Lokalsport

Den Gegnern ist das Lachen vergangen

Das für ihn erfolgreiche Jahr 2004 krönt Jugend-Tischtennisspieler Heiko Zapf aus Oberlenningen mit der Reise im deutschen Jugend-Team nach Portugal am heutigen Mittwoch. Für den 14-jährigen der Lohn harter Trainingsarbeit und familiären Rückhalts.

PETER EIDEMÜLLER

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LENNINGEN Damals haben noch alle gelacht. Vor vier Jahren, als der zehnjährige Heiko während eines Tischtennis-Camps im kroatischen Zagreb die schwedische Tischtennislegende Jan-Ove Waldner spielen sah und mit den Worten "Eines Tages will ich so spielen wie er", für Gelächter bei den anwesenden Erwachsenen sorgte.

Heute lacht niemand mehr: Der inzwischen vierzehnjährige Oberlenninger ist drauf und dran, seinen Worten Taten folgen zu lassen. Für den TSV Wendlingen steht er als zur Zeit jüngster Spieler der Oberliga Baden-Württemberg an der Platte. An Position fünf im mittleren Paarkreuz spielend sorgt er in der vierthöchsten deutschen Spielklasse für Furore, kam zu Wendlinger Regionalligazeiten in der vergangenen Saison als Ersatzspieler sogar zu sechs Einsätzen.

Darüber hinaus hat er sich in den Ranglisten auf den verschiedenen Tischtennis-Ebenen stetig nach oben gearbeitet. Die stolze Bilanz am Ende des Jahres 2004: Heiko Zapf ist Erster der Bezirksrangliste im Bezirk Esslingen, Zweiter der Schülerrangliste in Baden-Württemberg und ebenfalls Zweiter der Schülerrangliste auf Bundesebene, sprich: Zweitbester Schüler unter 15 Jahren in ganz Deutschland. Als bisherigen Höhepunkt seiner noch jungen Karriere sieht er die Berufung in das deutsche Nationalteam der Schülerjugend und die damit verbundene Reise zu den zwölften Internationalen Meisterschaften nach Faro in Portugal, zu der er heute Abend aufbrechen wird: "Das ist eine große Ehre und ich freue mich schon riesig darauf."

Dabei hätte der kometenhafte Aufstieg des Talents im Juni schon beendet sein können: Während des Trainings war dem Schüler des Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasiums eine Tischtennisplatte senkrecht auf den linken Fuß gefallen. "Gebrochen war nichts, aber eine Menge Venen in meinem Fuß waren geplatzt", erinnert er sich. Folge: Wasser lagerte sich ein, der Fuß schwoll erheblich an ein jähes Ende der Ambitionen für 2004 drohte. "Aber Heiko hat sich durchgebissen", verkündet der Vater nicht ohne Stolz. Über leichtes Lauftraining und regelmäßiges Fahrradfahren kämpfte sich der bekennende Fan des VfB Stuttgart wieder zurück an die Platte.

Im Hintergrund zieht Zapf Senior die Fäden, hält seinem Filius den Rücken frei und hat sogar schon einen Sponsor an Land gezogen. Auch Mutter Petra unterstützt ihn nach Kräften. Vor allem die zahlreichen Autofahrten ins Training, zu Lehrgängen oder auf Turniere sind ohne die Mutter nicht denkbar. "Da kommen im Jahr so runde 15000 Kilometer zusammen", zollt Bernd Zapf seiner Frau Anerkennung.

Neben der Familie sind vor allem Verbandstrainer Volker Ziegler und der ehemalige Vereinstrainer Zoran Barbic, einstens Bundesliga-Spieler beim TTC Esslingen und Anfang der Neunziger-Jahre Vize-Europameister, mit für den Aufstieg Heiko Zapfs verantwortlich. Beide erkannten das Potenzial, das in dem zierlich wirkenden Lenninger steckt, und er konnte seinerseits beide durch seinen Trainingsfleiß und sein Talent überzeugen. So war es Ziegler, der nach dem Unfall mit der Tischtennisplatte dafür sorgte, dass sich Ärzte vom Olympiastützpunkt in Stuttgart um den lädierten Fuß kümmerten. Und es war Barbic, der ihm vor vier Jahren den Trip nach Zagreb (Zapf: "Das Mekka des Tischtennis-Sports") ermöglichte, wo er Jan-Ove Waldner als Idol auserkor.

Was seine sportliche Zukunft angeht, so bleibt Zapf auf dem Teppich. "Ich stecke mir die Ziele von Jahr zu Jahr." Für 2005 peilt er die Teilnahme an den Jugend-Europameisterschaften an. Die Chancen, sich dafür zu qualifizieren, sind seinen Worten nach "realistisch". Der große Berufswunsch ist klar: Tischtennis-Profi. Sollte dies nicht klappen, träumt er davon, Jet-Pilot zu werden. Die dafür nötige Konzentration und Reaktionsfähigkeit brächte der passionierte Computer-Fan vom Tischtennis mit, wo in fast jedem Ballwechsel Reaktionszeiten von 6 Millisekunden auf bis zu 180 Stundenkilometer schnelle Bälle nötig sind.

Diese Fähigkeiten kann Zapf nun von kommenden Freitag bis Sonntag in Faro, seit der Fußball-Europameisterschaft bestens bekannt, im Dress der Schüler-Nationalmannschaft unter Beweis stellen. Auf die Vergleiche mit Gleichaltrigen auf internationaler Ebene freut er sich. "Da habe ich nichts zu verlieren." Familiärer Anhang darf übrigens nicht mitkommen, damit die Kids von den Eltern nicht beeinflusst werden. "Ich werde alle daheim über SMS auf dem Laufenden halten", sagt er.

Danach freut sich die gesamte Familie Zapf erst einmal auf Weihnachten doch zu einer richtig besinnlichen Verschnaufpause wird es nicht kommen: Von 26. bis 30. Dezember besucht Heiko Zapf, der auf die Musik der Rockgruppe "Die Ärzte" steht, einen Lehrgang in Düsseldorf. Quer durch Europa und die Republik wer einmal wie Jan-Ove Waldner spielen will, hat eben einen dicht gedrängten Terminkalender.