Lokalsport

Das Stehaufmännchen ist zurück

Sindelfinger Hallenmeeting markiert Saisonstart für Teck-Leichtathleten

Kirchheims schnellster Sprinter steht in den Startlöchern für das Wettkampfjahr 2015. Obwohl der Fokus von Alex Schaf heuer auf der Freiluftsaison liegt, will der 27-Jährige auch unterm Hallendach Gas geben. Die erste Chance gibt‘s morgen beim hochkarätig besetzten Meeting in Sindelfingen, das auch andere Teck-Athleten als Standortbestimmung nutzen.

Kirchheim. Präzise Prognosen sind sein Ding nicht. Micky Corucle lehnt sich bei der Leistungseinschätzung seiner Schützlinge selten aus dem Fenster. „Konkrete Zeiten wird von mir keiner hören“, lässt sich der Trainer-Guru aus Köngen auch vor dem ersten Wettkampf des neuen Jahres nicht in die Karten schauen, was die Schlagkraft seiner Athleten angeht – zu genau weiß der Deutschrumäne, der vorletzten Montag 53 geworden ist, dass im Sprint oft nur tagesformbedingte Nuancen über Sieg und Niederlage entscheiden und so im Vorfeld gehegte Erwartungen zunichte machen können.

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Umso erstaunlicher, dass Corucle vor dem morgigen Sindelfinger Hallenmeeting für seine Verhältnisse offensiv wird. „Die Form hat sich bei allen sehr gut entwickelt. Ich erwarte viel am Samstag“, sagt er.

Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf einem, der zum wiederholten Male den Spagat zwischen Arbeits- und Trainingsalltag vollziehen muss. Alex Schaf ist der Doppelbelastung zum Trotz optimistisch, 2015 endlich bessere Zeiten zu laufen und zu erleben als in den beiden Vorjahren. Zumal er auf dem ersehnten Weg zurück zum Profisportler, der er seit dem Aus der Spitzensportförderung 2012 nicht mehr ist, einen Teilerfolg verbuchen konnte. Der 27-Jährige steht wieder im B-Kader des DLV, was ihm zuletzt immerhin ein zehntägiges Trainingslager auf Teneriffa ermöglichte.

Entspannung gibt‘s für den Deutschukrainer auch an der Arbeitsfront. Im Rahmen des Berufsförderdiensts der Bundeswehr lässt sich der langjährige Vollzeitsoldat momentan im Sportstudio Nellingen zum Fitnessfachwirt ausbilden. Dass sein dortiger Chef ihn eher mal freistellt als der bei seinem vorherigen Kasernenjob, ist kein Zufall: Martin Kober ist Schafs langjähriger Physiotherapeut und hat gerne einen erfolgreichen Sprinter in der Belegschaft.

Wie erfolgreich es 2015 für ihn wird, steht noch in den Sternen. Schaf will den Fokus auf die Freiluftsaison legen, hat anders als in der Vergangenheit das Training entsprechend umgestellt. Mehr Volumen und mehr Tempo bedeuten weniger Spritzigkeit, die ihm vor der morgen in Sindelfingen beginnenden Indoorsaison noch fehlt – ganz bewusst, denn große Ziele verfolgt er in der Halle nicht. Die Norm für die EM in Prag liegt bei vergleichsweise zahmen 6,66 Sekunden, was angesichts der Vielzahl deutscher Topsprinter zu einem regelrechten Hauen und Stechen um die Tickets führen dürfte. „Die Wettkämpfe in der Halle nehme ich einfach mit“, setzt Schaf sich deshalb nicht unter Druck, „ich will lieber draußen richtig angreifen.“

Dort soll nach drei vergeblichen Anläufen endlich die Bestmarke über 100 Meter fallen. Die datiert aus dem Jahr 2011, steht bei 10,20 Sekunden und würde ihm heuer gute Chancen bringen, im Kampf um die Tickets zur Weltmeisterschaft in Peking Ende August mitzumischen, die es offiziell für 10,16 Sekunden gibt.

Eine Verbesserung des Hausrekords würde auch seine Aussichten auf Wiederaufnahme in die Sportfördergruppe der Bundeswehr steigern, der er verletzungsbedingt drei Jahre vergeblich hinterhergerannt ist. Ob die Doppelbelastung dabei Ursache oder Wirkung seiner verschiedenen Blessuren war, ist offen. Fakt ist, dass Schaf das personifizierte Stehaufmännchen ist, mit dem aller Unwägbarkeiten zum Trotz 2015 wieder gerechnet werden muss.

Auch morgen in Sindelfingen, wo er sich über 60 Meter (Vorläufe ab 10.50 Uhr, Finale ab 12.10 Uhr) mit starken Konkurrenten wie dem Wattenscheider Christian Blum, dem Österreicher Roland Kwitt oder dem Schweizer 100-Meter-Rekordler Alex Wilson messen wird. „Die Zeit ist erst mal egal, ich will Wettkampfluft schnuppern“, sagt Schaf, der trotz aller Konzentration auf die Freiluftsaison an vergangene Leistungen in der Halle anknüpfen will. So wie 2014, als er mit 6,59 Sekunden zweitschnellster Deutscher war, das Ticket zur WM in Polen löste, dort aber wegen einer Grippe nicht antreten konnte. An die Topleistung konnte er draußen dann nicht mehr anknüpfen, im Gegenteil. Verletzungen ließen sämtliche Träume von persönlicher Bestleistung, DM-Meriten und dem angestrebten Ticket zur EM in Zürich platzen – auch deshalb soll dieses Jahr alles besser werden.

Außer Schaf hat Micky Corucle in Sindelfingen noch weitere heiße Eisen im Feuer. Über 60 und 200 Meter ist VfB-Talent Raphael Müller gemeldet, der genau wie seine Trainings- und Vereinskollegin Sabrina Häfele (60/200) von der U 23-EM im Sommer in Estland träumt und im Glaspalast einen ersten kleinen Schritt in diese Richtung machen will. Vor ihrem ersten Auftritt nach dem Wechsel vom VfL Kirchheim zum VfB Stuttgart steht die Owenerin Stefanie Godel, die über 60 Meter antritt.

Nachwuchs kämpft um Titel

Einen Tag nach dem Hallenmeeting finden am Sonntag im Sindelfinger Glaspalast die baden-württembergischen U 18- und U 16-Meisterschaften statt. Mit dabei aus der Teckregion sind Julian Corucle und Selma Zec vom VfL Kirchheim (beide 60 m) sowie Fritz Zanker und Jonas Reineke von der LG Teck (beide Kugelstoßen). Alle vier starten in der U 18-Konkurrenz.tb