Lokalsport

Der Burgfriede unter der Limburg ist gestört

Sechs Tage noch bis Rosenmontag. Bei den Weilheimer Handballern sind die tollen Tage bereits in vollem Gange. Seit Bekanntgabe der Trennung von Coach Peter Schmauck zum Saisonende ist das Tischtuch zwischen Trainer und Abteilungsleitung zerschnitten.

BERND KÖBLE

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WEILHEIM Freunde fürs Leben dürften sie im Hier und Jetzt wohl kaum mehr werden. Weilheims Abteilungsleiter Bernd Reisgies und Trainer Peter Schmauck geben sich dieser Tage wenig mitteilsam. Wie immer, wenn man nicht sagen darf, was man eigentlich gerne sagen würde, bleibt die Flucht in die diplomatische Terminologie. Fest steht: Peter Schmauck, zu Saisonbeginn erst vom Landesligisten TV Pflugfelden unter die Limburg gewechselt, wird den TSV zum Ende der laufenden Runde verlassen. Schmaucks Abschied von Weilheim ist bereits der zweite innerhalb weniger Jahre. Von 1998 bis 2000 saß der 43-Jährige schon einmal unter der Limburg auf der Trainerbank. Diesmal allerdings nimmt der einst beim TSV Köngen Aktive nicht freiwillig seinen Hut.

Die Nachricht von der drohenden Entlassung erhielt Schmauck vergangenen Dienstag nach dem Training in einem Vier-Augen-Gespräch mit der Abteilungsleitung. Im Anschluss wurde auch die Mannschaft informiert. "Ich habe ihm mitgeteilt, dass wir für die Saison 2007 ohne ihn planen werden", sagt TSV-Abteilungsleiter Bernd Reisgies, der sich zuvor mit der restlichen Abteilungsspitze auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt hatte. Die Frage nach Gründen lässt sich Reisgies zufolge nicht in einem Satz beantworten. Nur soviel: "Da sind viele Kleinigkeiten zusammengekommen."

Aus sportlicher Sicht ist dem Trainer wenig anzulasten: Weilheim steht auf Platz fünf der Landesliga-Tabelle, nur einen Punkt hinter dem TSV Scharnhausen und mit reichlich Luft nach unten. Sieht man von den beiden jüngsten Niederlagen gegen Unterensingen und zuletzt gegen Grabenstetten einmal ab, liegt die Mannschaft durchaus im Soll. Eine Mannschaft wohlgemerkt, die sich seit dem verpassten Verbandsliga-Aufstieg im Vorjahr im Umbruch befindet, während sich wichtige Stützen wie Volker Allgaier oder Routinier Martin Weiss mit Langzeitverletzungen herumplagten. Doch genau dort liegt der Hase im Pfeffer. Was den Weilheimern fehlt, ist der Mut, den Generationenwechsel mit der nötigen Konsequenz anzupacken. Ein Vorwurf, dem sich schon Schmaucks Vorgänger Dieter Schlichtenmayer ausgesetzt sah und der den jetzigen Trainer ebenso trifft. Dass dieser sein fraglos vorhandenes Temperament am Spielfeldrand nicht immer im Griff hat, ist ein weiterer Kritikpunkt, der Bernd Reisgies zum Handeln veranlasste. "Ein Trainer muss auch nach außen ein positives Bild abgeben", meint der Abteilungschef. Zumindest in diesem Punkt scheint er in der Mannschaft Befürworter zu finden. "Was die Außenwirkung anbelangt, kann ich den Schritt verstehen", meint Weilheims Mannschaftsführer Andreas Bleher, der dem Trainer in punkto Fachwissen und Trainingsgestaltung hingegen das beste Zeugnis ausstellt. "An sportlichen Dingen kann es sicher nicht gelegen haben", sagt Bleher. Die meisten Spieler befänden sich daher im Zwiespalt.

Schmauck selber, der zu Saisonbeginn mit längerfristigen Plänen im Gepäck nach Weilheim kam, zeigte sich von der Botschaft vergangene Woche überrascht. "Ich will das nicht näher kommentieren", meinte er gestern kurz und knapp. Die Entscheidung, die Saison zu Ende zu bringen, sei im Einvernehmen mit der Mannschaft gefallen. Dort scheint der Trainer nach wie vor genügend Rückhalt zu spüren. "Sonst hätte ich meine Arbeit sofort beendet", sagt er.

Mit der beschlossenen Trennung hat unter der Limburg bereits die Planungsphase für die neue Saison begonnen. "Jetzt gehe ich erst einmal in Urlaub, danach werden wir uns intensiv auf die Suche machen", sagt Bernd Reisgies. Am Erfolg, das weiß er, wird er sich messen lassen müssen, schließlich gab es in den vergangenen Tagen auch die eine oder andere kritische Stimme im Verein. Die Trainerfrage wird folglich zur ersten Bewährungsprobe für den Newcomer, der erst zu Saisonbeginn in die Rolle des Abteilungsleiters schlüpfte. Gesucht wird eine Integrationsfigur, die den Verjüngungsprozess in der Mannschaft beherzt vorantreibt. Eine Autorität mit Stallgeruch, wenn man so will. Da drängt sich schnell ein Name auf, der den Weilheimer Nachwuchs aus dem Effeff kennt: Wernaus derzeitiger Bezirksliga-Trainer Enrico Wackershauser, im "Nebenberuf" A-Jugend-Betreuer der SG Teck, steht wie kein anderer für erfolgreiche Nachwuchsarbeit in der Region und war schon nach seinem Abschied in Owen vor Jahresfrist unter der Limburg ein Thema. Doch Reisgies wiegelt ab: "Wir haben keinen Wunschkandidaten und es gibt auch keine Kontakte." Der nahende Frühling bringt's vermutlich ans Licht.