Lokalsport

"Das waren wir den Fans schuldig"

Der VfL Kirchheim hat beim bereits feststehenden Aufstiegsrundenteilnehmer KGJ Schwenningen 100:91 gewonnen und weiß nun endgültig, dass in dieser Saison viel mehr möglich gewesen wäre.

SCHWENNINGEN War das ein Basketball-Wunder? Wenn man die Kirchheimer Korbjäger nur oberflächlich kennt, könnte man dies annehmen: Zuvor hatten sie zwei Spiele nacheinander verloren und dadurch alle Hoffnungen auf eine erneute Teilnahme an der Aufstiegsrunde zerstört. Zudem hatten sie noch zwei Wochen Spielpause und viele Verletzte, Kranke und beruflich Verhinderte in der vorherigen Trainingswoche.

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Doch unverhofft kommt oft: Der VfL zeigte etwas, das vor dem Gastspiel in Schwenningen schon verloren gegangen schien: Das Herz eines Champions. Etwa 50 Kirchheimer, 32 davon im Weissinger-Fanbus angereist, hatten das wohl geahnt. Mit Trommeln, Tröten und einem Megafon beherrschten sie die Schwenninger Zuschauer, deren Zahl nach Angaben des Heimvereins etwa 700 betragen haben soll. Nach Angaben der anwesenden Kirchheimer sollen es jedoch nur etwa 350 gewesen sein.

Sie sahen ein denkwürdiges Spiel voller Hektik, Intensität, wechselnden Führungen und einer Schlussphase, die keiner vergessen wird, der dabei war. Mit dem Kirchheimer Sieg gingen auch zwei Schwenninger Serien zu Ende: Seit der Oberliga-Saison 2002/2003 hatte die KGJ nicht mehr zu Hause verloren, in der Regionalliga war die Siegesserie auf neun angewachsen, seit der VfL am 27. November 88:75 gewonnen hatte.

Die Schwarzwälder starteten besser, doch die 7:0-Führung egalisierten Lukic, Kranz und Jorgusen. Der VfL schaffte ein 23:17, bevor Schwenningen mit einem 10:0-Lauf das Viertel beendete (27:23). Die zweiten zehn Minuten waren total ausgeglichen. Beim 49:48 wurden die Seiten gewechselt, es fiel auf, dass die beiden Kirchheimer Topscorer Jorgusen und Kranz schon einige Zeit auf der Bank saßen und zusammen gerade mal 13 Punkte erzielt haben.

Am Ende des dritten Viertels schien sich der designierte Meister abzusetzen. Nach dem 63:63 (27.) stand es sieben Minuten später 79:69 (34.), als Theo Leftakis seine alte Geheimwaffe auspackte: Halbfeld-Zonenpresse. Die Mannschaft von KGJ-Co-Trainer Abdel Naggay (Coach Alen Velcic war noch gesperrt) verlor vier Bälle nacheinander. Nach einer Auszeit wurde das zwar besser, aber die KGJ-Spieler agierten zu vorsichtig und kamen bei jedem Angriff in Zeitnot. Der VfL legte einen 15:0-Lauf zum 84:79 (38.) hin, die Schwenninger wollte mit taktischen Fuols nur noch die Uhr stoppen. Doch der VfL traf zwölf seiner 14 Versuche in den letzten zwei Minuten, Marco Stifel holte unzählige Offensivrebounds, Jorgusen und Kranz waren nicht mehr zu stoppen (zusammen 27 Punkte im vierten Viertel). Den Gastgebern fiel in der Offensive wenig mehr ein, als sich auf Liga-Topscorer Sean Hampton zu verlassen, der aber viel zu selten traf all das zusammen ergab den sensationellen 100:91-Sieg der Kirchheimer. "Wir haben unser Gesicht gewahrt, das waren wir den Fans einfach schuldig. Die haben so ein Theater gemacht", so VfL-Coach Theo Leftakis nach dem Spiel.

madKGJ Schwenningen:

Buckenmaier (13), Kazakidis, Buljan, Thiam (13/1), Como, Piovano, Matongo (3), Johnson (21), Makris (6/2), Hampton (31/4), Cvetkovic (4), Spöcker.

VfL Kirchheim:

Bruck, Goehrke (8), Hayden (14/1), Jorgusen (23/2), Kikic, Kranz (28/2), Lenger (9), Lukic (11/1), Stifel (5), Tsouknidis (2).Dreier:

7 (KGJ), 6 (VfL).Freiwürfe:

20:38/52,6 Prozent (KGJ), 30:39/76,9 Prozent (VfL).Fouls:

30 (KGJ), 29 (VfL).Viertel:

27:23, 22:25, 22:17, 20:35.Schiedsrichter:

Bernd Neumann (Weil im Schönbuch) und Björn Knapp (Möhringen).Zuschauer:

700 (laut KGJ).