Lokalsport

Der "Birkebeinerrittet" sportliche Reminiszenz an ein altes Heldenstück

110 Kilometer werden

Lado Fumic, Manuel Fumic und Stefan Sahm am Samstag unters Mountainbike bringen: Das Trio startet bei der Marathon-WM in Norwegen. Mangels Streckenkenntnisse wird's eine Fahrt ins Ungewisse.

EDGAR VELOCI

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RENA Sie hat etwas von einer Fahrt ins Blaue, die Marathon-Weltmeisterschaft der Mountainbiker. Im Gegensatz zu den gewohnten Cross-Country-Weltcup-Rennen oder Meisterschaften wissen weder Lado und Manuel Fumic (Kirchheim) als auch Stefan Sahm (Bissingen), was ganz genau sie erwarten wird. Die Konkurrenz ist etwas unübersichtlich, weil sie als etatmäßige Cross- Country-Fahrer auch auf echte Langstrecken-Spezialisten treffen.

Die Siegerzeit bei der 110-Kilometer-Hatz dürfte um die vier Stunden betragen das heißt doppelt soviel wie ein Cross-Country-Rennen üblicherweise dauert. Die Fumics und Sahm kennen die Strecke in Norwegen nur vom Hörensagen. Pech: Vorher anschauen ist auch kaum drin. Allenfalls der Schlussabschnitt, die letzten rund 25 Kilometer in Lillehammer, die man angehängt hat, um auf die vorgeschriebene Mindestlänge zu kommen, lässt sich vielleicht noch in Augenschein nehmen.

Der Start des Rennens liegt in Rena. Von dort aus führt der Kurs erst einmal über einen Berg, um sich dann vergleichsweise flach und einfach bis in die Olympiastadt von 1994 zu schlängeln. "Es gibt da eine Schlüsselstelle, da musst du vorne dabei sein, sonst hast du keine Chance mehr", hat sich Stefan Sahm vom Freiburger Moritz Milatz, der im vergangenen Jahr beim Marathon-Weltcup dort Fünfter war, immerhin sagen lassen. Danach beginnt das Straßenrennen, wo man als "Einzelgänger" praktisch keine Chance mehr hat, zur Spitzengruppe noch aufzuschließen, bis auf der langen Schlussrunde bei Lillehammer dann die Entscheidung über die Vergabe von Gold, Silber und Bronze bei der Marathon-WM fällt.

Die Norweger nennen den Wettkampf "Birkebeinerrittet", jenen gibt es übrigens auch als Cross-Lauf und, im Winter, auf Skiern. Der Birkebeinerrittet greift auf ein historisches Ereignis zurück: Die Birkebeiner wollten Anfang des 13. Jahrhunderts den gerade geborenen Königssohn Haakon vor den verfeindeten Bagler retten. Die beiden besten Skiläufer mussten den zweijährigen Prinzen bei großer Kälte und durch die Schneemassen huckepack in Sicherheit bringen. So zumindest die Heldensaga, die sie sich in der Region erzählen.

Den Birkebeinerrittet auf dem Mountainbike gibt es inzwischen zum 13. Mal. Er gilt mit rund 11 000 Teilnehmern als der größte Marathon weltweit. Die Teilnehmer müssen einen 3,5 Kilogramm schweren Rucksack mitschleppen. Der soll das Gewicht des Prinzen symbolisieren. Den WM-Teilnehmern allerdings bleibt dieses Handicap erspart: eine Unbekannte weniger . . .