Lokalsport

Den sechsten EM-Titel im Visier

Die Sportschule in Ruit beherbergt seit Montag prominente Gäste. In Vorbereitung auf die im Juni in England stattfindende Europameisterschaft absolviert die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Frauen ein Trainingslager.

PETER EIDEMÜLLER

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OSTFILDERN "Kommen Sie, junger Mann, setzen wir uns doch" wer hätte gedacht, dass die wahrscheinlich erfolgreichste Fußball-Trainerin der Welt so umgänglich ist? Nicht jeder Mensch, der einmal Weltmeister, fünfmal Europameister, einmal Vize-Weltmeister sowie Bronzemedaillengewinner bei Olympischen Spielen (2000 und 2004) war, verhält sich so ungezwungen. Es ist aber genau diese angenehm lockere Art, die Tina Theune-Meyer auf Anhieb so sympathisch macht.

Da sitzt sie nun, die 51-Jährige aus Kleve am Niederrhein, die seit 1996 das Zepter der weiblichen DFB-Auswahl schwingt, und beantwortet Fragen rund um den Frauen-Fußball im Allgemeinen und die deutsche Nationalmannschaft im Speziellen.

Die Weltmeisterinnen von 2003 sind seit Montag zu Gast in der Sportschule Ruit. Die Elf um Weltfußballerin Birgit Prinz (27) nutzt die Einrichtung im Ostfilderner Stadtteil als Station auf dem Weg zur Europameisterschaft vom 5. bis 19. Juni in England.

Dort zählen die deutschen Damen als fünfmaliger Champion natürlich zum Favoritenkreis. Tina Theune-Meyer will im Hinblick auf die deutschen Ambitionen gar nicht erst tief stapeln, wie es männliche Kollegen in vergleichbaren Situationen vielleicht tun würden. "Ganz klar, wir wollen den Titel." Als amtierender Welt- und Europameister dürfte auch kein Weg an den Deutschen vorbeiführen, obwohl die Leistungsdichte auf europäischer Ebene in den letzten Jahren zugenommen hat. "Vor ein paar Jahren waren es nur die Norwegerinnen, die Schwedinnen und wir, die die Titel ausgespielt haben", sagt die mit 132 Länderspielen Erfahrenste, Birgit Prinz, "die anderen haben inzwischen aber mächtig aufgeholt."

Umso wichtiger sind deshalb Trainingslager wie jenes in Ruit, wohin die Damen immerhin schon zum dritten Mal gekommen sind. Zweimal am Tag bitten "TTM" und ihre Co-Trainerin Silvia Neid zum Training. "Es ist schön ruhig hier, der Rasenplatz optimal und die Küche verwöhnt uns mit gutem Essen", lobt Theune-Meyer, die in den vier Tagen, in denen sie und die Mannschaft in Ruit sind, vor allem das Herausspielen von Torchancen üben lässt. "Wir tun uns oft schwer damit, dem Gegner unser Spiel aufzuwingen", erklärt sie den Trainingsschwerpunkt.

Zum Abschluss des Trainingslagers wird die Mannschaft am heutigen Donnerstag ein Demonstrationstraining an der Neustädter Friedensschule abhalten. Der dort neu gegründete Schulsportclub und die WFV-Mädchen-Fördergruppe Stuttgart/Rems/Murr können neben dem Training Autogramme ihrer Stars ergattern und jede Menge Fragen stellen. Ein lästiger Pflichttermin? Nicht für Tina Theune-Meyer und ihre Zöglinge: "Nur auf diesem Weg können wir den Fans etwas von dem zurückgeben, was wir von ihnen bekommen haben." Dankbarkeit schwingt in ihrer Stimme mit, als sie von Treffen mit Schulklassen berichtet, wo die Schüler vor Freude stellenweise geweint hätten. "Die Kinder waren so glücklich, uns mal live zu sehen", ist sie immer noch begeistert.

Seit dem Gewinn des Weltmeistertitels gegen Schweden sind zwei Jahre ins Land gezogen. Damals ist eine ungeheure Welle der Euphorie in Sachen Frauen-Fußball durch Deutschland gezogen. "Ein halbes Jahr lang hatten wir nur Termine, jeder wollte was von uns", beschreibt Theune-Meyer das riesige Medien-Interesse nach dem Titelgewinn, "aber inzwischen ist es wieder etwas ruhiger geworden."

Nach der EM in England wird es, was die Nationalmannschaft angeht, auch ruhiger um Tina Theune-Meyer werden. Zum 31. Juli läuft der Vertrag als DFB-Trainerin aus, Weggefährtin Siliva Neid wird den Posten übernehmen. "Nach 19 Jahren wird das bestimmt ein wehmütiger Abschied, aber ich habe es ja selbst so gewollt," blickt die Diplom-Sportlehrerin voraus. Danach wird sie beim DFB im Bereich Talentförderung einsteigen, eine Aufgabe, auf die sich sehr freut: "Da gibt's auf jeden Fall viel zu tun."

Ob sich ihre Spielerinnen bei der EM besonders anstrengen werden, um ihrer Trainerin zum Abschied einen weiteren Titel zu bescheren? "Wir hängen uns eh immer voll rein", verrät Birgit Prinz augenwinkernd.