ja: Der Leiter der WFV-Passstelle, Otto Beißwenger, erklärte gestern auf Anfrage des Teckboten: "Die Spielordnung schreibt eine Abmeldung nicht zwingend vor. Sobald ein Antrag auf Spielerlaubnis vorliegt, wird dem sofort stattgegeben." Voraussetzung: Der Spieler war bei seinem alten Club Amateur und wird bei seinem neuen Verein zum Vertragsspieler. "Der Pass beim alten Verein wird in dem Moment ungültig, in dem der Spieler den Vertrag beim neuen Verein unterschreibt", so Beißwenger. Eine unrechtmäßige doppelte Spielerlaubnis für VfL und SGEH, wie es Norbert Krumm vermutet, lag also gemäß der Statuten nicht vor.

Diese seien laut Beißwenger jedoch nicht auf den Mist des WFV gewachsen, sondern entsprächen denen des DFB. "Dass dadurch Unmut bei den Vereinen entsteht, ist nunmal nicht zu ändern", so der WFV-Funktionär, der sich auf den entsprechenden Paragraphen in der Spielordnung (Ý 23, Absatz 3) beruft zum Leidwesen des VfL, der sich überrumpelt fühlt. "Müssen wir jetzt alle Spieler zu Vertragsspielern machen, damit so etwas nicht mehr passiert?" echauffiert sich Norbert Krumm. "Wo bleibt denn da die Planungssicherheit?"

Rückendeckung bekommt er ausgerechnet vom vermeintlichen Widerpart in dieser Angelegenheit, dem Abteilungsleiter der SGEH, Frank Zintgraf: "Ich bin mit diesem Modus auch nicht einverstanden", sagt dieser, "im vergangenen Jahr hatten wir den gleichen Fall mit einem Spieler, der von uns als Amateur zu einem Konkurrenten wechselte und dort Vertragsspieler wurde." Um auf Nummer sicher zu gehen, hat sich Zintgraf bereits mehrmals beim WFV nach der Rechtmäßigkeit der Wechselmodalitäten erkundigt auch deshalb, weil bereits erste Gerüchte durch die Fußball-Szene waberten, der SGEH könnten aufgrund eines unrechtmäßigen Einsatzes von Rechner Punkte aberkannt werden. Ergebnis: "Wir haben keinen Fehler gemacht, Jürgen ist seit 23. August für uns spielberechtigt", so Zintgraf.

Was bleibt, sind die (Fußball-)Welt nicht mehr verstehende VfL-Funktionäre, die sich ein zweites Mal innerhalb von zwei Jahren vom Verband verschaukelt fühlen: Beim ersten Punktspiel der Saison 2004/05 fehlte die Unterschrift auf dem Pass des Spielers Guido Fuchs. Folge: Dem VfL wurden drei Punkte abgezogen und eine Geldstrafe aufgebrummt.