Lokalsport

Der Enttäuschung wich Stolz und ein "Hallo" von Trap

KIRCHHEIM Wenn dereinst Vater und Sohn durch den Kurort Beuren wandern sollten, läge es durchaus im Bereich des Möglichen, dass

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PETER EIDEMÜLLER

der Senior mir erhabener Stimme sagt: "Mein Sohn, das ist der Ort, aus dem er kam." "Wer denn?", wird der Filius entgegnen. "Na, einer, der mit Fußball-Geschichte geschrieben hat."

Zugegeben, ganz so pathetisch darf man es sich wohl nicht vortstellen, wenn zukünftige Generationen über Christian Gentner reden werden dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass der 19-jährige Beurener zusammen mit seinen kickenden Altersgenossen bei der U20-Weltmeisterschaft in Holland eine DFB-Durststrecke beendet hat: Der deutsche Fußball-Nachwuchs des Jahrgangs 1985 hat zum ersten Mal seit 18 Jahren wieder das Viertelfinale bei einer Weltmeisterschaft erreicht.

Dort scheiterten die Youngster von Trainer Michael Skibbe am Freitagabend zwar an Brasilien (1:2 nach Verlängerung), doch wie für seine Teamkollegen bleibt auch für Christian Gentner dieses Match als "Riesen-Sache" im Gedächntis. "Bei diesem Turnier mitgespielt zu haben, ist mein bisheriger Karrierehöhepunkt", freut sich der Akteur des VfB Stuttgart mit Vergangenheit beim VfL Kirchheim.

Natürlich sei er über das Ausscheiden ein wenig enttäuscht, schließlich haben nur ein paar Minuten zur Sensation gefehlt: Beim Stande von 1:0 für die deutsche Elf bekommen die DFB-Youngster acht Minuten vor Spielende den Ball nicht aus dem Strafraum. Auch Gentner versucht, die Situation mit einem Kopfball zu entschärfen sein Klärungsversuch schlägt fehl, Edcarlos hämmert den Ball per Fallrückzieher an die Latte, den Abpraller nutzt Tardelli per Kopf zum 1:1. "Das ging so schnell, da hatte man gar keine Zeit zum Überlegen", erinnert sich der gebürtige Nürtinger Gentner an die Szene, die zur Verlängerung führte, in der die Brasilianer den entscheidenden 2:1-Treffer erzielten.

Trotzdem: Was nach dem unglücklichen Ausscheiden überwiegt, sind Stolz und Zufriedenheit auch bei Gentner: "Alles in allem lief es ordentlich", bilanziert er seine Auftritte fast schon ein wenig bescheiden: Immerhin hatte er beim 3:2-Sieg gegen China im Achtelfinale das zwischenzeitliche 1:1 erzielt. Die Stimmung in den Stadien (Zuschauerzuspruch zwischen 10 000 und 20 000) sei hervoragend gewesen, obwohl er feststellen musste, dass "wenig deutsche Fans nach Holland rübergekommen sind".

Der Party-Laune nach dem historisch bedeutsamen WM-Auftritt tat dies jedoch keinen Abbruch: Nach einer ausgiebigen Feier bis in die frühen Sonntagmorgenstunden ging es für Gentner, seinen Stuttgarter Vereinskameraden Marcel Schuon sowie alle anderen wieder zurück nach Hause. Beim VfB empfing man die beiden bereits mit lobenden Worten. "Die Resonanz der Verantwortlichen war durchweg positiv", freut sich Gentner, der auch dem "Maestro" Giovanni Trapattoni bereits begegnet ist. "Wir haben uns aber nur kurz ,Hallo' gesagt."

Sind die Chancen, den Sprung in den Profikader endgültig zu schaffen, nun gestiegen? "Ich hoffe es natürlich", sagt er, der sich vor dem Trainingsauftakt am Canstatter Wasen eventuell noch einen Kurzurlaub gönnen wird. Dass er am kommenden Freitag im Kirchheimer Stadion beim Freundschaftsspiel des VfB gegen den VfL auflaufen wird, kann er Urlaub hin oder her mit Sicherheit ausschließen. "Aber vielleich schaue ich mir das Spiel an." Einer, der WM-Geschichte mitgeschrieben hat, als Zuschauer an der Jesinger Allee wieder so eine Geschichte für Vater und Sohn.