Lokalsport

Dauerkarte verliehen – doppelt belohnt

Der neue, äußerst umstrittene Spielplan sorgte dafür: Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart spielte gestern erstmals an einem Sonntag um 15.30 Uhr in der Mercedes-Benz-Arena – fast zeitgleich mit den Partien in den „unteren“ Amateurligen. Dies führte auf den Sportplätzen in der Region zu bemerkenswerten Situationen.

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REIMUND ELBE

Kirchheim. Zur Halbzeitpause war gestern für einige Fußballer der Holzmadener Reserve bereits Schichtende. Die Kicker zogen sich um und machten sich alsbald auf den Weg nach Stuttgart. „Bei uns haben einige Spieler VfB-Dauerkarten“, erklärt Holzmadens Trainer Helmut Hartmann, „die haben sich die Jungs für teures Geld gekauft. Da kann ich es ihnen nicht verwehren, wenn sie ins Stadion wollen.“ Zumindest war die erste Mannschaft des TSVH nicht direkt betroffen. „Allerdings wären zu unserem Derby gegen Nabern sicherlich noch einige Zuschauer mehr gekommen, hätte der VfB nicht zeitgleich gespielt“, unterstrich Hartmann mit Blick auf die magere Kulisse von knapp 100 Besuchern.

Auch beim Bezirksliga-Knaller zwischen dem TSV Weilheim und der SGEH (2:1) fehlten auf den Zuschauerrängen einige bekannte Gesichter. „Die neu eingeführte Anstoßzeit um 15.30 Uhr sonntags ist und bleibt ein Ärgernis für uns Amateurclubs“, nimmt Weilheims Pressewart Stefan Hein kein Blatt vor den Mund, „ich weiß von einigen Weilheimern, dass sie ins Stadion gegangen sind, oder sich die Partie gegen Werder Bremen in einer Kneipe angeschaut haben“. Immerhin betrug die Kulisse beim Duell TSVW gegen die SGEH trotzdem rund 250 Zuschauer.

Bei den SF Dettingen zeigte sich Pressewart Marc Geissler im Vorfeld der Bundesligapartie des VfB gegen Bremen spendabel. „Ich habe meine Dauerkarte an einen Kollegen weitergegeben“, so der VfB-Anhänger, „und habe mich bewusst für das Spiel unserer Mannschaft entschieden.“ Geissler blieb nicht nur das 0:2 des VfB gegen die immer stärker werdenden Bremer erspart, sondern sah gleich zwei Siege Dettinger Mannschaften und wurde quasi für die noble Geste doppelt belohnt. Das Kreisliga-A-Team besiegte den TV Neidlingen 3:0, zuvor hatten die SFD II gegen die SGEH II 2:1 gewonnen. Bundesliga sonntagnachmittags: Das Thema wird bei Vereinen weiterhin die Gemüter erhitzen.

Die Gemüter erhitzt hatte auf lokaler Ebene auch ein Eklat beim diesjährigen Teckbotenpokal-Turnier in Jesingen. Der TSV Notzingen trat damals mit Billigung ihres Trainers Vilson Bibaj („ich kann meiner Mannschaft keine drei Spiele am Tag zumuten“) am Sonntagmorgen nicht zur neu angesetzten Viertelfinalpartie gegen den TV Neidlingen an. Das Match war am Vorabend wegen eines nach wolkenbruchartigem Regen überschwemmten Sportplatzes abgebrochen worden. Nun hat das Sportgericht des Bezirks Neckar/Fils das Urteil gefällt. Wegen schuldhaftem Nichtantreten zu einem Turnierspiel verhängte das Gericht eine Geldstrafe von 150 Euro, zudem muss der TSVN die Verfahrenskosten in Höhe von 15 Euro tragen. „Das Verhalten der Notzinger ist nicht einmal ansatzweise hinzunehmen“, heißt es in der Begründung des Ur­teils. „Wir akzeptieren das Urteil“, betont TSVN-Abteilungsleiter Wolfgang Schäfer. Er macht auch aktuell keinen Hehl daraus, dass er sich über das Nichtantreten seiner Mannschaft immer noch gewaltig ärgert. Schäfer: „So etwas wird nicht mehr passieren. Jetzt dürfte jedem klar sein, wie sehr man mit dieser Aktion dem Verein geschadet hat.“ Die Lehrstunde, die der AC Catania den Notzingern gestern beim 6:1 verpasste, dürfte zudem kein Stimmungsaufheller im Eichert sein. Beim AC Catania schraubte Kreisliga-A-Toptorjäger Michele Latte seine Trefferausbeute auf 11.

Beim TSV Ohmden läuft es nach wie vor nicht rund in dieser Saison. 1:2 unterlag das Team von Trainer Martin Schumacher in Oberboihingen, bleibt damit Tabellenvorletzter. „Drei der vier vergangenen Partien haben wir mit einem Tor Unterschied verloren“, hadert Schumacher, „auch in Oberboihingen hatten wir beim Stande von 1:1 die Chance in Führung zu gehen.“ Der Trainer stellt sich hinter sein Team. „Die Junges geben ihr Bestes.“ Nun hofft Schumacher, dass die torgefährlichen Angreifer Nelson Abrantes und Manfred Heiland (beide zuletzt krank) schnell zurückkehren.