Lokalsport

„Der Druck lastet auf Calcio“

Fußball: TSV Weilheim vor entscheidendem Duell um Landesligaaufstieg

Punktlandung in Plattenhardt? Fußball-(Noch-)Bezirksligst TSV Weilheim muss auf dem Relegationsweg in die Landesliga nur noch eine Hürde nehmen: Calcio Leinfelden-Echterdingen. Während deren Trainer Gavranovic vor dem entscheidenden Duell (Sonntag, 15 Uhr, in Plattenhardt) von einer 50:50-Chance spricht, schiebt Weilheims Coach Alexander Hübbe die Favoritenrolle auf die Fildern: „Der Druck lastet auf Calcio.“

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Peter Eidemüller

Weilheim/Leinfelden. Ob Weltmeisterschaft oder Amateurrelegation, ob Pretoria oder Plattenhardt – Fußballfans kommen dieser Tage im Großen und Kleinen voll auf ihre Kosten. Gretchenfrage am Sonntag: Schaut man im TV das Vorrundenspiel der Gruppe F zwischen Italien und Neuseeland (Anpfiff 16 Uhr) oder fährt man nach Plattenhardt, um das entscheidende Duell um den vakanten Platz in der Landesliga zwischen Calcio Leinfelden-Echterdingen und dem TSV Weilheim (ab 15 Uhr) zu verfolgen?

Letztgenannter Kick bezieht seine Spannung aus der simplen Konstellation: Der Sieger mischt kommende Saison in der zweithöchsten württembergischen Spielklasse mit, der Verlierer muss auf Bezirksebene antreten. Entsprechend dieser Aussicht machen die Verantwortlichen in beiden Lagern ordentlich auf Understatement. „Weilheim ist psychologisch im Vorteil, weil sie in der Relegation zwei Spiele hintereinander gewonnen haben“, glaubt Calcio-Coach Alexander Gavranovic. Sein Weilheimer Pendant schießt zurück: „Der Druck lastet auf Calcio, die haben mehr zu verlieren als wir“, so Alexander Hübbe.

Und wer ist nun wirklich im Vorteil? Die Weilheimer kennen ihren Gegner nur vom Hörensagen. „Wir wollten in der Vorbereitung mal gegen die spielen“, weiß Hübbe, „aber das hat nicht geklappt.“ Calcio hingegen weiß, mit wem sie es am Sonntag zu tun bekommen: Gavranovic war Zaungast des Weilheimer Spiels am vergangenen Wochenende gegen Bonlanden, hat dabei festgestellt: „Ein ganz unangenehmer Gegner, der sehr laufstark ist.“ Ein Akteur ist ihm dabei besonders aufgefallen:

Weilheims Spielmacher Gaetano Caruana, den er noch aus gemeinsamen Verbandsliga-Tagen beim VfL Kirchheim kennt. „Auf ihn werden wir ein ganz besonderes Augenmerk legen müssen“, so Gavranovic, dem außer Caruana nur noch ein Weilheimer Kicker bekannt ist: Kai Hörsting. Beider Wege kreuzten sich vor vier Jahren in der Landesliga, als Hörsting noch beim TSV Köngen kickte.

Der 25-Jährige ist das große Weilheimer Sorgenkind für das Spiel am Sonntag. „Kai wird wohl nur eine Halbzeit spielen können“, sagt Ale­xander Hübbe. Hörsting plagen seit geraumer Zeit Leistenprobleme unbekannter Herkunft, die letzte Untersuchung beim Arzt ergab eine Art Entzündung. „Ich hatte zwischenzeitlich schon sechs Wochen pausiert“, klagt der Leidgeprüfte, „aber richtig weg sind die Schmerzen nie gegangenen.“ Trainieren konnte der 17-fache Saisontorschütze unter der Woche nicht, will am Sonntag aber auf die Zähne beißen. „Das lass‘ ich mir nicht entgehen, auskurieren kann ich dann in der Sommerpause.“

Diskussionen gab es im Vorfeld des Relegationsmatches um den Austragungsort Plattenhardt. Kurioserweise stören sich die Leinfelden-Echterdinger mehr an der Tatsache, dass in ihrer direkten Nachbarschaft gespielt wird, als die Weilheimer. „Es ist ein Unding, dass ein solch entscheidendes Spiel bei einem unserer Ligakonkurrenten stattfindet“, wettert Alexander Gavranovic. Weilheims Alexander Hübbe sieht‘s gelassen: „Das Spiel kann weiß der Geier wo stattfinden, gewinnen musst du es überall.“ Zwei gute Omen für den TSVW bezüglich des Spielorts: In Plattenhardt hat Calcio in der abgelaufenen Saison glatt mit 0:3 verloren. Darüber hinaus gelang der eigene Sieg über Bonlanden vor fünf Tagen ebenfalls in Plattenhardt. Allerdings ist der Platz im Sportgelände Weilerhau kleiner als normal. „Da können wir unsere Konditionsstärke nicht so ausspielen, wie auf einem größeren Platz“, glaubt Kai Hörsting.

Egal, ob der Goalgetter spielt oder nicht: Alexander Hübbe setzt übermorgen auf Startformation und Taktik aus dem Bonlanden-Spiel: Per 4-4-2-System soll Calcio in die Knie gezwungen werden. „Entscheidend wird sein, wer den besseren Teamgeist hat“, glaubt Hübbe, der am heutigen Freitag zum letzten Training vor dem Showdown bittet. „Die Stimmung in der Mannschaft ist gut, die Spieler machen einen frischen Eindruck“, freut sich der Trainer.

Und was, wenn‘s übermorgen tatsächlich mit dem Durchmarsch von der Kreisliga A in die Landesliga klappen sollte? Gedanken an die große Sause verbieten sich die Weilheimer – noch: „Geplant ist nichts, aber wir wären auch in der Lage, aus dem Stand heraus richtig zu feiern“, so Hübbe augenzwinkernd. Und Kai Hörsting ergänzt: „Dann gibt‘s im Sommer einen großen Mannschaftsausflug.“

TSV Weilheim: Treiber – Wiesenmayer, Sigel, Strohmaier, Heisig – Hartmann, Ruggiero, Caruana, S. Cronauer – Stumpe, Incorvaia (Hörsting)

Calcio Leinfelden-Echterdingen: Müller – Gökce, Girwert, Dere, Schmeil – Schwarz – Salvioli, Bastasic, Villani – Vujevic, Bonsignore