Lokalsport

Deja-vu-Erlebnis für VfL

Die beiden Coaches waren sich einig: "Das war ein gutes Spiel." Beide, die im vergangenen Jahr mit ihren Teams die ersten beiden Plätze belegt hatten, zollten dem Gegner nach dem schwäbischen Regionalliga-Derby im Basketball Respekt und lobten die eigenen Spieler.

STUTTGART MTV-Trainer Roger Washington erklärte: "Mit unseren zwei Großen unter dem Korb war für Kirchheim heute nichts zu holen. Es ging darum, keine einfachen Körbe zuzulassen. Das hat geklappt." VfL-Antipode Theo Leftakis, sonst selbst bei Siegen sehr kritisch, meinte: "Wir haben gut gespielt, ich bin gar nicht so unzufrieden. Aber die anderen spielen eben in drei Meter Höhe."

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Für den VfL war das Spiel in Stuttgart (77:97) ein Deja-vu : Wie im Auftaktspiel der Aufstiegsrunde im vergangenen Mai gegen Ober-Ramstadt, als ein US-Boy namens Ross Mills das Spiel seines Lebens gemacht hatte, zerstörte diesmal Jordan Sabourin mit einer Sahneleistung alle Hoffnungen. Washington: "Alle waren auf Neboh fixiert, und dann macht Sabourin sein bestes Spiel für den MTV." Der MTV machte es aber auch clever, versorgte seinen Center mit vielen guten Anspielen und war überhaupt, gemessen am Zocker-Image der Mannschaft, unwahrscheinlich konzentriert und vor allem diszipliniert. Natürlich durfte Teamstar Al Eliott gelegentlich seine One-man-Show inszenieren, aber insgesamt machte das Team einen so kontrollierten Eindruck wie noch nie.

Der MTV-Coach sah das so: "Wenn bei uns einer trifft, bekommt er auch den Ball, diesmal war es eben Sabourin. Manche können gut spielen, wissen aber nicht, wie man gewinnt."

Wen könnte er damit wohl gemeint haben? Dabei war die Befürchtung der Knights, in der Schlacht um die Abpraller unter dem Korb hoffnungslos unterlegen zu sein, unbegründet. In der Endabrechnung hatte der VfL 38 Rebounds, der MTV nur 33. Schade war allerdings, dass zum Beispiel Bill Goehrke mit seinen fünf Offensiv-Rebounds wenig anfangen konnte, dreimal dabei sogar den Ball sofort wieder verlor. Und dass die Bilanz bei den Punkten der Center mit 38:16 ziemlich exakt den Unterschied auch im Endergebnis widerspiegelt. VfL-Scharfschütze Kai-Uwe Kranz sah ebenfalls die Größenunterschiede als entscheidend an: "In Korbnähe hatten wir einfach keine Chance." Und schob etwas nach, was durchaus als frohe Botschaft für den Kirchheimer Basketball verstanden werden darf: "Mir gefällt es supergut in Kirchheim, der Klub, die Stadt, die Fans, das ganze Drumherum. Deshalb könnte ich mir absolut vorstellen, hier zu bleiben. Dann muss aber unbedingt ein richtig Großer her."

Sein Wort in der Funktionäre Ohr: her mit dem Riesen! Während Kranz übers Bleiben nachdenkt, hat ein weiterer Spieler das Weite gesucht. Michael Weiß, der es nicht von der Bank aufs Spielfeld schaffte, erklärte, nachdem er auch in Stuttgart nur die letzten drei Minuten eingreifen durfte, seinen Abschied. Und das ausgerechnet vor dem Spiel in Schwenningen (5. März), seinem alten Verein. Für dieses Spiel hat Leftakis übrigens wieder eine Prognose parat: "Wenn wir so wie in Stuttgart in Schwenningen spielen, sehe ich eine echte Chance, denen ein Bein zu stellen."

Dafür müssten allerdings die mittlerweile ligaweit bekannten Kirchheimer Blackouts deutlich kürzer ausfallen.

mad