Lokalsport

Das Rentschler-Team muss in die Relegation

Der Kelch ist am VfL Kirchheim nicht vorübergegangen: Nach dem 1:4 (0:1) gegen Olympia Laupheim müssen die Verbandsligakicker erstmals in ihrer Clubgeschichte in der Relegation um den Klassenverbleib kämpfen.

REIMUND ELBE

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KIRCHHEIM Grund zum Feiern hatten nach den 90 Minuten, die vom fußballerischen Niveau her gar nicht einmal so schlecht waren, weder der Sieger noch der Verlierer. Der Laupheimer Jubel über den Auswärtstriumph hielt sich deshalb in Grenzen, weil trotz des Erfolges an der Jesinger Allee Platz zwei letztlich flöten gegangen war. Zeitgleich bezwang nämlich die TSG Balingen die Sportvereinigung Böblingen 4:0 und sicherte sich somit die Option für den Oberligaaufstieg.

Für den VfL war mit der Niederlage ein neuer sportlicher Tiefpunkt in der jüngeren Vereinsgeschichte erreicht. Dabei machten die Kirchheimer ihren Job vor den rund 300 Zuschauern (zweitbeste Saisonkulisse) gar nicht einmal so schlecht. Gästetrainer Brobeil gestand nach dem Spiel ein, dass "wir durchaus hätten in Rückstand geraten können." Der frühere Coach des SSV Ulm 1846 meinte damit vor allen Dingen zwei Phasen der Partie. Die erste halbe Stunde, "als die Kirchheimer die bessere Mannschaft waren" (Brobeil) sowie die Frühphase der zweiten Halbzeit, als der VfL nicht nur rasch nach dem Wiederanpfiff den Ausgleich schoss, sondern auch weitere gute Offensivaktionen hatte.

Letztlich jedoch setzten sich die Laupheimer im Wesentlichen aus diesen Gründen verdient durch: sie ließen den Ball präziser als der VfL laufen, überwanden häufig mit wenigen, aber ungemein effektiven Spielzügen immer wieder zügig das Mittelfeld und wirkten summa summarum abgeklärter. Und zu guter Letzt bewies Olympia-Übungsleiter Brobeil ein äußerst glückliches Händchen. Zwei der drei nach der Pause eingewechselten Spieler sorgten für die Treffer zum 2:1, 3:1 und 4:1.

In punkto Torchancen standen sich beide Teams während der Spielzeit allerdings kaum nach. Für die Kirchheimer vergaben unter anderem Angreifer Marcel Klon (4./Gästetorwart Kirchenmaier parierte den Schuss) und Emrah Polat gute Gelegenheiten. Letztgenannter VfL-Mittelfeldakteur scheiterte unmittelbar nach dem sehenswerten 1:0 für die Gäste durch Ex-Bundesligaspieler Oliver Unsöld (35./Direktabnahme aus 14 Metern in den Torwinkel) aus wenigen Metern Entfernung.

Den Ausgleich erzielten die Kirchheimer trotzdem: Mit einem Idee- und Flankengeber Polat und einem die präzise Hereingabe sicher verwertenden Mittelfeldkollegen Coskun Isci (47.). Mit diesem 1:1 begannen die nervenaufreibendsten Minuten der Partie. Das Spiel stand auf der Kippe, doch die mit den erfrischend ungehemmt agierenden Verbandsliga-Debütanten Florian Kümmerle und Michael Kutscher (beide 18) angetretenen VfL-Kicker konnten das Blatt nicht mehr wenden. Und das, obwohl über die Anzeigetafel der Zwischenstand aus Balingen mehrfach angezeigt wurde.

Die Laupheimer zogen trotz nahezu aussichtsloser Lage bezüglich des Relegationsplatzes voll durch. Eine lobenswerte sportliche Einstellung der Gäste. Das 2:1, als der ansonsten tadellos haltende Kichheimer Keeper Jürgen Rechner einen "Flatterball" (Rechner) zu kurz abwehrte und der neben dem Torwart lauernde Claus Fischer nur noch den Ball ins leere Gehäuse befördern musste, war der mentale Knockout für den VfL. Die folgenden Treffer hatten nur noch statistische Relevanz.

Der sehr gute Schiedsrichter Franz Köteles (Reutlingen) hatte in der fairen Partie nur eine knifflige Situation zu lösen als Laupheims Unsöld im eigenen Strafraum in der 37. Minute der Ball an die (ausgestreckte) Hand sprang. Es soll in solchen Situationen auch schon Elfmeter gegeben haben, aber dem VfL mit seinem aktuellen Negativlauf war dieses Glück nicht beschieden. Der nach dem 2:0 über Au am 27. Spieltag schon sicher geglaubte Klassenerhalt ist durch drei Niederlagen in Folge in akute Gefahr geraten. Im Stadion in Eislingen kommt es nun zu einem echten Showdown allerdings einen, den unter der Teck keiner gewollt hat . . .

VfL Kirchheim: Rechner Fuchs, Eisenhardt, Rentschler, Kümmerle Isci, Grimm, Kutscher (73. Straub), Polat Morisco (74. Dashi), Klon.FV Olympia Laupheim: Kirchenmaier Huber, Hiller, Unsöld (62. Fischer), Schrötter Bonsignore (70. Rölle), Bachthaler, Kuhn (78. Maier), Sahin Macciha, Regenbogen.Tore: 0:1 Unsöld (35.), 1:1 Isci (47.), 1:2 Fischer (69.), 1:3 Fischer (77.), 1:4 Rölle (90.).Gelbe Karten: Fuchs, Grimm Kuhn, Sahin.Zuschauer: 300 (245 zahlende).Schiedsrichter: Franz Köteles (Reutlingen) pfiff auf hohem Verbandsliganiveau.