Lokalsport

Das "Wunder von Bern" trug auch auf dem Bühl Früchte

Der TV Unterlenningen blickt auf 50 Jahre Fußball zurück. Vom 10. bis 12. Juni wird dieses Jubiläum mit einem vielfältigen Fußballprogramm auf der Sportanlage Bühl gefeiert. Mit dem Wiedereinstieg ins aktive Spielgeschehen ab der kommenden Saison macht sich die Abteilung selbst das schönste Geschenk.

HELGA SAUTER

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LENNINGEN Es war die Zeit, als viele Heimatvertriebene im Lenninger Tal ein neues Zuhause gefunden haben und auch neue Impulse setzten. Es war auch die Zeit, als es noch keine Fernseher in den Wohnzimmern gab und man die kurz bemessene Freizeit an der frischen Luft mit allerhand sportlichen Aktivitäten verbrachte. Es war die Zeit, als sich Josef Scheiring und einige fußballbegeisterte junge Männer mit der Gründung einer Fußballabteilung im Turnverein Unterlenningen befasste.

Am 27. April 1955 war es so weit. Auch inspiriert vom "Wunder vom Bern" ließen es sich 157 Mitglieder (von damals insgesamt 230 Mitglieder) nicht nehmen, in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Gründung einer Fußballabteilung zuzustimmen. Es war ein illustres Völkchen elf Spieler/Betreuer kamen aus Budapest und Umgebung, einer aus Bayern, einer aus dem Böhmerwald und sage und schreibe ein Spieler aus dem Schwabenland.

Gepflegte Rasenspielfelder waren damals noch ein Fremdwort. Man spielte auf Flächen, die eher den Charakter eines Ackers als den eines Rasens hatten. Auch wohltemperierte Duschräume und moderne Duschen gab es noch nicht. Um ans kühle Nass zu kommen, mussten manchmal mehrere Kilometer bewältigt werden. Diese Unwägbarkeiten schmälerten die Lust am Spiel jedoch nicht. Bereits in der ersten Spielsaison 1955/56 wurde die Mannschaft Meister der C-Klasse und erreichte den Aufstieg in die B-Klasse. Weil es so schön war, errang man 1956 auch noch den Bezirkspokal.

Die folgenden Jahre brachten Höhen und Tiefen. Den größten sportlichen Erfolg gab es im Spieljahr 1959/60, als die erste Mannschaft in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Sportfreunden Dettingen um den Aufstieg zur A-Klasse kämpfte. Die Entscheidung fiel im letzten Rundenspiel auf dem Bühl im direkten Duell. 500 Zuschauer sahen ein emotionsgeladenes Spiel, das an Dramatik kaum zu überbieten war. Letztendlich verloren die Gastgeber mit 2:3 und der Traum von der höheren Spielklasse war geplatzt.

Josef Scheiring legte 1962 die Abteilungsleitung in die Hände von Franz Gere, der schon seit 1957 als Spielertrainer fungierte und sich auch um die Nachwuchsförderung kümmerte. Bereits 1960 konnten Jugendspieler aus den eigenen Reihen in die erste Mannschaft eingebaut werden. Von 1965 bis 1979 übte Rudi Neubauer die Funktion der Abteilungsleitung aus. Unter seiner Leitung beendete man von 1973 bis 1976 vier Mal als Vizemeister die Saison. Während seiner Ära wurde auch der Ausbau des Rasenspielfeldes zum Fußballspielfeld bewerkstelligt. Der Motor für diese Aktion war der damalige Vorsitzende Gerhard Schleicher.

Ende der Siebziger Jahre zeichnete sich ein Umbruch ab. Es fehlte an Nachwuchs aus der eigenen Jugend. Dieser Trend setzte sich in den Anfängen der Achtziger Jahre fort. Die Jugendlichen wollten sich nicht mehr so an den Verein binden und führten zur Schwächung der aktiven Mannschaften. Den Ausweg suchte man über Spielgemeinschaften. Mit den Nachbarvereinen TSV Oberlenningen, TV Gutenberg wurden Regelungen getroffen, die den weiteren Spiel- und Trainingsablauf der Jugendmannschaften beinhalteten. Zu dieser Zeit war keiner der Vereine in der Lage, selbstständig in den verschiedenen Altersklassen Jugendmannschaften zu stellen.

Im Jahre 1995 konnten die ersten Erfolge der Jugendarbeit geerntet werden. F-Jugend-, E-Jugend-, SG D-Jugend-, SG B-Jugend-Mannschaften wurden ins Rennen geschickt. Abteilungsleiter Manfred Traumüller (1982 bis 92 sowie 1995 bis 99) war auf Grund des fehlenden Nachwuchses gezwungen, den aktiven Spielbetrieb mit auswärtigen Spielern aufrecht zu erhalten. Mit einem letzten großen Erfolg wartete die erste Mannschaft in der Saison 1997/98 auf, als sie mit dem Gewinn der Meisterschaft der Kreisliga B den Aufstieg in die A-Klasse schaffte. Solche Höhenflüge tun nicht jedem gut. Das Auseinanderbröckeln begann bereits in der darauffolgenden Saison. Die Erfolge blieben aus, man musste in die Relegation. Der Abstieg konnte abgewendet werden, aber die Mannschaft brach auseinander. Der aktive Bereich musste vom Spielbetrieb abgemeldet werden.

Die Jugend bestimmte fortan das Fußballbild beim TV Unterlenningen. Dem Vorsitzenden Manfred Eichhorn war es wichtig, den jungen Talenten eine Perspektive zu geben. Priorität hatte die baldige Gründung einer aktiven Mannschaft. Otto Albas, ab dem Jahr 2000 Abteilungs- und Jugendleiter, hat sich dieses Ziel auf die Fahne geheftet. Unterstützt wird er dabei von einem versierten Trainer- und Betreuerstab.

Im Jahre 1974 wurde die Sparte Fußball-Senioren (ab 30 Jahre) gegründet. Initiator war Franz Gere. Mit einigen Stammspielern der ersten Mannschaft des Jahres 1960 wurde eine der leistungsfähigsten Mannschaften des Bezirkes aufgebaut. Dieses Herzstück wurde im Laufe der Jahre durch ausscheidende Spieler ergänzt, sodass ab 1981 auch eine AH-Mannschaft (ab 39 Jahre) am Spielbetrieb in der Halle teilnehmen konnte. Im Jahr 1989 gab Franz Gere die Leitung der Sparte Seniorenfußball ab. Diesen Schnitt nahm er auch zum Anlass, seine Fußballstiefel an den Nagel zu hängen. Gerd Schmid übernahm fortan die Geschicke und die Führung der "Oldies". Ab Mitte der 90er-Jahre bekamen die Fußball-Senioren Nachwuchs an jüngeren und reaktivierten Spielern. Mit Sieghardt Dieterich übernahm im Jahre 2003 ein Unterlenninger die Gesamtleitung der Seniorengruppe.

Ab der neuen Saison wird eine aktive Mannschaft in der Kreisliga B wieder am aktiven Fußballgeschehen eingreifen.