Lokalsport

"Der erste Tag verlief glänzend"

"Dabei sein ist alles" das wohl bekannteste Sport-Zitat aller Zeiten stammt aus dem Munde des Mannes, ohne den die Olympischen Spiele nicht denkbar wären: Pierre de Coubertin. Auf sein Bestreben hin fand 1896 in Athen die erste Olympiade der Neuzeit statt. Wie in vielen anderen Zeitungen im Deutschen Reich wurde auch im Teckboten die Berichterstattung jedoch eher auf kleiner Flamme gekocht. Grund: nationalistische Konflikte unter den teilnehmenden Ländern.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Jeder fängt mal klein an. Auch das heute größte Sportspektakel der Welt kam vor 111 Jahren bescheiden daher: Gerade einmal 262 ausnahmslos männliche Athleten aus 13 Nationen nahmen 1896 an den ersten Olympischen Sommerspielen der Neuzeit in Athen teil. Zum Vergleich: Vor drei Jahren waren es bei der 28. Auflage der Spiele 10 500 Sportler aus 202 Ländern, die ebenfalls in der griechischen Hauptstadt auf Medaillenhatz gingen. Dass es Ende des 19. Jahrhundert überhaupt so weit kam, war dem französischen Pädagogen und Historiker Pierre de Coubertin zu verdanken. Ab den 1880er-Jahren trat er für eine Wiederbelebung der zuletzt im Jahre 393 nach Christus abgehaltenen Olympischen Spiele ein mit Erfolg.

Am 6. April 1896 eröffnete König Georg I. von Griechenland im voll besetzten Panathinaikon-Stadion die damals neuntägige Veranstaltung mit denselben Worten, die seitdem jedes Staatsoberhaupt des Gastgeberlandes spricht: "Ich erkläre die ersten internationalen Olympischen Spiele in Athen für eröffnet." Vier Tage später konnte sich auch der sportinteressierte Teckbotenleser von der Eröffnungsfeier ein Bild machen: "Der erste Tag verlief glänzend. 80 000 Personen waren anwesend. Der König bewillkommte die kampfeskundige Jugend, die aus allen Weltteilen nach hier zusammenströmte." Der erste Wettkampftag brachte dem 19 Athleten starken Team des Deutschen Reichs auch gleich die erste Medaille: "Beim Wettlauf über 100 m flacher Bahn siegte der Deutsche Hofmann als zweiter." Für seine Zeit von 12,2 Sekunden erhielt der damals 24-jährige Fritz Hofmann aus dem thüringischen Roßleben die Bronzemedaille. 1896 bekam der Zweitplatzierte noch keine Silbermedaille. Die heute übliche Goldmedaille und die Ehrung der ersten Drei wurde erst bei den Spielen 1904 in St. Louis eingeführt.

Für Hofmann sollte es nicht die letzte Top-Platzierung bleiben: Im 400-m-Endlauf belegte er Platz drei mit einer Zeit von 55,6 Sekunden was im Teckboten zu einer merkwürdigen Erwähnung führte: "Beim Diskuswerfen über 400 m errang Hofmann den zweiten Preis." Die beiden erfolgreichsten Athleten der Spiele waren übrigens Deutsche: Carl Schuhmann (vier Mal Gold) und Hermann Weingärtner (drei Mal) sorgten auch für die nächste Meldung im Teckboten am 12. April: "Bei dem heutigen Wettturnen siegten Schuhmann und Weingärtner."

In den Tagen und Wochen danach findet sich im Teckboten-Jahresband von 1896 keine einzige Silbe mehr über die Olympiade von Athen. Möglicher Grund: Bereits vor Beginn der Spiele erschienen in vielen Zeitungen im Deutschen Reich Artikel, die die Wettkämpfe als französisch-griechische und damit als für Deutsche unwürdige Veranstaltung herabzuwürdigen versuchten. So erhielten beispielsweise die 19 deutschen Athleten, die nach Athen reisten, einen Verweis der Deutschen Turnerschaft und wurden gesperrt.

Die Idee Pierre de Coubertins, alle vier Jahre ein völkerverbindenes Sportfest abzuhalten, hatte damals nicht nur Befürworter. So wurde der Berliner Arzt Willibald Gebhardt, damals Deutschlands treibende Kraft in Sachen Olympia, als "undeutscher Mann" verumglimpft. Viele Zeitungen forderten, "ihn mit Schande aus dem deutschen Volk auszustoßen."