Lokalsport

Der Altmeister zeigt's allen

Altmeister Werner Meuser (54) glückte gestern der Tagessieg beim Segelflug-Grand Prix: Der 54-jährige, zweifache Weltmeister gewann vor dem Münsinger Uli Schwenk, gewann zehn Punkte hinzu und verbesserte sich in der Gesamtwertung auf Platz vier.

INGA LOKE

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KIRCHHEIM Am gestrigen zweiten Wertungstag war die Wetterlage noch schwieriger als ein Tag zuvor. Die teilnehmenden Rennmaschinen wurden um 13 Uhr direkt vor der Zuschauertribüne in die Luft geschleppt, die Piloten mussten an diesem Tag eine Aufgabe von 190 Kilometern bewältigen. Nachdem alle Piloten um 14.15 Uhr genügend Höhe gewonnen hatten, wurde der Start freigegeben, und wieder erlebten die Zuschauer einen Regattastart mit 20 Flugzeugen direkt über dem Platz.

Der deutsche Pilot Jürgen Schuster (AeC Ansbach) hatte Schwierigkeiten mit seiner Technik, landete lieber noch einmal, wurde sofort wieder in die Luft geschleppt und versuchte mit 20 Minuten Verspätung eine Aufholjagd vergebens: An diesem Tag musste er mit Schlussrang 20 vorlieb nehmen, nachdem er seinen Flug desillusioniert abbrach. Nachdem die Flugzeuge am Horizont verschwunden waren, verfolgten die Zuschauer auf der Großbildleinwand das aktuelle Geschehen. Fachkundig kommentierte der sportliche Wettbewerbsleiter, Tilo Holighaus, das Geschehen, und die Zuschauer bekamen so die Chance, die unterschiedlichen Taktiken und Entscheidungen der Piloten zu begreifen.

Einige von ihnen flogen lange Zeit in Hangkantenhöhe und mussten immer wieder nach Aufwinden suchen. Einzelne Piloten führten Ausreißmanöver durch, andere mussten aufgrund schlechter Aufwinde in die Täler abgleiten, um dort mehr Luft unter die Flügel zu bekommen. Um 15.15 Uhr erlebten die Zuschauer dann das erste Flugzeug wieder "live" am Himmel: Die spannende Schlussphase begann. Immer mehr der Rennmaschinen waren nun über der Teck zu sehen. Einige kämpften am Hang sichtlich mit ihrer sehr geringen Höhe. Das Abwerfen des Wassers aus den Flügeln war auch vom Boden deutlich zu erkennen.

Gegen 16 Uhr war es dann so weit: Als erster Teilnehmer überflog Werner Meuser, der 54-jährige zweimalige Weltmeister, unter Beifall die Ziellinie auf dem Platz. "Die erste Strecke konnte ich noch thermisch fliegen, dann bin ich mit dem Wind um die Wende herum und ab dort an der Hangkante der Alb entlanggeglitten. Es war ein sehr spannender Flug", kommentierte er seine Luftfahrt in der Ventus 2ax. Als Zweiter kam Uli Schwenk (46/Münsingen), ehemaliger Vizemeister, mit demselben Segelflugzeugtyp ins Ziel. "Die Basis war heute so niedrig, dass ich fast nur in Hangkantenhöhe geflogen bin", bilanzierte er. Tassilo Bode, 33-jähriger Europameister und frisch verheiratet, folgte als Tagesdritter. Mit 300 Stundenkilometern war er in der Schlussphase unterwegs. "Heute war es hammermäßig. Gegen die Erfahrung der alten Hasen ist aber kein Kraut gewachsen", erkannte er die Leistung von Meuser und Schwenk neidlos an. Bode schickte eine Dankadresse an Mario Kießling, den EM Dritten von 2004: "Ohne die örtlichen Kenntnisse von Mario hätte ich die schwierigen Bedingungen sicher nicht so gut gemeistert."

Kießling, Lokalmatador von der Fliegergruppe Wolf Hirth, kam als Vierter ins Ziel. In der Gesamtwertung führt nach zwei Wertungsflügen nun Uli Schwenk (18 Punkte) vor Bode (15) und Kießling (12).